Motion Sickness - Der Film?
„Der Rasenmähermann“ hat recht wenig Horrorelemente, kann als ungewöhnliches Stephen King-Story bezeichnet werden und wird vor allem oft als perfektes Beispiel einer fehlgeschlagenen King-Verfilmung genannt. Zu konfus, zu oberflächlich, zu wenig Grusel, zu weit hergeholt, ein reines Kind seiner Zeit - so lauten typische Kritiken an diesem leicht trashigen Cyberthriller. Auch ich habe mich da sicher hier und da mal in Diskussionsrunden angeschlossen, wenn mir kein näherliegendes Beispiel auf der Zunge lag. Jedoch ohne ihn in den letzten Jahren nochmal gesehen zu haben und aktuelle Erinnerungen an ihn zu haben. Das wollte ich ändern, zusammen in einem „Bits & Bytes-Doppelfeature“ mit „Virtuosity“, einer kleinen thematischen Retrospektive. In „The Lawnmower Man“ probiert ein gewiefter Techniker und Wissenschaftler am geistig sehr beschränkten und unschuldigen Gärtnergehilfen seine Mittel und Medikamente der (vor allem intellektuellen) Leistungssteigerung, von virtuellen Realitäten bis hin zu Prototyppillen. Doch natürlich nehmen Proband und Experiment unerwartete Auswüchse an, als sich der IQ des Mannes wirklich vervielfacht und er auf ganz neue, bösartige (psychokinetische) Gedanken kommt…
Die PlayStation 1 kommt morgen, VR ist jetzt!
Wenn Stephen King schon klagt und vehement moniert, dass dies nicht „sein“ Rasenmähermann sei und er doch bitte aus allen Credits gestrichen wird, hilft das einem Film und seiner Reputation nicht gerade. Klar, auch bei „Shining“ lief das ähnlich, aber Kubrick und seine Werke stehen wohl losgelöst und über allem, für sich. „The Lawnmower Man“ ist noch dazu auch kein wirklich guter Film. Die erste Viertelstunde ist Chaos pur, im Finale gibt’s trotz der clever-apokalyptischen letzten Sekunden ähnlich viel (CGI-)Tohuwabohu. Ich sage nur „Pixelmückenschwarm“. Zwischendurch alles eher dahinplätschernd und entgegen der wahnsinnigen Ansätze eben Stangenware. Das klingt erstmal nicht empfehlenswert. Und im grünen Bereich landet Brett Leonards Version für mich auch nie. Eine interessante Vision, gesellschaftskritische Weitsicht und einige nette Ideen hat der Techno-Trash-Krimi dennoch. Ein Brosnan auf seinem optischen Zenit hilft eh immer. Und er nimmt einige technische Spielereien und Kniffe und moralische Fragen voraus, die die Welt der Videospiele und Computer bis heute beschäftigt. Selbst VR ist bis heute ja nur eine Nische in unserer Welt, wenn auch meiner Meinung eine richtig spaßige, kreative, innovative. Wenn einem nicht zu übel wird - aber das ist eine andere Geschichte. Ich liebe jedenfalls meine PSVR(2) und musste gerade durch die persönlichen Erfahrungen bei diesem wirren Pixelbrei oft genug schmunzeln. Wenn man bedenkt, dass zum Release von „Rasenmähermann“ noch nichtmal die erste Playsi in Japan erschienen war, ist das schon beachtlich. Auch was sich King hier ausgedacht hat. Schade halt nur, dass die Teile in dieser filmischen Version nur schwerlich und knirschend, wenn überhaupt, ineinandergreifen. Ich denke, mit Kopfkino und heutigen Erfahrungen punktet da eine literarische Variante mehr. Gerade weil dem Film Action, Spannung, Horror, Emotionen weitestgehend abgehen - obwohl er alle diese Bereiche tangiert. Ihm fehlen lediglich einzelne Highlights. Die sehe ich eher im Artdesign der Anzüge (obwohl da „Tron“ sicher noch deutlich prägender war), der „menschlichen Zentrifuge“, der Abbildung der digitalen Welten und Fantasien (auch wenn die aus jetziger Sicht natürlich etwas angestaubt und steinzeitlich wirken können). Über „The Lawnmower Man“ muss/kann man nicht ins Schwärmen geraten - als Vollkatastrophe muss man ihn aber allein wegen seiner Wurzeln und Denkanstöße nicht abtun.
Fazit: ungewöhnliche, teilweise missglückte und verrufene King-Story. Eigentlich total überholt, angestaubt, zerstückelt, chaotisch, oberflächlich. Samt Overacting und aus heutiger Sicht lächerlicher Effekte. Und doch auf seine techno-bescheuerte Art teilweise ein verpixeltes Unikum. Muss man sehen, um sich sein eigenes Bild machen und mitreden zu können!