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Steven Seagal war als Actionheld einmal richtig gefragt. Mit Filmen wie „Alarmstufe: Rot“, „Zum Töten freigegeben“ und „Hard to Kill“ schuf er Anfang der 90er Jahre harte Vertreter des Genres, welche mit zahlreichen gut choreografierten Martial-Arts-Einlagen aufwarten konnten. Doch diese Zeiten sind scheinbar endgültig vorbei, denn ebenso wie ein gewisser Sylvester Stallone sucht Mr. Seagal schon seit Jahren nach seiner einstigen Form und geht straff aufs Rentenalter zu – da werden gute Rollenangebote knapp. Das erklärt, warum auch „The Foreigner – Der Fremde“ – einer von Seagals jüngeren Filmen aus dem Jahre 2003 – ein echter Flop war.

Zur Story: Agent Jonathan Cold (Seagal) soll bei Versailles ein Päckchen abholen und nach Deutschland zum Industriellen Van Aken verbringen. Doch der scheinbar simple Auftrag gerät zu einer undurchsichtigen Hetzjagd auf das Paket mit brisantem Inhalt, welche durch mehrere Länder Europas führt.

Das Wort „undurchsichtig“ möchte ich dabei hervorheben. Irgendwie versucht Colds Auftraggeber seinen Boten loszuwerden und andere, richtig böse Buben (natürlich stereotypisch schwarz angezogen) gibt`s auch noch. Spätestens nach einer Dreiviertelstunde konnte ich dem Handlungsverlauf nur noch mit Mühe folgen – so kryptisch verworren ist das Ganze. Dazu gesellen sich die scheinbar obligatorische Unlogik (Cold hört anhand weniger Wortfetzen, dass es sich bei den Schusswaffen-Schergen zu Anfang des Films um Dänen handelt; Colds französischer Kumpel mit Sonnenbrille auf dem Kopf stirbt während des Films 3 oder 4 Mal und taucht immer wieder auf – is klar!) und ein paar unmotivierte Zeitlupeneffekte in den unübersichtlich geschnittenen, spärlich gesäten Baller-Szenen. Ich rede von „Ballerszenen“, weil Steven Seagals kurze Martial-Arts-Einlagen auf ein Minimum beschränkt und gegen Herumgerenne mit kleinkalibrigen Waffen eingetauscht worden. Ohnehin scheint Seagal außer Form: Zwar spielt er so mimisch beschränkt wie immer (permanent derselbe Gesichtsausdruck), wirkt aber aufgedunsen und sichtlich gealtert, was ein langer Ledermantel nur notdürftig kaschiert. „The Foreigner“ hat aber mit Seagal als Hauptdarsteller noch die geringste Schwäche aufzuweisen: In Sachen (verquast überkomplizierter) Story und Unterhaltungswert kann man dem Film nur ein „mangelhaft“ attestieren. Regisseur Michael Oblowitz nervt mit einer kraftlosen und langweiligen Inszenierung, die noch unterboten wird von papierdünnen Dialogen und der miesen Actionchoreografie, wo hirnlos extra viele Leute blutspritzend und unübersichtlich niedergeschossen werden. Daran ist aber auch der Kameramann nicht ganz unschuldig. Ein paar sinnlos brennende und explodierende Häuser gehören da noch zu den wenigen Highlights.

Fazit: Seagal wird müde. „The Foreigner – Der Fremde“ ist hinterletzter Videothekenschrott, der aufgrund zahlreicher inszenatorischer Defizite nicht einmal Trash-Fans erfreut. Diese als stereotypisch und platt zu bezeichnen, wäre noch ein Lob. Einer von Seagals schlechtesten und hirnlosesten Filmen.

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