Review

Das italienische Exploitationkino zeichnete sich dadurch aus diversen Trends zu folgen und zum entsprechenden Thema Unmengen von Billigfilmen herauszuhauen. Teil der Kriegsfilme ist auch „Ein Haufen verwegener Hunde“.
Besagter Haufen besteht aus amerikanischen Soldaten im Frankreich des Zweiten Weltkriegs, die verschiedener Verbrechen angeklagt sind: Mörder, Diebe, Deserteure usw. Mit Sergeant Yeager (Bo Svenson) befindet sich sogar ein Offizier unter den Gefangenen, der wegen seiner Weigerung Frauen und Kinder zu bombardieren einsitzt. Vier weitere Gefangene werden auch noch besonders vorgestellt, womit dann klar ist wer die titelgebende Horde stellt. Man erfährt meist nur ihre Vergehen und ein paar Grundinformationen, aber mehr braucht man bei dieser Art von Film kaum.
Bei einem deutschen Luftangriff Soldaten kommen bis auf besagte fünf alle Gefangenen um, doch die verwegenen Hunde befreien sich und überwältigen ihre Bewacher. Man plant in die Schweiz zu fliehen, doch es wird eine Odyssee durchs besetzte Frankreich...

„Ein Haufen verwegener Hunde“ ist Exploitationkino, teilweise trashig und nicht wirklich intelligent. Alle paar Minuten bricht mal wieder eine Ballerei aus, teilweise aus unerfindlichen Gründen (z.B. das Feuergefecht mit dem verkleideten amerikanischen Spezialtrupp). Besonders dämlich ist dann die Szene, in der eine Horde deutscher Soldatinnen baden geht, ihre Klamotten unbewacht lässt, mit drei von den Deserteuren mitplanschen lässt und die Lage erst erkennt, als sich der schwarze Deserteur Fred (Fred Williamson) dazugesellt.
Doch trotz derartiger Blödheiten macht „Ein Haufen verwegener Hunde“ als dümmlicher Reißer Laune, was man nicht von vielen Italo-Billigactionern sagen kann. Ganz klar von Filmen wie „Das dreckige Dutzend“ und „Agenten sterben einsam“ inspiriert müssen die Deserteure auch noch eine Mission erfüllen, um ihre Freiheit zu erlangen, natürlich ergeben sich bei der Durchführung des Plans Schwierigkeiten, aber das macht die Angelegenheit passagenweise sogar spannend. Es erwischt auch einige der Hauptfiguren und auch nicht unbedingt die, von denen man es erwartet, was dem Film sogar den einen oder anderen Überraschungsmoment beschert.
Außerdem zeichnet sich „Ein Haufen verwegener Hunde“ durch einiges Flair aus, vor allem im letzten Drittel: sich an Wachposten anschleichen und diese ausschalten, Sprengladungen verlegen, Infiltration und alles was dem Freund solcher Filme sonst noch gefällt steht auf dem Plan und das geringe Budget wird dabei recht gut ausgeschöpft. Dass die Bahnhofsexplosion mit Modellen gemacht ist, sieht man zwar sofort, doch sonst macht „Ein Haufen verwegener Hunde“ wirklich etwas her, was Kulissen, Ausstattung und Pyrotechnik angeht.

Hauptattraktion bei der Sache sind jedoch die zahlreichen Ballereien, von denen alle paar Minuten eine auf dem Plan steht. Realismus darf man freilich nicht suchen, wenn fünf Leute ganze Nazihorden über den Haufen ballern, getroffene Gegner mit den ulkigsten Verrenkungen zu Boden fallen oder ein angeschossener Motorradtank beim Fahren repariert wird. Doch die Action macht was her, ein paar nette Stunts sind dabei (z.B. der Motorradsprung über die Barrikade) und schon allein aufgrund der Actionmenge bietet „Ein Haufen verwegener Hunde“ dem Genrefan etwas, denn Munitionsverbrauch ist hier immens. Zudem kann sich die Action gegen Ende qualitativ etwas steigern, denn das Finale ist wirklich gelungen.
Schauspielerisch darf man natürlich keine großen Ansprüche an das Treiben stellen. Mit Fred Williamson und Bo Svenson tun zwei bekannte US-B-Darsteller das, was sie am besten können: Den harten Mann markieren ohne sich mimisch zu überanstrengen. Der Rest der größtenteils italienischen Besetzung macht es auch nicht anders, doch die Rollen sind so treffend besetzt, dass das Ganze nicht so hölzern wirkt wie in manch vergleichbarer Gurke.

Qualitativ kann „Ein Haufen verwegener Hunde“ nicht an Vorbilder wie „Agenten sterben einsam“, „Das dreckige Dutzend“ und „Stoßtrupp Gold“ anknüpfen, doch ziemlich unterhaltsam ist der kleine Italoreißer schon. Auf Logiklücken achtet man besser nicht und Mühe mit der Story haben sich die Macher auch nur im letzten Drittel gemacht, doch das Treiben ist extrem zackig inszeniert und bietet genug Action um schon fast als kleines Juwel unter den billigen Italoactionern durchzugehen.

Details
Ähnliche Filme