Review

Veronas Welt – Der Film

„Tonight the super trouper lights are gonna find me, shining like the sun (sup-p-per troup-p-per), smiling, having fun (sup-p-per troup-p-per), feeling like a number one…”

Das Bühnenmusical „Mamma Mia!“ wurde im Jahre 1999 anlässlich des 25-jährigen Jubiläum des Siegs der schwedischen Popgruppe ABBA beim Eurovision Song Contest uraufgeführt und erfreute sich derart großer Beliebtheit, dass 2008 eine gleichnamige Kinofassung folgte, die ebenfalls ein voller Erfolg wurde. Zehn Jahre später kam die Fortsetzung „Mamma Mia! Here We Go Again“ in britisch-US-amerikanischer Koproduktion in die Kinos, geschrieben und inszeniert von Ol Parker („Eine Hochzeit zu dritt“) – eine Bühnenversion oder andere Vorlage existierte nicht.

Sophie (Amanda Seyfried, „Chloe - Liebe. Eifersucht. Verführung“) hat nach dem Tod ihrer Mutter Donna (Meryl Streep, „Manhattan“) das Hotel auf der griechischen Insel Kalokairi fertig saniert und steht kurz vor der Eröffnung, als sie sich mit ihrem Freund Sky (Dominic Cooper, „Immer Drama um Tamara“) gestritten hat: Dieser möchte seinen Lebensmittelpunkt lieber in New York wissen. Ihre potenziellen Väter Harry (Colin Firth, „Tatsächlich... Liebe“) und Bill (Stellan Skarsgård, „Verblendung“) müssen die Eröffnungsfeier zeitbedingt absagen, außerdem zieht ein Unwetter auf – keine guten Voraussetzungen also. Da erinnert sich Sophie daran, wie sich ihre Mutter (die junge Donna: Lily James, „Deine Juliet“) seinerzeit durchgebissen hat, als sie auf sich allein gestellt nach Kalokairi ging und auch noch schwanger war, ohne den Kindsvater zu kennen – gleich drei Herrn kamen infrage…

Ich bin kein Abba-Fan und halte Musicals bis auf wenige Ausnahmen für überflüssigen Kitsch. Den ersten Teil habe ich mir daher weder als Bühnenstück noch als Kinofilm angesehen. Zur Sichtung dieser Fortsetzung wurde ich jedoch genötigt und da ich mich meinem Filmtagebuch gegenüber zur Vollständigkeit verpflichtet habe, muss ich leider auch zu dieser Produktion meinen Senf dazugeben…

Parkers Konzept, „Mamma Mia! Die Rache ist mein“ als eine Mischung aus Prequel und Fortsetzung zu gestalten, ist gewagt und geht dramaturgisch fast schon folgerichtig längst nicht immer auf. Mit der Ignoranz eines Heile-Welt-Schlagers zerrt Parker ungeachtet narrativer Sinnhaftigkeit seine dürre Handlung durch die verschiedenen Zeitebenen und bekommt dadurch Gelegenheit, offenbar bereits im Vorgänger verarbeitete Abba-Stücke noch einmal aufzugreifen. Aufgrund dessen bekommt man noch einmal Meryl Streep zu sehen und ein paar der populärsten Abba-Songs zu Gehör, muss sich also nicht ausschließlich mit Lily James als junger Donna und Abba-Songs „aus der zweiten Reihe“ begnügen.

Das alles ändert indes nichts daran, dass die Figuren ständig unvermittelt und inklusive perfekter Background-Chöre und Choreografien zu singen und zu tanzen anfangen, wie es in Musicals nun einmal ebenso üblich wie befremdlich ist. Dieselben Figuren agieren im Verlauf des Films dann auch immer chargierender, als versuchten sie, von der holprigen Dramaturgie abzulenken. Anlasslose übertriebene Fröhlichkeit macht den Film nur noch verdächtiger, ließe sich aber zugegebenermaßen zumindest damit ansatzweise erklären, dass alle Figuren Urlaub haben. Natürlich darf in einem echten „Frauenfilm“ (vielmehr dem, was Parker und seine Bande dafür hielten) auch ein Pferd nicht fehlen. Tatsächlich ganz witzig ist die „Angel Eyes“-Aufführung ausgefallen, doch das sollte das einzig Positive bleiben, was ich über „Mamma Mia! Jetzt erst recht“ formulieren kann. Ja, auch auf die Auftritte der eigentlich gerngesehenen Cher, die im Finale eine supertuntige „Super Trouper“-Performance anführt, in die das gesamte Ensemble involviert wird, hätte ich gut verzichten können.

„Mamma Mia! Die Fröhlichkeit schlägt zurück“ erweckt den Eindruck eines Antifilms für ein Eventpublikum, dem echte Filme zu anspruchsvoll sind, eines mit dem Vorschlaghammer auf maximale Gefälligkeit angelegten Wohlfühlfilms. Parkers Nummernrevue ist gerade ironisch genug, um Kritiker(innen) als Spaßbremsen dastehen lassen zu können, versucht leicht durchschaubar, sich durch Selbstironisierung unangreifbar zu machen. Oder kurz: Albern, kitschig und nicht mein Humor. Wollen Abba-Fans die Lieder ihre Lieblinge wirklich in dieser Form repräsentiert sehen?

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