Review
von Leimbacher-Mario
Als Star Wars seine Magie verlor... ?
Noch nie war das Interesse an einem neuen Star Wars derart gering, noch nie waren bei diesem Franchise die Moneytoes derart rollwiderspenstig, noch nie waren die Fans abwesender und skeptischer - "Solo" hat es sicher nicht leicht. Erst recht wenn man etliche Querelen am Set und in den Chefetagen mit einbezieht. Ist das neueste Spin Off der Sternensaga also der Reinfall mit Ankündigung? Ist es der schwächste Star Wars aller Zeiten? Bräuchte ihn wirklich keiner? Nein. Nein. Und nochmal nein. Mir hat "Solo" viel Spaß gemacht. Sogar mehr als der Publikumsspalter von Rian Johnson. "Solo" ist kein Spektakel und ein mächtiger Schritt Richtung Gewohnheit für die Marke "Star Wars", doch er hat definitiv seine Momente und ich würde ihn nicht abschalten, wenn ich ihn spontan im Fernsehen erwische oder nicht nein sagen, wenn ihn Kumpels nochmal mit mir gucken wollen würden. In seinem ersten (und wahrscheinlich auch letzten) eigenen Kinoabenteuer, lernen wir den jungen Han kennen - wie er leibt, lebt, liebt und natürlich den Kesselflug in den berühmten 12 Parsec schafft...
Warum sollte man "Solo" eine Chance geben? Weil viele kleine Dinge endlich mit Hintergrundinfos gefüllt werden und Fans Etliches zu entdecken haben. Selbst wenn dadurch etwas die Magie und das Mysterium flöten gehen. Weil es einen coolen Chameo gibt und weil die Action und Effekte mehr als solide sind. Weil sich Alden Ehrenreich als junger Han den Hintern abspielt und ihm Donald Glover als junger Lando trotzdem heftig die Show stiehlt. Weil man dem Beginn einer der berühmtesten aller Filmfreundschaften beiwohnen darf. Weil sich der Film nicht vor Toden scheut. Weil der Soundtrack Gänsehaut entfacht und weil Emilia Clarke immer einen Blick wert ist. Und weil der neue, für Gleichberechtigung und Feminismus kämpfende Droide L3 mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Zudem gibt es eine vollgepackte Barszene, die an alte Zeiten erinnert. Wer nun immer noch nicht überzeugt ist, dem Solo-Abenteuer eine Chance zu geben...
... der wird sich nach den folgen Punkten bestätigt fühlen. Denn darum, ist bei "Solo" dennoch ein dezenter Haufen Sand im Getriebe: Ehrenreich gibt sich wie oben erwähnt extrem Mühe - und das merkt man und wirkt angestrengt. Der ganze Film wirkt zu dunkel und nicht immer bleibt alles übersichtlich. Zudem gibt es unübersehbare Längen und seltsame Storysprünge und Entscheidungen, die nur mit dem Produktionschaos und den Reshoots zusammenhängen können. Die Chemie zwischen Ehrenreich und Clarke wirkt stets etwas unterkühlt und manchmal hat man das Gefühl, dass sich der Film einfach an einem Han Solo-Best Of abarbeitet, alle Boxen abtickt. Zu guter letzt gibt es keinen brauchbaren Gegenspieler und die ungefährliche Chose bleibt nicht allzu lange im Gedächtnis. "Solo" sticht kaum heraus - weder negativ noch richtig positiv. Für eine allgemeine Star Wars-Übersättigung kann er allerdings nichts.
Fazit: "Solo" ist besser, als er nach seiner chaotischen Produktionsgeschichte jedes Recht hätte. Ich mag die intime Story, den alten Vibe und das Heist-Feeling. Ron Howard, der alte Handwerker, hat gerettet, was ging. "Solo" ist sicher etwas Retorte und nicht mehr das große Event - ein schlechter Film allerdings noch viel weniger. Irgendwie fast schon schade, wenn ihn auf Grund des "The Last Jedi"-Frusts und des voreingenommenen Disney-Bashing viele im Kino skippen...