Review

Genauso wie der Titel ungewöhnlich ist, tauchen in "Non Si Sevizia Un Paperino" eine (für einen Giallo) sehr ungewöhnliche Ansammlung von Charakteren auf. Keine schreienden halb- oder ganznackten Frauen stehen hier auf der Bodycountliste sondern pubertierende kleine Jungen. Diese Tatsache zeichnet diesen Fulci als einen Versuch aus, eine seriöse geheimnisvolle und schaurige Mordgeschichte zu erzählen. Durch Andrea Martellis (Milian in Hochform) Nachforschungen wird nicht nur ein perverses Individuum, dessen Sinn für die Realität sich durch zu vieles Grübeln über jugendliche Unschuld verzerrt hat, gezeigt, sondern hauptsächlich wird die konservativ-abergläubisch-argwöhnisch-intolerante Haltung der Landbevölkerung bloßgestellt. Die von den Dörflern ausgestoßenen Aussenseiter werden zu den Sympathieträgern des Zuschauers.
In bestimmten Punkten folgt "Non Si Sevizia..." natürlich auch den Genrekonventionen: der Zuschauer wird z.B. durch falsche Fährten vom wirklichen Killer abgelenkt. Barbara Bouchet hat auch einen kleinen Nudie-Auftritt (ein Augenschmaus!).
Es ist eine Schande, dass die Aufmerksamkeit immer wieder auf Fulcis Zombiewerke "L'Aldila", "Zombi 2" und "Paura" gerichtet ist (nicht dass ich diese Filme nicht mag!), weil "Non Si Sevizia Un Paperino" einer seiner hervorragendsten Werke ist, das zu Unrecht erst nach den oben erwähnten Zombiereissern genannt wird.
Der Film ist von Sergio D'Offizi ausgezeichnet fotografiert...durch die gute Kameraarbeit wird der Zuschauer in die Handlung und in die ländlichen Schauplätze wirklich hineingezogen. Es gibt zahllose Bilder, die sich beim Zuschauer bleibend einprägen: Ein Mord in einer Gewitternacht in einem abgelegenen Wald; eine Unbekannte, die an einem versteckten Platz ein Skelett ausgräbt; eine Szene, in der eine Frau von sadistischen und rohen Dörflern mit Stahlketten bewußtlos gepeitscht wird; etc. Jeder noch so kleine Gegenstand erhält eine symbolische Bedeutung!
Manchmal erinnert die Atmosphäre in "Non Si Sevizia..." (durch den ländlichen Schauplatz) an amerikanische Backwoodfilme: in der heilen ländlichen Welt ist nichts so wie es scheint!
Die wirklich solide Besetzung - Bolkan, Milian und Bouchet glänzen in ihren Rollen - grenzt den Film zusätzlich ab von vielen von Fulcis anderen Filmen.
Fazit: Der kraftvollen und atmosphärischen Bildgewalt und dem Unterhaltungswert dieses Films wird sich kein Giallo- und Slasher-Liebhaber entziehen können.
Sehr empfehlenswert und deshalb: Volle Punktzahl!
PS: Die beste Version ist zur Zeit auf DVD von Anchor Bay erhältlich.

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