Im französischen Hochjura, nicht weit von der Schweizer Grenze, treffen sich im Jahr 2017 einige junge Pärchen im kleinen Bergdorf Valmoline - fast alle sind Anfang Dreißig und haben haben Wurzeln oder Verbindungen zu diesem malerischen Ort, in welchem sie entweder einst aufgewachsen waren oder zumindest eine zeitlang gewohnt hatten. Gemeinsamer Wohnort ist das oberhalb des Dorfes gelegene und frisch für touristische Zwecke renovierte titelgebende Chalet - ein idyllisch gelegenes Doppel-Holzhaus mit mehreren Gästezimmern. Als sich der kleine Konvoi (die mit dem Zug angereisten Teilnehmer wurden vom Bahnhof im Tal abgeholt) in Bewegung gesetzt und gerade eine hochgelegene Brücke passiert hat, wird dieselbe durch ein Felssturz zerstört. Dem unerwarteten Unglück gerade noch entkommen, versammeln sich die darüber leicht verstörten jungen Leute mitsamt ihrem Gastwirt dann im Chalet und überdenken ihre Lage. Eigentlich war der Anlaß des Treffens ein fröhlicher, weil der aus dem Dorf stammende Laurent hier seine Freundin Tiphaine heiraten möchte, doch durch den Brückeneinsturz sind sie alle inklusive der Dorfbewohner von der Außenwelt abgeschnitten. Da auch sämtliche Handies und das Festnetz ausgefallen sind, ist die Gruppe vorerst für einige Zeit auf sich selbst gestellt. Dabei brechen teilweise alte Animositäten und Rivalitäten unter den Teilnehmern auf, die sich, wie diverse Rückblenden zeigen, alle auf Geschehnisse im Jahr 1997 zurückführen lassen.
Bald schon macht sich ein Teil der Gruppe auf den Weg zur Relaisstation oben am Berg, wo sie feststellen müssen, daß diese mutwillig zerstört wurde. Einer von Ihnen verletzt sich schwer in einer absichtlich am Weg platzierten Bärenfalle, andere Teilnehmer verschwinden spurlos und als kurz darauf im Chalet ein paar Leute durch ein manipuliertes Schloss in der Tiefkühlkammer gefangen und nur durch Zufall entdeckt werden, dämmert es allen Beteiligten langsam, daß hier etwas oberfaul ist. Schnell kommen sie darauf, daß eine/r von Ihnen offenbar ein doppeltes Spiel treibt - aber wer? Und vor allem: warum?
Für den sechteiligen französischen Thriller Le Chalet haben die Drehbuchautoren Camille Bordes-Resnais und Alexis Lecaye ihre Story in der Gegenwart unter vollkommen normalen und unauffälligen Leuten angesiedelt, die nach und nach von einem/einer nie gezeigten Unbekannten bedroht und schließlich auch dezimiert werden. Der Zuschauer erfährt dabei immer nur scheibchenweise, was 20 Jahre zuvor, als die Protagonisten alle um die 13 waren, in Valmoline vorgefallen ist: jugendliche Cliquenbildung, gegenseitiges Mobben, erste Verliebtheiten genauso wie die Aktionen der damals schon erwachsenen Väter, Mütter und Geschwister aus dem Dorf. Im Laufe der Serie ergibt sich somit ein (Sitten-)Bild der Familien Personnaz und Genesta aus dem Dorf sowie der damals neu hinzugezogenen Familie Rodier. Letztere verschwand eines Tages ohne Abschied aus dem Chalet und kehrte auch nie wieder zurück - seitdem stand das Feriendomizil jahrelang leer, bis es kürzlich frisch renoviert wurde.
Die Vorkommnisse von damals prägen zunehmend das Geschehen der Gegenwart, wobei das Publikum durch geschickte Schnitte und bewußte Vorenthaltungen auch mal auf die eine oder andere falsche Spur gelockt wird, wer denn nun von den Anwesenden für die Sabotageakte und die Morde verantwortlich sein könnte. Ein spannendes whodunit, wobei der Zuseher immer etwas mehr erfährt als die einzelnen Gruppenmitglieder: so verschwinden Personen einfach, werden gefesselt am Berghang ausgesetzt oder schlichtweg aus dem Hinterhalt erschossen, ohne daß dies den anderen (zunächst) auffällt.
Kritik muss allerdings an den nicht als solches gekennzeichneten, zahlreichen Rückblenden ins Jahr 1997 geübt werden, die besonders in der ersten Episode heillose Verwirrung stiften: da man die verhältnismäßig vielen Akteure noch gar nicht richtig kennengelernt hat, sind diese Zeitsprünge äußerst irrtierend, zumal man bestenfalls an den jugendlichen Darstellern festmachen kann, daß hier gerade eine Rückblende gezeigt wird, deren Sinn sich dem Zuseher zu diesem Zeitpunkt jedoch keineswegs erschließt. Erst ab Mitte der zweiten Episode ist man halbwegs in der Lage, Ereignisse aus der Vergangenheit den Gegenwarts-Darstellern zuzuordnen. Dann aber ergibt sich mittels der Rückblenden ein immer dichteres Bild dessen, was vor 20 Jahren in diesem abgelegenen Dorf geschah, bis sich am Ende ein Puzzleteil zum anderen gefügt hat und die Serie mit einer vollkommen logischen Ereignisabfolge und dessen Konsequenz endet.
Weitere gelegentliche Einschübe, in denen einer der jungen Leute (Sébastien, das Arschloch in dieser Serie) in einem zu allen übrigen Szenerien allerdings stark kontrastierenden weißen Raum separat von einer Polizeipsychologin befragt wird, deuten auf eine weitere Zeitebene hin (eine tatsächliche Gegenwart kurz nach der hauptsächlich gezeigten Handlungsebene 2017) und ergeben auch erst am Ende einen Sinn.
Für diese zu Beginn leider verwirrenden Umstände, die manche Zuseher wohl schon während des ersten Teils aufgeben lassen (zumal dieser auch recht unspektakulär abläuft) gibt es einen kleinen Punktabzug - ansonsten weiß Le Chalet mit seinem Plot um Liebe, Eifersucht, Rache, Gier und Mord und seinen bodenständigen, geerdeten Darstellern samt ihren in Punkto Realitätsbezug plausiblen Reaktionen durchaus zu überzeugen: 8 Punkte.