2018 „Escape Plan 2" - oder „Zurück in den Knast ohne Buddy und Budget" (Sly Nr. 40)
Nun hat es also auch Sly getan. Im Sequel zum launigen Titanentreffen mit Kumpel Arnold („Escape Plan") gibt er den Bruce. Klingt auf dem Papier ja auch dufte. Zwei Wochen Drehzeit für einen üppigen Gehaltsscheck plus promninenter Nennung auf sämtlichem Werbematerial. In Fankkreisen wird so etwas allerdings recht kritisch beäugt, denn schließlich wird man nicht nur in punkto Screentime des Zugpferds getäuscht, sondern meist auch mit einer billigen Inszenierung abgespeist, die in schmerzhaftem Kontrast zu früheren Großtaten steht. Bruce Willis jedenfalls hat seinen lange Zeit ausgezeichneten Actionstarruf damit sukzessive ramponiert und muss aufpassen, dass er seine Karriere nicht in der dritten Liga beendet, in der die ehemalige zweite Garnitur um Steven, Jean-Claude und Dolph den Ton angibt.
Ähnliches steht bei Sylvester Stallone nicht zu befürchten, dafür ist er zu clever und dafür ist ihm sein Ruf zu wichtig. Die Expendables werden sich ein viertes Mal versammeln, John Rambo wird in Kürze Mexiko verwüsten und mit der Creed-Reihe ist auch Rocky nach wie vor dick im Geschäft. Da wollen wir ihm den Ausflug in den Niedrigpreis-Sektor mal verzeihen. Wenigstens hat er bei Willis neuem Hausregisseur Steven C. Miller angeheuert. Der ist zwar nur ein solider Handwerker, dafür aber ein sehr enthusiastischer. Dazu hat er die Fähigkeit aus wenig Geld (hier waren es $20 Millionen) viel zu machen. Soll heißen er dreht schnell, effektiv und optisch ansprechend. Vor allem aber packt er stets ein ordentliches Pfund Action oben drauf, was den zusätzlichen Vorteil hat, dass die lahmen Plots und dürftigen Charaterzeichnungen zumindest nicht allzu sehr auffallen.
All diese Atribute zeichnen dann auch „Escape Plan 2" aus. Der in jeder Hinsicht dünne Inhalt wird durch eine schnieke Verpackung einigermaßen kaschiert. Offenkundig schielte man vornehmlich auf den immer lukrativer werdenden China-Markt („Escape Plan" war dort überproportional erfolgreich gelaufen), auf dem eine solche Konstellation gern genommen wird. Deshalb spielt auch Huang Xiaoming die eigentliche Hauptrolle. In China ein Star, ist er im Westen höchstens ein paar Asia-Flmfreaks ein Begriff, so dass Sly sich seinen Cover-Auftritt mit „Guardians of the Galaxy"-Kollege Dave Bautista teilt. Natürlich auch das nur ein besserer Cameo-Auftritt. Nimmt man noch Titus Welliver und Curtis „50 Cent" Jackson dazu, hat man aber immerhin einen erstaunlich namhaften Cast zusammen getrommelt, der allein durch seine kollektive Präsenz für Wertsteigerung sorgt.
Für die Story gilt das leider nicht, aber wenigstens dockt sie nahtlos beim Original an. Ausbruchsexperte Ray Breslin (Stallone) hat nun seine eigene Sicherheitsfirma. Inzwischen agiert er hauptsächlich von der Kommandozentrale aus, während seine deutlich jüngeren Mitarbeiter die gefährlichen Einsätze ausführen. Als Breslins Nummer 1 - Agent Shu Ren (Xiaoming Huang) - völlig unvermittelt entführt und in ein neuartiges High-tech-Gefängnis gebracht wird, muss der alte Haudegen doch wieder in Aktion treten, zumal sein gesamtes Team nach und nach in dem geheimnisvollen Knast verschwindet ...
Das hört sich gar nicht mal so schlecht an, wird im fertigen Film aber so holprig und ohne Gespür für Spannungsentwicklung abgespult, dass man überaus dankbar für Millers gewohnt hohes Tempo ist. Hier ist alles eine ganze Spur platter als im in jeder Hinsicht kompetenter inszenierten Original. Vor allem vermisst man schmerzlich den launigen Schlagabtausch zwischen den einstigen Konkurrenten Stallone und Schwarzenegger, die eine tolle Chemie hatten und bei denen in vielen angedeuteten und geschickt eingebauten Kleinigkeiten ihr gesamtes Action-Oeuvre mitschwang. Einen solchen Fanservice bietet Teil 2 an keiner Stelle und weder Bautista noch Curtis Jackson sind auch nur annähernd ein adäquater Arnold-Ersatz. Stallone selbst bekommt deutlich weniger Szenen, was seinen Charakter auf reine Zweckmäßigkeit reduziert. Das ist ärgerlich, denn seine Präsenz ist nach wie vor enorm und trägt den Film trotz aller Einschränkungen recht mühelos. Huang dagegen überzeugt nur physisch und bleibt ansonsten völlig blass. Dazu fehlt ein überzeugender Antagonist. Auch hier fällt die Diskrepanz zu James Caviezels sadistischem Gefängnisdirektor schmerzlich auf. Wellivers durchaus vorhandenes Bad Guy-Potential lässt Miller weitestgehend ungenutzt und opfert es obendrein für einen Twist, der sich lautstark ankündigt und inhaltlich kaum überzeugt.
Also fassen wir zusammen: Story lau, Figuren so la la, Starpotential verschenkt, Spannung auf Sparflamme. Dafür Tempo hoch, Sly präsent, Action druckvoll und Optik schick. Macht unter dem Strich Konfektionsware, die man sich anschauen kann, aber sicher nicht muss. Fans der ersten Films sollten die Erwartungen deutlich senken und von der zunehmenden Asiatisierung Hollywoods Genervte besser gleich ganz fern bleiben. Um Sylvester Stallone muss man sich indes keine Sorgen machen. Die Willisierung seiner Reputation steht nicht zu befürchten. Sein dritter Karrierefrühling verkraftet auch solche Kreativpausen und die nächsten Großleinwandprojekte sind längst in den Startlöchern. Der letzte Aufwärtshaken ist noch lange nicht geschlagen.
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Bad Ass Rating: 4/10 (Ein paar knackige Shootouts und Keilereien sind ganz nett anzusehen, aber gemessen an Erwartungshaltung und Potential dann doch eher enttäuschend.)
Muscle Posing Rating: 2/10 (Kaum der Rede wert, obwohl Slys Fitnessprogramm nach wie vor erkennbar ist.)
Ähnlichster Schwarzenegger Film: „Escape Plan" (Logisch, ist ja alles gleich - nur war der deultich besser, zudem der erste und einzige echte Teamfilm unserer beiden Lieblingshelden und schon allein deshalb unerreichbar.)
Sly mit „Rocky"-Punch: Check / Sly mit Selbstzweifel-Dackelblick: Check / Sly oben ohne: Fehlanzeige, muss mit über 70 aber auch nicht zwingend mehr sein.
Beste Oneliner: Nichts Erwähnenswertes.
Filmposter-Slogan: „New prison. New team. New plan." (Damit ist alles gesagt, wobei man „new" treffender mit „worse" ersetzen sollte.)