kurz angerissen*
Ein erfahrener Mechaniker, der kurz vor dem Ruhestand in seinem Beruf noch einmal mit unsinnigen Software-Updates und anderen Späßen der modernen Computertechnologie gepiesackt wird, kann sicher ein Liedchen davon singen: Plötzlich erkennst du dein eigenes Metier nicht mehr wieder. Harte Männer in Gefängnissen, das hatte eigentlich selten wirklich etwas mit Hi-Tech zu tun, eher schon mit Muskeln, Stahl, Mauerwerk (und manchmal auch ein wenig mit Seife auf dem Boden der Dusche). Das perfekte Biotop für Typen wie Stallone. Der "Expendables"-Effekt hat bei "Escape Plan" auch ein wenig über die träge Regie ohne Schauwerte hinwegsehen lassen. Die beiden größten lebenden Actionfiguren der 80er hinter Gittern vereint, da bleibt zumindest ein bisschen etwas Besonderes zurück, wenn auch die Umsetzung alles andere als besonders war. Jetzt ist Schwarzenegger weg (gut für ihn), doch auch Stallone zieht sich ein wenig zurück, um einem bunten Sortiment an jüngeren Neuzugängen den Weg frei zu machen, so wie man es eben von Franchises kennt, die in die Bedeutungslosigkeit zu sinken planen. Da helfen dann auch Namen wie Dave Bautista und Titus Welliver in weiteren Nebenrollen nichts, selbst wenn Quasi-Hauptdarsteller Huang Xiaoming seine Sache ganz ordentlich macht, ohne dabei zu glänzen.
Der Meister-Proper-Effekt soll aber trotzdem noch eintreten. Denn die Chinesen wollen schließlich etwas für ihr investiertes Geld, daher ist vom Sequel keine Pflege der archaischen Qualitäten des Originals zu erwarten, sondern ein visuelles Upgrade mit allerhand "shiny gadgets", die als Blendwerk funktionieren und das von futuristischen, spiegelglatten Sets offenbar schwer begeisterte chinesische Publikum abholen sollen.
Unvorteilhaft ist das für die Darsteller, deren Visagen im UV-Licht zu anonymen Masken werden. Man könnte auch sagen, es tangiert den Zuschauer kaum, wer sich da mit wem prügelt, weil die guten Jungs ihr Charisma im sterilen Bad des Scheinwerferlichts ausgewaschen bekommen und die bösen Jungs ihre fiesen Pläne ebenso darin verbergen. Würde Stallone nicht immer so müde schauen, könnte man seinem Sicherheitsexperten Ray Breslin bei den algorithmischen Auswertungen von rotierenden Zellblöcken und blank polierten Arenen Überforderung vorwerfen. Die Filmreihe, die ohnehin nur noch durch die dünnen Fäden Stallone/50 Cent (und den Drehbuchautoren Miles Chapman) beisammen gehalten wird, droht damit jeglichen Grip zu verlieren, zumal die optische Frischzellenkur eher eine Verschlimmbesserung ist, die teuer aussehen möchte und dabei unheimlich billig wirkt. Im Grunde sieht die gesamte Gefängnisanlage wie ein Plastikmodell aus, insbesondere wenn man sie mit vergleichbaren Setpieces aus den frühen 90ern ("Fortress") vergleicht - was den unangemessen bedeutungsschwangeren Beititel "Hades" erst recht überzogen erscheinen lässt.
"Escape Plan" kokettierte ja schon mit der Abfahrt Richtung Seagal, bekam durch den elektrischen Kitzel einer direkten Begegnung zwischen zwei Titanen aber immer wieder die Kurve; bei "Hades" ist aber jede Hoffnung auf brauchbare B-Ware verschwendet. Der dritte Teil wird von der pseudo-komplexen Story aus "Hades" nun mit dem Auftrag "make it epic!" ausgestattet. Eigentlich kann er von Glück sagen, back-to-back gedreht worden zu sein, sonst würde er dem Einspiel zufolge aller Wahrscheinlichkeit nach nicht existieren. Und zwar mit Recht.
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