Review

Aus aktuellem Anlass:

Der gute Herr Tarantino hat ja in letzter Zeit die Marketing-Maschinerie ziemlich in Bewegung gesetzt um seinem Quasi-Remake die verdiente (?) Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Guter Anlass sich das Original noch einmal zu Gemüte zu führen.

Enzo Castellari hat sich nach zahlreichen Western hier am Genre des Trashkriegsactioner versucht und trotz finanzieller Beschränkungen kann man inglorious Bastards einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen.

Ein Haufen (verwegener) Kriegsverbrecher soll zu ihrer Exekution eskortiert werden. Mit dabei ein charismatischer Oberst, ein agressiver Jüngling, ein schwarzer Draufgänger, ein - ich nenns mal - Beschaffungsspezialist (der frappierende Ähnlichkeit mit Tom Savini hat) und ein panischer Desserteur. Auf dem Weg zum Erschießungskommando fällt man einem deutschen Trupp in die Arme und mir ncihts dir nichts sind die Antihelden frei.
Der Plan: Ab in die Schweiz, denn die ist ja (zumindest in diesem Film) neutral.

Auf dem Weg dorthin begegnet man noch einem deutschen Soldat (Seeteufel Harmstorf) der sich prompt der Truppe anschließt, französischen Resistancelern, nackten - bis an die Zähne bewaffneten - Schönheiten und jeder Menge Nazis.

Nun die Geschichte ist natürlich nur mittel zum Zweck - und der heißt Action! Alle paar Minuten finden wir uns in ausufernden Feuergefechten wieder, werden uns knallige Oneliner um die Ohren gehauen und Modelle ganzer Städte in die Luft gejagt. Der Pyrotechniker hatte mit Sicherheit seinen Spaß.

Bemerkenswert ist die "politische" Botschaft die mitschwingt. Ein Kriegsactionfilm mit guten Nazis? Das ist dann doch mal eher ungewöhnlich für den Kenner amerikanischer Genrebeiträge. Und auch die vermeintlichen Helden sind teilweise fremdenfeindlich, rücksichtslos und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Erst im letzten Drittel verliert sich dieser Aspekt etwas, nichtsdestotrotz bemerkenswert. Dem letzten Spiegel nach zu urteilen, hat Tarantino trotz aller Abweichungen diesen reaktionären Aspekt beibehalten, lässt die Grenze zwischen Tätern und Opfern, zwischen Gut und Böse teilweise verschwimmen.

Schade dass Castellaris Werk nicht die gleiche tiefgründige Geschichte besitzt wie sein zwei Jahre zuvor entstandener Keoma, denn gegen Ende nutzt sich der Knalleffekt dann doch ziemlich ab. Vielleicht auch eben weil es keine richtige Identifikationsfigur gibt. Seltsam das auch in diesem Bereich Harmstorfs Charakter des deutschen Desserteurs die größte Tiefe erhält. Umso unverständlicher, dass in der ehemaligen Heimkinoauswertung gerade die zwar etwas vernachlässigte Liebesgeschichte zwischen einem der verwegenen Hunde und einer franzöischen Widerständlerin vollständig ausgemerzt wurde, verleiht sie den Charaktären doch wenigstens etwas Persönlichkeit.

Das Ende ist dann eher unerwartet radikal, denn das mit der Schweiz klappt dann doch nicht mehr, zudem wirkt es auch recht abgehakt. Dennoch: Castellaris Film ist ein kurzweiliger Hirn-aus-Spaß mit einigen lustigen Ideen. Ein Film der einfach in Tarantinos Videoschrank stehen MUSS. Ich bin gespannt auf seine Version, auch wenn sie mit dem alten Italiener nichtmal den Namen gemein hat. Wir werden sehen.

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