Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Langfassung!

"Ein Haufen verwegener Hunde" - von Kultregisseur Quentin Tarantino euphorisch verehrt und zu einem starbesetzten Remake inspiriert, von Fans des sleazigen Italo-Kinos geliebt und gelobt: Enzo G. Castellaris effektgeladene und actionreiche "Das dreckige Dutzend"-Variante weckt beim Zuschauer angesichts solcher Lobeshymnen Erwartungen, die das laute Kriegsspektakel letzten Endes aber kaum erfüllen kann.

Von einem versierten Handwerker wie Castellari, von dem solche Meisterwerke wie "Tote Zeugen singen nicht" oder "The Racket" stammen, habe ich eindeutig mehr erwartet und trotz diverser Hakenkreuze, böser nationalsozialistischer Mordsbuben, ein paar nackerter Gretchen und pseudohistorischer Banalitäten, hat dieser *Haufen* für einen Nazi-Action-Exploiter einfach zu wenig zu bieten.

Die Besetzung ist ist blass und mäßig, Deutschlands Schurken-Export Raimund Harmstorff hat nur eine kleine Nebenrolle und beisst bereits nach fünf Minuten ins Gras und die kleinen kritischen Seitenhiebe an der Kriegsmaschinerie wirkt angesichts diverser unnötiger Albernheiten in der ersten Hälfte des Films unpassend und unglaubwürdig.
Es mangelt an einem charismatischen Bösewicht (hier hätte Werner Pochath sicherlich eine Glanzleistung abgeliefert) und an erinnerungswürdigen Dialogperlen. "Ein Haufen verwegener Hunde" versprüht nicht einmal einen Hauch von Trash-Appeal, ganz zu schweigen von der eingebauten Liebesgeschichte, die wie an den Haaren herbeigezogen wirkt und den Film nur unnötig in die Länge zieht.

Leider hält sich der Film, an dem sage und schreibe fünf Autoren am Drehbuch bastelten, viel zu lange mit der Einführung seiner Hauptprotagonisten auf, lässt sie über die Hälfte der Spielzeit durch feindlich besetztes Kriegsgebiet irren und auf verschiedensten Widerstand stoßen.
Das eigentliche Kernstück des Films, die Mission des *Haufens*, verkommt dabei jedoch zur Nebensache, die im letzten Drittel des Films abgehandelt wird.

Vor allem dieses letzte Drittel besteht dann auch aus einem einzigen Showdown, in dem Castellari als Inszenator einer actionreichen Zerstörungsorgie zu gewohnter Größe findet.
Die Mission, die Zerstörung einer V2-Rakete in einem von deutschen Soldaten besetzten Zug, hält dann auch das, was ich mir bereits während des gesamten Films versprochen hatte: beinhartes Männerkino und abwechslungsreiches Action-Entertainment mit überraschenden Wendungen.
Castellari entfacht ein pyrotechnisches Effekt-Feuerwerk, bei dem alles zu Kleinholz verarbeitet wird, was nicht niet- und nagelfest ist.
Trotz erkennbarer Miniaturmodelle, die mit gigantischer Sprengkraft in die Luft fliegen, ist das finale Inferno aus MG-Salven, Blut und gigantischer Feuersbrunst handwerklich einwandfrei inszeniert.
Sowohl in den Studiokulissen als auch während der Außenaufnahmen bewies Castellari ein sicheres Händchen für sorgfältig ausgearbeitete und choreographierte Actionszenen.

Der Eindruck darf nicht täuschen: "Ein Haufen verwegener Hunde" bietet während der gesamten Laufzeit nonstop Action auf einem hohen Niveau. Leider ist es so, dass der Funke erst in den letzten 30 Minuten überspringt und sich der Unterhaltungswert erst spät voll und ganz entfalten kann.
Trotz Dauerfeuer aus allen Kanonenrohren und aufwändiger Ausstattung und Kulissen sind Castellaris Hunde nicht dreckig genug, um als "Das dreckige Dutzend"-Variante durchzugehen und auch nicht verwegen genug, um über die gesamte Laufzeit überzeugen und unterhalten zu können.

Insgesamt gesehen in den ersten 60 Minuten vielmehr eine langatmige Nummernrevue von hochwertigen Actionszenen mit akutem Mangel an Coolness und Trash-Appeal, deren spannendes Finale das Werk zumindest auf die Durchschnittsmarke stemmt.

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