Review
von c.funke
Ein Haufen verwegener Hunde – Ingloriuos Bastards
(Koch Media)
Italiens Kult - Regisseur Enzo G. Castellaris ist Freunden des zünftigen Actionkinos spätestens seit seinem Überhit Keoma ein Begriff. Ende der 60er kam es im Kino zu einer Welle an Filmen, die mehr oder weniger anspruchsvoll den zweiten Weltkrieg thematisierten. Das dreckige Dutzend war hier einer der anspruchsvolleren, Agenten sterben einsam oder Stoßtrupp Gold die unterhaltsameren. Italiens Regietalente nutzten schon damals solche Trends, um sie in eigenen Filmen zu verarbeiten, und damit auch ein Stück vom Erfolgs - Kuchen zu bekommen. An diesem Kuchen versuchte sich auch Enzo G. Castellaris, als er seinen Film Ein Haufen verwegener Hunde drehte. Der Film versucht sich nicht in hervorragender Charakterbildung oder einer tief greifenden Geschichte, sondern Primärziel ist es, bedingungslos Spaß zu machen. Die Story geht dann auch relativ schnell an unsere Gruppe von Protagonisten. Hier handelt es sich um eine kleine Truppe amerikanischer Soldaten, welche in Frankreich im Jahre 1944 verschiedenster Verbrechen angeklagt wurden (die einzelnen Verbrechen werden zwar kurz erläutert, sind aber für den weiteren Verlauf der Story belanglos). Bei einem Luftangriff wird der LKW, welcher die Gefangenen transportiert, beschossen, so dass sich unseren verwegenen Hunden (wenigstens die, die den Angriff überleben) entschließen, durch das besetzte Frankreich Richtung Schweiz zu ziehen. Dass dies eine Odyssee für unsere furchtlosen Kämpfer des lockeren Spruches wird, und sich neben dem Zielort Schweiz noch ein, eher unfreiwilliger Auftrag anbahnt, der in einer rasanten Zugkaperung mündet, macht den Film zu einem wirklich herausragenden und spannenden Vertreter des italienischen Exploitationkino.
Es treten dem interessierten Zuschauer im Laufe der etwa 95 Minuten Lauflänge eine unglaubliche Menge an zu der Zeit bekannten B-Movie – Charakteren vor die Kamera. Allen voran war der bekannte Fred Williamson (Cobra Nero, From Dusk Til´Dawn), oder unser deutscher Seebär Raimund Harmstorf als deutscher Soldat Adolf (sic!). aber auch Udo Kier ist in einer Nebenrolle zu sehen, so wie Bo Svenson, den wir später in Kill Bill Vol. 2 wieder sehen durften.
Das Quentin Tarantino nächstes Jahr ein Remake von Ein Haufen verwegener Hunde in die Kinos bringen wird, ist nicht nur eine überaus gute Nachricht, sondern liegt auch noch nahe, da das Original viele typische Tarantino-Merkmale vereint. Neben lockeren Sprüchen kommt es zu einer sauber inszenierten actionreichen Handlung, nimmt sich die Story nicht zu ernst und gibt es klar strukturierte Gut- Böse- Schemata. Das die im Original verwendeten Sprüche gemäß der damaligen Zeit politisch äußerst fragwürdig sind, sei dem Film halbwegs verziehen, denn wir erwachsenen und selbstständig denkenden mündigen Bürger (der Film hat keine Jugendfreigabe!) wissen dies natürlich in die entsprechende Schublade zu stecken. Außerdem sollte jedem Interessierten klar sein, das das Exploitationkino dieser Zeit keine Lehrfilme für Feminismus und politisch korrekte Sprache lieferte, zumal in Inglorious Bastards der Humor überwiegt, und Rassisten sofort eine entsprechende Sanktion erfahren.
Auf Seite der Actionszenen liefert der Film an vielen Stellen beachtliche Effekte, so wie eine unglaubliche Liebe für kleine Details. Ein besonderes Faible für aufwändige Explosionen ist zu erkennen.Mit der hier vorliegenden Veröffentlichung von Ein Haufen verwegener Hunde katapultiert sich die Firma Koch Media auf ewig in meine persönliche Top Ten Liste. War dieser Film bisher in Deutschland nur in einer sehr gekürzten Version von knapp 70 Minuten erhältlich, liefert Koch Media hier den ersehnten remasterten Extended Cut, welcher die fehlenden 25 Minuten mit Untertiteln eingefügt bekommen hat. Dies gibt dem Film eine Tiefe, da dadurch einige Logiklöcher der alten Version gestopft werden. Das Bild ist gut, der Sound klingt ein wenig blechern, manchmal hat man dadurch Probleme, die Dialoge zu verstehen, während der pompöse Soundtrack wiederum hervorragend klingt. Als Bonus liegen neben Trailern und Bildergalerien noch ein sehr umfangreiches 45 Minuten langes Making of vor, welches Interviews mit den Beteiligten zeigt, und sehr informativ ist. Dieses Making of wurde von Koch Media extra für diese Veröffentlichung erstellt.
Für mich ist Ein Haufen verwegener Hunde in dieser langen Version in der liebevollen Veröffentlichung schon jetzt ein Highlight, welches in keiner DVD – Sammlung eingefleischter Fans fehlen darf!!! Eine echte Perle des italienischen Actionkinos der 70er!!!
CFS