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In einer dystopischen Zukunft im Jahr 2027 laufen die Vorbereitungen zum 9. Jahrestag der feindlichen Übernahme der Erde durch Aliens, was die mit den fremden Wesen kooperierende Regierung in einem großen Stadion feiern will - doch eine kleine, sehr konspirativ agierende Widerstandsgruppe möchte dieses Beschwichtigungsszenario für ein Fanal nutzen. Schon einmal hatte es in Chicago eine Erhebung gegen die Besatzer und ihre Helfershelfer gegeben, doch diese wurde seinerzeit brutal niedergeschlagen und das Stadtviertel Wicker Park als kollektive Sühnemaßnahme dem Erdboden gleichgemacht. In diesem Klima staatlicher Repression bewegt sich auch der junge Gabriel (Ashton Sanders), dessen älterer Bruder Rafe (Jonathan Majors) damals liquidiert wurde. Tatsächlich aber lebt Rafe noch und ist am neuerlichen Aufstand, diesmal aus dem Stadtteil Pilsen heraus, auch beteiligt. Gabriel, der davon noch nichts ahnt, wird vom staatstreuen Polizisten William Mulligan (John Goodman) überwacht, einem scharfen Hund im Dienste der Regierung, der jedoch Gabriel gegenüber als Kumpeltyp auftritt, da dessen Vater einst sein Kollege war. Da mittels Chipimplantat jeder Mensch von allgegenwärtigen Kameras und Drohnen auf Schritt und Tritt überwacht wird, müssen die Verschwörer, unter ihnen ein Pfarrer, ein Zeitungsredakteur und eine als Prostituierte arbeitende ehemalige Lehrerin, äußerst vorsichtig vorgehen...

Der Zukunftsentwurf einer oppressiven Regierung, die manchen heutigen Regimes in Punkto (gewünschter) Überwachung und Polizeistaat frappierend ähnelt, ihre Macht dabei aber hauptsächlich auf eine extraterrestrische Lebensform stützt, die den Menschen bei weitem überlegen ist, hat etwas für sich: doch nicht etwa der Kampf gegen die Aliens - denen sich der größte Teil der Menschheit längst anbiedernd unterworfen hat - steht hier im Vordergrund, eher ist es eine Mischung aus Krimi und Spionagethriller, wenn die unauffällig agierenden Verschwörer auf ganz bestimmte verklausulierte Zeichen achten, die ihnen den Beginn der bevorstehenden Aktion signalisieren. Und während diese dann ihren jeweiligen Part erfüllen, hängt der halbwüchsige Gabriel irgendwo mittendrin: einerseits will er kein Polizeispitzel sein, andererseits hat er aber zugesagt, als Kurier ein wichtiges Dokument zu überbringen. Doch der stets lockende Mulligan, der auch ihm auch mal alleine nachläuft, hat ihn fest im Visier.

Die von Regisseur Rupert Wyatt in Captive State präsentierte Gesellschaft ist natürlich mühelos als Abbild künftiger faschistoider Regierungen und ihrer willfährigen Helfer zu erkennen und als solches als Warnung zu verstehen; die vielen kleinen Details und Ideen dazu gehen im die Handlung dominierenden Katz-und-Maus-Spiel leider ein wenig unter, obgleich sie einer breiteren Exposition durchaus würdig wären: Da wären die implantierten Chips, die in Wirklichkeit aus hochgezüchteten lebendigen Maden bestehen und in der Halsgegend eingepflanzt wurden, da sind die stets per Drohnen zielsicher erfassten Akteure aller Seiten, die gleich mit Bild und wichtigsten Daten auf den Überwachungsbildschirmen erscheinen, da wären die Jubelposen der Politiker, die die brutale Alien-Invasion in eine "Erlösung vom Chaos" umdeuten und dazu die amerikanische Nationalhymne vom dummen Wahlvolk inbrünstig im Stadion absingen lassen und viele kleine Dinge mehr, deren längere Würdigung allerdings den zeitlichen Rahmen eines Spielfilms sprengen würden.
Auf der anderen Seite die Verschwörer, die einen handgeschriebenen Kassiber per Zigarettenpapier schmuggeln, diesen dann per Brieftaube weiterleiten und schließlich einen gelartigen Sprengstoff auftreiben, der erst präpariert werden muß, sich dann durchsichtig und damit unsichtbar anbringen läßt und mit zweimal draufklopfen scharf gemacht wird - um nur ein paar der liebevollen Details anzuführen.
Schließlich die Aliens, die erstaunlich nebensächlich abgehandelt nur selten wie spinnengliedrige Humanoide mit Seeigel-artigen Stacheln auftreten und den Planeten Erde rücksichtslos u.a. mittels Fracking ausbeuten - von ihren riesigen Transport-Raumschiffen bleibt nur die Außenansicht, aber immerhin werden auch Menschen ins All geflogen.
All dies böte genügend Stoff für eine kleine Serie, die auch die Frage, wie es die stummen Aliens geschafft haben, die seinerzeitigen Eliten zu unterwerfen beantwortet, jene Eliten, die in der präsentierten Zukunft bezeichnenderweise genauso weitermachen wie eh und je.

John Goodman, der von Gesicht und Statur her dafür geradezu prädestiniert scheint, gibt auch diesmal mit Bravour die Rolle des reaktionären Arschlochs, und obwohl Captive State eigentlich keine Hauptrolle erkennen läßt, hat der schwergewichtige Mime die meiste Screentime. Trotzdem man weder in ihm noch in den wie erwähnt biographisch viel zu kurz gekommenen Verschwörern eine wirkliche Identifikationsfigur auszumachen vermag, fasziniert dieser Hybrid aus SciFi und Agententhriller bis zum Schluss: 7,6 Punkte.

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