Review

Nachdem Franchise mit Seagals „Half Past Dead“ einen PG-13 Actionfilm produzierte, wurde mit „The Foreigner“ direkt noch ein hartes B-Movie für den Videomarkt nachgeschoben.
Es beginnt mit einer genreüblichen Verschwörung, wobei die fiesen Verschwörer auch direkt ein armes Opfer zu Tode foltern dürfen, der ihnen den Verbleib eines geheimnisvollen Päckchens verraten soll. An sich hat der Beginn keine andere Aufgabe, um Untermalung für die Credits zu bieten – und vielleicht noch um den bösen Dunoir (Max Ryan) als skrupellosen Fiesling einzuführen.
Jonathan Cold (Steven Seagal), seines Zeichens freiberuflicher Agent, soll eben dieses Paket für seinen Auftraggeber aus einem beschaulichen Haus in Frankreichs Pampa abholen – mit Dunoir als Partner an seiner Seite! Bei Abholung taucht auch noch direkt ein Killerkommando auf, dass von den beiden erst mal in Stücke geschossen werden muss. Der Beginn zeigt halbwegs ordentliche Action, in der Seagal aber lieber zur Flinte greift statt zum Nahkampf überzugehen – was auf den gesamten Film zutrifft.

Nun soll Cold das Päckchen nach Deutschland liefern, was er nur widerwillig macht – allerdings ohne Dunoir. Denn Cold hat inzwischen spitzgekriegt, dass die fiese Möp falsch spielt. Doch hinter dem Paket sind diverse andere Parteien her und die sind nicht zimperlich, aber zum Glück weiß Jonathan sich zu wehren...
„The Foreigner“ erweist sich als in Europa gedrehtes B-Movie mit stilvollen Schauplätzen, aber als germanischer Zuschauer schlägt es einem direkt auf den Magen, wenn irgendwelchen osteuropäischen Locations im Nirgendwo Deutschland darstellen sollen. Dabei erweist sich Regisseur Michael Oblowitz immerhin als passabler Handwerker, der den Film meist ganz ordentlich in Szene setzt. Nur ein paar Stilmittel gehen auf die Nüsse, wie z.B. die lächerliche Inszenierung von Seagals Kampf mit dem schwarzen Killer am Wasser.
Größter Schwachpunkt von „The Foreigner“ ist sicherlich die Story, bei der selbst der Drehbuchautor wohl nicht genau wusste, was er da schrieb. Denn alle paar Minuten wechseln die Allianzen und jeder spielt zigmal falsch (d.h. wenn er nicht vorher abnippelt). Auch warum einige Parteien überhaupt hinter dem Paket her sind, ist unklar, und warum Jonathan teilweise so reges Interesse an dem Fall zeigt. So kann leider keine echte Spannung, sondern mehr Verwirrung aufkommen. Dafür wird der Film nur ab und zu langweilig und die Frage, was überhaupt in dem Paket drin ist, bleibt bis zur Lösung recht interessant.

Bei der Action gibt es fast nur Shoot-Outs, dazu noch ein paar Explosionen und kleine Nahkampfaktionen. Bis auf den angesprochenen Kampf am Wasser gehen die sehr wenigen Fights in Ordnung und die Explosionen sehen sogar wirklich klasse aus. Die Shoot-Outs sind recht gut geraten und bieten einige sehr derbe Einschüsse. Alles in allem könnte die Action nur spektakulärer, vor allem aber zahlreicher sein, denn Action gibt es fast nur gegen Ende des Films.
Seagal spielt sich ganz OK mit seiner Fels-in-der-Brandung-Mimik durch den Film, auch wenn seine früheren Leistungen viel besser waren. Die sonstigen Schauspieler agieren auf solidem B-Niveau, ohne dass irgendwer von der Crew Sensationelles verbringen würde.

Unterm Strich bleibt „The Foreigner“ ein durchschnittliches B-Actionmovie mit einer wirren Story und stellenweise derben Shoot-Outs. Für Seagalfans sicherlich einen Blick wert; zwar nur ein Schatten von Filmen wie „Zum Töten freigegeben“, aber immerhin besser als Gülle wie „Ticker“.

Details
Ähnliche Filme