Nur knapp fünf Monate nach „The Last Jedi“ (2017) kam der zweite Film ohne Episoden-Nummerierung in die Kinos. Und damit die Herkunftsgeschichte einer der bekanntesten und beliebtesten Charaktere der klassischen „Star Wars“-Saga. Ob man wirklich danach verlangt hat, das muss jede/r für sich entscheiden, Disney wollte mit seiner erworbenen Marke was anfangen und brachte mit „Solo: A Star Wars Story“ die Abenteuer des jungen Han Solo auf die Leinwand. Bis es dazu kam, gab es hinter den Kulissen allerlei Wechsel. Nicht nur auf dem Regiestuhl, den am Ende Ron Howard innehatte. Wie viel Einfluss das mitsamt der Nachdrehs aufs Endergebnis hatte ist einerlei, es beginnt mit dem bekannten einleitenden Satz – gefolgt von noch mehr blauem Text, der zur Einordnung dient.
Und so erfährt man durch diese etwas plumpe Informationsvermittlung, dass der in Armut lebende Han gezwungen ist, auf Corellia für eine lokale Verbrecherorganisation zu arbeiten, insgeheim aber davon träumt, mit Freundin Qi'ra all dies Leben hinter sich zu lassen. Die Flucht verläuft nicht nach Plan, die beiden werden getrennt, Han landet bei der imperialen Armee und von hier an hakt das Skript einfach Punkte ab, die irgendwo mal erwähnt wurden und (vermeintlich) zu dem Han Solo geführt haben, den man mal zuerst in „Star Wars“ (1977) getroffen hat. Die Liste umfasst seinen Nachnamen (erste Gesichtspalme), die Begegnung mit Chewbacca (wer kann kein Shyriiwook?), den Millenium Falcon (sah mal sauber aus), den „Kessel Run“ (na endlich die Parsec-Frage!), Lando Calrissian oder selbst seine Schusswaffe. Und noch so einiges mehr. „Solo“ ist eine verfilmte Auflistung von Eckdaten, von Gegenständen, Ereignissen und Personen. Und dadurch so unglaublich wenig interessant.
Er schafft es nicht einmal, meine nostalgische Ader anzusprechen, trotz dieser ganzen aus der originalen Trilogie bekannten Versatzstücke. Warum? Weil er sich durchgehend so anfühlt, als würde er einfach alles nur nachstellen. Ein Beispiel hierfür ist die Hauptfigur selbst. Alden Ehrenreich spielt solide, wirkt auf mich aber nur sehr selten wie Han, sondern meist wie eine Kopie. Und auch das Skript nähert sich der Figur auf merkwürdige Weise. Es lässt keinen Weg hin zur originalen Trilogie erkennen, denn Solo ist hier zu sehr schon dort, wohin er sich erst später (nochmal) entwickelt. Damit ist ausgerechnet die Hauptfigur hier der unspannendste Charakter.
Vieles ist angetrieben von Zitaten und Anspielungen (Menü à la Filoni). Es ist klar, dass man Verbindungen herstellen will, elegant geht das aber anders (Lando mag noch keine Minen?).
Viel Zeit lässt sich „Solo“ ab Minute eins nicht. Selbst so nachhaltige Ereignisse wie das Kennenlernen von Han und Chewie wirken plötzlich und schnell runtergekurbelt. Die Liste ist eben lang. Der eigentliche Plot daneben, wenn sich der Streifen zum Heist-Film entwickelt, ist im Kern routiniert inszeniert. Zwar verlangt er Interesse für Figuren, die man nie wirklich kennenlernt, bietet aber z. B. mit Beckett (Woody Harrelson) in seiner Rolle als Mentor eine reizvolle Nebenfigur. Qi'ra (Emilia Clarke) bleibt wenig spannend, wie auch die Beziehung zu Han. Der Rest des Ensembles ist schwankend, wobei Chewbacca (Joonas Suotamo) gut funktioniert. Was man von dem Aktivisten-Droiden L3-37 nicht behaupten kann, ihre Ausführungen sind da zu aufdringlich. Donald Glover zieht sich als Lando auch noch solide aus der Affäre und der Kurzauftritt von Warwick Davis ist mal ein gelungenes Augenzwinkern in Richtung der Fans. Auf Seiten der Schurken steht ein blasser Paul Bettany als Dryden Vos, der Messerchen hat und mal auf dem Grill eingeschlafen ist. Einen überraschenden Holo-Auftritt gegen Ende hätte man sich sparen dürfen, das unpassende Zünden eines Lichtschwerts (wozu?) lässt die ganze Szene in peinlicher Plakativität versinken.
Letztlich passt das aber zur Mittelmäßigkeit des gesamten Werks, das in seinen über zwei Stunden andere Punkte hätte abhandeln können. Denn es wirft durchaus ein paar interessante Anknüpfungspunkte in den Raum. So hätte Hans Zeit beim Imperium schon eine spannende längere Episode abgegeben, die auch der Formung des Charakters gedient hätte. Dass das Skript wie „Rogue One“ (2016) auf Macht und Jedi verzichtet ist keine schlechte Idee, der Fokus auf Abenteuer mit Westernanleihen ist „Star Wars“ nicht fremd, in dieser Umsetzung aber wenig mitreißend.
Audiovisuell muss sich „Solo“ nicht viel vorwerfen lassen. Das Abenteuer ist effektreich in Szene gesetzt, der Score von John Powell hat seine Momente. Meister Williams scheint hier und da mal durch und steuerte überdies noch das Hauptthema bei.
„Im Han.“ - „Nobody cares.“
Der zweite Ableger außerhalb der Episoden-Reihe kann mit seiner Liste-abhaken-Mentalität nicht begeistern. Über Sinn und Unsinn, beliebte Figuren rückwärts mit Geschichte aufzuladen, kann man lange diskutieren. Mit „Solo“ hat das in meinen Augen nicht funktioniert, das ist zu viel Abarbeiten und zu wenig Aufbauen. Man wird mit allerlei Verweisen beworfen, das lenkt vielleicht von den vielen dummen Ideen hier ab. Oder von der Beliebigkeit der Inszenierung, von der Beantwortung nicht gestellter Fragen. Passable Actionsequenzen und manch unterhaltsamer Nebencharakter stehen auf der Habenseite, das Gesamtwerk aber ist zu unspannend und uninspiriert.