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Speziell im Horrormetier muss es nicht immer Mainstream sein, denn wenn ambitionierte Filmemacher ohne Zwänge ihren Ideen freien Lauf lassen, kann es schon mal zu positiven Überraschungen kommen. Nicht beim Debüt von Dorian Weinzimmer, der eine abstruse Mischung aus Thriller, Horror und Fantasy zusammenwürfelt.

Les, auch „The Ghoul“ genannt, kommt nach zehn Jahren Haft aus dem Gefängnis frei, um weiterhin nach dem Mörder seiner Mutter zu suchen. Stets im Visier von Inspektor Simmons, wird Les bald von diversen Feinden heimgesucht, so dass er um die Unversehrtheit seiner Freundin Alex bangen muss…

Der Streifen ist eine Achterbahnfahrt in Sachen Qualität, was bei einer angeblichen Produktionszeit von sieben Jahren kaum verwundert. Ist die Einstiegssequenz, in der eine junge Dame auf der Ladefläche eines Vans Klavier spielt und singt, während dieser durch Chicago fährt, noch gelungen, geht es in vielen anderen Bereichen rasch steil bergab.
Mal abgesehen von der unterirdischen Synchro performen die meisten Mimen schwach bis amateurhaft und sobald es in Fantasy-Gefilde mit Cyberpunk-Einschlag geht, macht sich das durch und durch niedrige Budget in allen Punkten bemerkbar.

Mit einem typischen Rachefilm, wie man aus der Prämisse schließen könnte, hat die Handlung schon bald gar nichts mehr am Hut, denn spätestens nach dem ersten Drittel verliert die Geschichte nahezu jeden Bezug zur Realität, während übersinnliche und surreale Einstreuungen vermehrt dominieren. Da wird ein mysteriöses Artefakt gesucht und gefunden, es werden schlecht ausgearbeitete CGI-Blitze verbreitet und der Teufel schaut auch noch rein.
Bei einem Kampf zwischen Les und einem Riesen macht sich indes die schwache Kamera bemerkbar, denn im Halbdunkel eines Käfigs ist irgendwann keine Übersicht mehr gegeben.
Umso erstaunlicher, dass eine finale Szene auf einem Friedhof mit überraschender Ruhe und Übersicht eingefangen wurde.

Eine Bindung zu den Figuren entsteht erst gar nicht, zumal das eigentliche Motiv für den vermeintlichen Rachefeldzug nie so recht zur Geltung kommt und Les lediglich Stationen abklammert, die oftmals in keinem Kontext stehen, spätestens, wenn mal wieder irgendeine Zwischenwelt angesteuert wird. Dazwischen gibt es zig unnötige Szenen, in denen sich der Jammer-Cop bei seinem Dad ausheult, welcher daraufhin erneut die Sauerstoffmaske ansetzt.

Hinzu gesellen sich unästhetische Nahaufnahmen und glücklicherweise einige Splatterszenen.
Den Höhepunkt bildet eine Bearbeitung mit Messer und anschließend mit Dildo im Bauchbereich, bei der die Kamera das dazugehörige Innenleben mitnimmt. Neben zwei abgezogenen Hautlappen und einer kurzen Abstecherei bildet das jedoch insgesamt kein Fest für Gorehounds.

Während der Score fast durchweg in einer Mischung aus Punkrock und etwas Gothic dudelt, bis die E-Gitarren einen leichten Nervfaktor erzeugen, fällt spätestens bei den Kostümen im letzen Drittel auf, dass hier zu einfachsten Mitteln gegriffen wurde: Ventilatorteile, Blumenvasen und Staubsaugerschlauch sind augenscheinlich vielseitig verwendbar.

Kurzum: Die Mischung mag ambitioniert gewesen sein, die Umsetzung bleibt in den meisten Belangen amateurhaft, kaum spannend und erzeugt in nur wenigen Momenten Atmosphäre.
Ein typischer Spalter: Die einen werden ihn möglicherweise abfeiern, für die anderen ist es eher Chicago Kot.
3 von 10

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