In Chasing Holden geht es um den Aussenseiter Neil Lawrence (D.J. Qualls), Sohn des New Yorker Bürgermeisters, der von seinem Vater gegen seinen Willen auf eine Eliteschule geschickt wird. Dort lernt er das schöne Mädchen T.J. (Rachel Blanchard) kennen. Als Neil eine Abhandlung über sein Lieblingsbuch "The Catcher In The Rye" schreiben muss, macht er sich auf die Suche nach dem Autor J.D. Salinger. Zusammen mit T.J. haut Neil von der Schule ab und die beiden begeben sich auf die Reise quer durch das Land - mit dem ersten Ziel New York. Die anfänglich perfekte "Romanze" bröckelt im Laufe der Reise, bis sie schließlich ein traurig-böses Ende nimmt.
Zwar unterscheidet sich "Chasing Holden" kaum von anderen Dramen ähnlichen Schlages, dennoch versprüht Malcolm Clarke's Regiewerk seinen eigenen Charme. Der Film verläßt sich nicht auf Schönheit oder Bekanntheitsgrad irgendwelcher überbezahlten Schauspieler, sondern erzählt eine wahre herzzerreißende Geschichte über einen naiven Teenager, der aus dem Schatten seines Vaters flüchten will und sowohl Freiheit als auch ein Ziel in seinem Leben sucht. Dabei klammert er sich zwanghaft an die fiktionale Figur Holden Caulfield. Erst durch die Begegnung mit T.J. kann Neil sein Leben neu ordnen. Doch bis dahin hat sich das Blatt gewendet und die Geschichte nimmt einen bösen Lauf. Der anfangs lockere Film wandelt sich im Laufe der Geschichte in einen Überlebenskampf der beiden Hauptfiguren mit melancholischen Zügen. Die Story schreibt das Leben - Schreiber Sean Kanan fügt Erlebnisse und Erinnerungen aus seinem eigenen Leben ein (was er im DVD Audiokommentar preisgibt). Tatkräftig unterstützt wird die ehrliche Geschichte von den herausragenden Leistungen der beiden sympathischen Jungschauspieler D.J. Qualls und Rachel Blanchard. Wer auf ein neues junggebliebenes und ehrliches Drama, das Züge des Independentfilms aufweißt, gewartet hat, sollte Chasing Holden sicher eine Chance geben. Wieso die Produktionsfirma "Chasing Holden" als Komödie vermarktet, ist mir hingegen suspekt.
9/10