Die Zeiten als im Kino noch der "Film-Noir" lief, sind ja bekannterweise schon längst vorbei, wenn es auch Hommages, an diese Ära des Kinos, wie Sand am Meer gibt. Männer in schwarzen Anzügen, düstere Gestalten, Kriminalromantik und der Schuss an dunkler Spannung, ist immer wieder in den Filmen von heute spürbar und nicht wenige legen auch vollkommenen Wert darauf, als eine Verbeugung der meist schaurigen Kriminalgeschichten zu gelten. So auch "The Singing Detective", den Mel Gibson als Produzent und Robert Downey Jr. im Jahre 2003 zum Leben erweckten und in den amerikanischen Kinos nahezu unaufhaltsam unterging. Bei so einem großen Staraufgebot wäre dies eigentlich verwunderlich, beim Blick auf den Film ist diese Verwunderung aber schnell wieder verflogen, denn so groß die Stars auch sind, so schwach ist das Endergebnis letztendlich.
"The Singing Detective" erweist sich als Mischung aus schmissigem Musical, skurriler Komödie und mysteriösem Krimi, welche aber in diesem Mix leider kaum funktioniert. Und das obwohl die Grundzüge der Geschichte eigentlich einen netten Unterhaltungsfilm erwarten lassen. Es geht um den im Krankenhaus liegenden Krimi-Autor Dan Dark, der im Laufe seiner Krankheit immer wieder in merkwürdige Flashbacks und Visionen verfällt, die mit der Realität ziemlich eng zusammen arbeiten. Die Figuren um ihn herum benehmen sich merkwürdig, skurrile Ereignisse geschehen, sogar seine Romanfiguren, darunter vor allem der singende Detektiv, scheinen von der Fiktion in die Wirklichkeit zu springen. Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf... Alles in allem könnte man es also mit einer knackigen und mysteriösen Kriminalklamotte im Noir-Stil zu tun bekommen. Doch leider verhaspelt sich die Story schon nach wenigen Augenblicken in einem absoluten Nichts. Viele abgefahrene Dinge werden aufgefahren, aber nichts wird dem Zuschauer näher gebracht, viele komische Charaktere kommen hier vor, aber keiner wirkt wirklich sympathisch. Alles in allem hat man durchweg das Gefühl, dass außer schrägen Ideen und einigen Tabubrüchen nicht wirklich etwas im Drehbuch gestanden hat.
Immer wieder wechselt der Film zwischen drei unterschiedlichen Handlungssträngen, ohne diese irgendwie sauber miteinander zu verweben. Zum einen geht es um den kranken Autor im Krankenhaus und seinen wahnwitzigen Gedankengängen, dann um Erklärungsversuche aus seiner Vergangenheit und um die Romanfiguren aus seiner Geschichte. Alle drei Stränge haben zwar stellenweise ihre Reize, doch wirklich zusammenpassen möchte das wackelige Gesamtkonstrukt leider zu keinem nennenswerten Moment. Zu unsauber sind die Übergänge, zu lasch wirken die Gegensätze und Gemeinsamkeiten von damals und heute. Durch das ganze Gewirre kann dann zudem auch keine wirkliche Spannung aufkommen, da man sich schon nach wenigen Minuten nicht mehr wirklich für das ganze Treiben interessiert. Zumal einem der gedrückte Sexismus, der wirklich beständig die Handlung durchflutet, auch nicht wirklich brauchbar vorkommt, sondern nur wie das Ärgern der amerikanischen Zensoren wirkt. Hier hätte etwas mehr Feingefühl doch ganz gut getan.
Das man sich aber nach den 105 Minuten trotzdem nicht all zu sehr über die verschwendete Zeit ärgert liegt an insgesamt drei Details. Das erste Detail ist die gediegene Film-Noir-Stimmung, die es, trotz des dürftigen Inhalts, immer wieder schafft, an vereinzelten Stellen aufzublitzen. Die Arbeiten aus der Kostümabteilung wirken dabei ebenso mit, wie z. Bsp. die Ausleuchtung der einzelnen Sets, vor allem im Handlungsstrang des Romans, die immer wieder für eine gewisse Stimmung sorgen können. Zum zweiten sorgen dafür aber auch die schmissigen und zutiefst unterhaltsamen Songs und Musical-Einlagen, die zwar alles in allem nicht wirklich passend wirken, aber in ihrer Art dennoch Spaß machen und auch Klassiker wie "Mr. Sandman" beinhalten.
Den absoluten Höhepunkt bilden allerdings die Darsteller, die das trübe Treiben dann wirklich noch mit so etwas wie Brillanz aufwerten können. Als erstes natürlich Robert Downey Jr., der wie immer komplett genial agiert und in seiner Art und Weise große Freude auf das Gesicht des Zuschauers zaubert, selbst wenn das Treiben eigentlich gar keine Freude zulässt. Aber auch all die Gaststars machen Spaß, als da wären Produzent Mel Gibson, kaum zu erkennen als verquerer Doktor, Robin Wright Penn als Nicola oder auch Kinderstar David Dorfmann als Dan Dark Jr. Dazu Katie Holms, Adrien Brody und Jon Polito, die dem Film ebenfalls sichtlich gut tun. Wenn hier doch alles nur so toll gewesen wäre, wie diese Mimen.
Fazit: Schwacher und äußerst langweiliger Versuch, dem Film-Noir, sowie der (hierzulande kaum bekannten) TV-Serie "The Singing Detective" ein gebührendes Denkmal zu verleihen. Das Treiben ist nicht der Rede wert, die Handlungsstränge passen nicht zueinander und alles wirkt immer wieder irgendwie gedrückt. Sei es gedrückt skurril, gedrückt sexistisch oder eben einfach gedrückt "anders". Die Drumheruminszenierung klappt zwar hervorragend und die Stimmung eines Film-Noir kann auch immer wieder aufblitzen, doch außer den wirklich gelungenen Musical-Sequenzen, sowie seinen grandiosen Darstellern, hat dieser Streifen einfach nicht wirklich etwas zu bieten, was der großen Kino-Ära oder dessen Zuschauern gerecht wird. Schade!
Wertung: 4,5/10 Punkte