Kulinarisches aus Vietnam mal ein wenig anders, denn statt Reispapierröllchen, Pho Bo-Suppe oder Korianderhuhn steht Mensch auf der Speisekarte. Die grimmige Gesellschaftsstudie des Regiedebütanten Le Binh Giang fällt nicht nur minimalistisch aus, sie lässt zudem einen roten Faden vermissen.
Hanoi: Der Betrachter wird in einen Strudel der Gewalt gezogen, als ein Mediziner und sein Adjutant Verkehrsteilnehmer auf dem Roller anfahren und sie als Versuchskaninchen verwenden, sich Kleinkriminelle gegenseitig foltern und ein Arztsohn einen Taschendieb zum vermeintlichen Festessen einlädt…
Eine Bezugsfigur gibt es nicht, weder unter den Opfern, noch unter den Fieslingen, welche hier deutlich dominieren. Es wird nicht ein Name genannt und niemand steht länger als einige Minuten im Mittelpunkt, wodurch das Treiben arg beliebig anmutet.
Erst gegen Ende wird deutlich, dass sich hier ein Kreislauf schließt, der generationsübergreifend Einfluss auf ungewöhnliche Gepflogenheiten hat.
Etwaige Beweggründe werden komplett ausgespart, weshalb es normal scheint, dass man sich wegen Kleinigkeiten auf der Straße prügelt, ein bestimmtes Feuerzeug stets als Auslöser einer Tat fokussiert wird und neben kannibalistischen Zügen auch nekrophile Tendenzen ersichtlich sind. All dies prallt an einem ab, weil kein Individuum auch nur den Hauch einer nachvollziehbaren Persönlichkeit erhält.
Dies könnte ja durch einige grobschlächtige Gewaltexzesse ein wenig kaschiert werden, doch Gorehounds gehen weitgehend leer aus. Es wird ein Zahn gezogen, eine Zunge entfernt, einer brennt und ein Kopf wird mühsam abgetrennt, was in halbdunkler Szenerie per Handkamera ohnehin eher auditiv wahrnehmbar ist. Natürlich ist das nicht adrett, wenn ein Schlächter sein weibliches Opfer per Schlauch zwischen den Beinen die Körperflüssigkeiten aussaugt, doch wer mit derartigen Einlagen schocken will, sollte dem Treiben zumindest ein Minimum an Background einräumen.
Insofern verspielt der Regisseur die Möglichkeit, der großen Fastfoodkette, deren Kürzel den Titel bildet, satirisch die Stirn zu bieten oder gar eine Groteske aus dem Stoff herauszuarbeiten. Scheußliche Gestalten verüben ein wenig Gewalt, manche ein wenig mehr, doch innerhalb der knappen 65 Minuten Laufzeit ergeben sich allenfalls zwei, drei Szenen, die nicht total beliebig anmuten.
3 von 10