Review

Es muss wohl am allgemeinen Sommerloch liegen, wenn einem Vertrieb nach über zehn Jahren einfällt, eine Episode von „Masters of Horror“ mal eben in einer Langfassung zu veröffentlichen. Die vorliegende Fassung mit 87 Minuten Laufzeit fällt entsprechend 30 Minuten länger als die im TV ausgestrahlte Version aus. Zwar beinhaltet sie nicht mehr Spuk oder Gewalt, dafür lässt sich der Aufbau entsprechend mehr Zeit.

Seit zwei Jahren lebt der amerikanische Anwalt Jack (Daniel Gillies) in Tokio und hat eine Affäre mit Yuri (Yoshino Kimura), der Frau des wichtigen Klienten Eiji (Ryo Ishibashi). Für Geschäftliches bittet Eiji ausgerechnet auf seine Privatyacht, was für Jack, der nach einem Kindheitserlebnis traumatisiert ist, einem Alptraum gleichkommt. Mitten auf See stoppt das Boot plötzlich…

Die japanisch-amerikanische Koproduktion taugt nicht wirklich für Klaustrophobiker, denn nach Kindheitsrückblick, kurzer Stippvisite im Büro und Treffen am Hafen spielt sich der Rest auf und im Boot ab. Bei der Figurenkonstellation fallen einige Aspekte mehr als erahnbar aus, andere überraschen letztlich doch ein wenig, wobei es insgesamt ein wenig zäh vonstatten geht, bis der Budenzauber in Gang kommt.

Dass der Autor als auch Regisseur Norio Tsuruta mit „Ringu“ zu tun hatten, wird im Verlauf deutlich, denn auch hier kann auf einen weiblichen Rachegeist, dünn, bleich und natürlich mit langen schwarzen Haaren, nicht verzichtet werden. Diesbezüglich sehen einige Verrenkungen okay aus, da jedoch offenbar nicht dem Make-up vertraut wurde, sind einige Szenen mit Verfremdungs-CGI durchzogen, was ein wenig unprofessionell daherkommt.
Eher unfreiwillig komisch gerät die Chose, als ein abber Arm ins Spiel kommt, der sich augenscheinlich nicht so leicht unterkriegen lässt.

So holt jeden irgendwie die Vergangenheit ein, passend dazu gibt es kurze Rückblicke, eine gelungene Parallelmontage mit Unterwasseraufnahme und eine Handvoll Gewaltszenen, die eine ungeschnittene FSK16 rechtfertigen, wobei eine bis auf die Knochen entstellte Gesichtshälfte bereits die deftigste Einlage darstellt. Die Performances sind mindestens zufrieden stellend, der Score geht bis auf eine relativ dreiste Kopie von „28 Days Later“ völlig in Ordnung und auch sonst ist handwerklich alles im Lot.

Trotz einiger kleiner Wendungen und atmosphärisch gelungener Momente hätte die Episode insgesamt ein wenig grimmiger ausfallen dürfen. Zwar geht es gegen Showdown einigermaßen spannend zu, doch der Vorlauf hält sich mit einigen Szenen zu viel auf, was unterm Strich eher für die TV-Fassung von einer knappen Stunde Laufzeit spricht.
Für Freunde von „Masters of Horror“ solide Unterhaltung, einen leichten Hang zum Minimalismus, bzw. Kammerspiel sollte man jedoch mitbringen.
Knapp
6 von 10

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