Review
von Leimbacher-Mario
Horrendes Hörspiel
Eigentlich wollte ich den Spielfilm zu dem legendären und grauenhaften Thema gucken (von 2009, mit Crispin Glover). Zum Glück bin ich über Umwege zuvor aber auf diese ältere Doku gestoßen, die Bilder in den Kopf malt und Grausamstes nacherzählt, wie es wohl kaum ein Film könnte. Erzählt wird von einer amerikanischen Familie, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts nach goldenen Versprechen mitsamt massig Wagen und weiteren Mitreisenden mit großen Hoffnungen auf nach Kalifornien machte. Doch die angepriesene „Abkürzung“ sollte zum Alptraum werden und man fuhr sich kurz vor dem Ziel in einem der heftigsten Winter aller Zeiten fest. Zwischen meterhohem Schnee, leeren Mägen und dem Tod im Nacken…
Ein paar Interviews mit Experten und Historikern. Ein Vorleser mit ruhiger Stimme. Einige intensive Schriften und Tagebucheinträge. Dazu ein paar Bilder und Zeichnungen für minimale visuelle Akzente. Mehr braucht diese nüchterne wie maximal erschreckende Nacherzählung der verstörenden Ereignisse nicht. Und es wirkt wie Hölle. Kopfkino ist und bleibt unschlagbar. Und wenn man es derart effektiv anregt, mit einer solchen unfassbaren Geschichte, dann schlägt das jedes Reenactment. Wahrer Grusel. Eiseskälte. Menschliche Verzweiflung. Unendliche Scham. Schleichender Wahnsinn. Unvorstellbarer Hunger. Gnadenlose Natur. Nie sterbende Hoffnung. Ausgemagerte Körper, auf denen der amerikanische Traum gebaut wurde. Der Todes Rush vor dem Gold Rush. Menschenknochen auf Eis. Menschenhaut über dem Feuer. Gänsehaut pur.
Fazit: echter und bitterer geht „Horror“ nicht - amerikanischer und menschlicher (Doku-)Geschichtsunterricht, der fies unter die Haut geht!