Gerade als sich die dänische Schülerin Simone (Alba August) in ihrer Schule auf eine bevorstehende Prüfung vorbereitet, stürmt ihr Vater Frederik (Lars Simonsen) herein und zerrt sie ohne weitere Begründung hinaus ins Freie, wo bereits die Mutter und ihr junger Bruder Rasmus (Bertil de Lorenzi) im Auto warten. Schnell geht es auf die Autobahn, wo bereits viele Fahrzeuge unterwegs sind, bis ein umgestürzter LKW die Fahrt stoppt. Den zu allem entschlossenen Vater, der ein bestimmtes Ziel verfolgt, stört dies jedoch keineswegs, wähnt er sich und die Seinen schon fast in Sicherheit - denn im nahe gelegenen Wald, in den die Familie eilends zu Fuß weiterflüchtet, befindet sich ein gut getarnter Bunker. Den gilt es zu erreichen, bevor der Regen kommt - denn der Regen ist gefährlich, wie Frederik eindringlich betont. Als die ersten Tropfen fallen, sind alle 4 in der weitläufigen unterirdischen Anlage eingetroffen.
Simone stellen sich nun tausend Fragen, was das Ganze zu bedeuten hat, doch als sie ihre social-media Kanäle am Handy durchblättert, sieht und liest sie von verzweifelten Leuten, die von tödlichem Regen berichten, der in ganz Dänemark bereits hunderte Opfer gefordert hat. Aber bevor sie ihren Vater, einen Wissenschaftler, dazu befragen kann, ist dieser bereits wieder am Weg zu einem unbekannten Ort. Keinesfalls rausgehen, sondern unter allen Umständen im Bunker bleiben - diese Anweisung ist alles, was er den Kindern und der Mutter noch mitgibt. So bleiben die 3 also vorerst im Bunker und warten, bis der Vater zurückkommt - wann das sein wird, darüber hat er nichts gesagt, und auch die spärlicher werdenden Nachrichten bieten den Bunkerinsassen keine plausible Erklärung. Immerhin gibt es dort genügend Vorräte an Essen und Trinken.
Als es eines Tages draußen an der Eingangsklappe klopft, öffnet Simone, die ihren Vater sehnsüchtig erwartet, voreilig das Bunkertor - doch es ist ein offenbar infizierter Mann in strömendem Regen, der sich den kleinen Rasmus schnappt. Die herbeigeeilte Mutter stürzt sich auf den Fremden, rettet damit zwar den Kleinen, der sofort in den Bunker zurückläuft, ist jedoch selbst verloren. Unter Tränen schließt Simone das schwere Tor - jetzt ist sie mit Rasmus alleine dort. Und wird dies auch für eine lange Zeit bleiben: 6 Jahre im Bunker vergehen, dann beschließen die beiden, entgegen des Ratschlags ihres nie zurückgekehrten Vaters, angesichts knapp werdender Vorräte doch die Welt da draußen zu inspizieren. Und so ziehen die beiden los, zu erkunden, wie es draußen aussieht - und was aus ihrem Vater wurde...
Die - übrigens erste - dänische Netflix-Produktion The Rain (2018) baut mit ihrem nur kurz umrissenen Katastrophen-Szenario eine durchaus mitreißende Story auf, flaut kurz darauf jedoch gleich wieder ab, um in behäbigem Tempo zwei Jugendliche ihre veränderte Umwelt erkunden zu lassen. Aus deren Blickwinkel geschildert treffen sie andere, meist ebenfalls junge Leute, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Dies erschöpft sich alsbald in theoretischen Diskussionen, Liebeleien, moralischen Fragen und bisweilen auch veritablen Seifenopernthemen, wobei die für erwachsene Zuseher eigentlich entscheidenden Fragen nach der Ursache des tödlichen Regens, Maßnahmen der Regierung oder überhaupt der Motivation für das menschengemachte Virus ziemlich in den Hintergrund rücken.
So bleibt das Hauptaugenmerk auf die handelnden Personen gerichtet, wobei sich der Twen Simone als Hauptperson mit starkem Willen und moralischem Kompass herauskristallisiert. Stets an ihrer Seite der zum schlacksigen Teenager herangewachsene Bruder Rasmus (Lucas Lynggaard Tønnesen), der sie in aller Regel unterstützt. Diese beiden relativ positiv dargestellten Charaktäre treffen nun auf eine Gruppe anderer junger Leute unter der Führung von Martin (Mikkel Boe Følsgaard), eines ausgesprochenen Stinkstiefels, dessen ganze Weisheit in seinem Gewehr besteht, das der selbsternannte Rambo gerne auf andere richtet. Ein komplexbeladener Mitläufer, ein junges Liebespärchen und weitere Stereotypen sind auch noch mit von der Partie, wenn die Gruppe - der sich Simone und Rasmus nur deshalb anschließen dürfen, weil sie vielleicht nützlich sind - dann irgendwann mal Kopenhagen erreicht, wo ein paar sehr schwach umgesetzte Regen-Überlebende vorgebliche Zombie-Mutanten mimen.
Während die eigentliche Bedrohung - das Virus - immer mehr in den Hintergrund rückt, treten ab und zu maskierte Killer auf, die es offenbar auf Rasmus abgesehen haben. Irgendetwas hat der junge Bursche an sich, doch hier bleibt die Serie genauso vage wie bei allen anderen wichtigen Fragen - die inhaltlich sichtlich in die Länge gezogenen 8 Episoden zu je etwa 40 Minuten verlieren sich immer mehr in Belanglosigkeiten und belassen es bestenfalls bei einigen wenigen Andeutungen. Ganz zum Schluß wartet dann der obligatorische Cliffhanger, als die Gruppe das Apollon-Hauptquartier benannte Zentrum der Wissenschaftler in Schweden (natürlich erneut ein Bunker) erreicht, wo der verschwundene Vater dann doch wieder auftaucht, zu einer Lösung allerdings nicht sonderlich viel beiträgt.
The Rain ist somit ein zäher Stoff, der sich um konkrete Antworten herumdrückt und dessen Handlung stattdessen in ausgetretenen Pfaden mäandert, zeitweilig den roten Faden zu verlieren scheint und außerhalb der Zielgruppe junger Erwachsener wohl nur wenig Interessenten finden dürfte. Die Serie konnte 2018 zumindest in Dänemark soviel Resonanz hervorrufen, sodaß Netflix gleich eine weitere Staffel in Auftrag gab, der sich kurz darauf eine dritte anschließen sollte. Rezensionen der weiteren Staffeln folgen, für den wenig überzeugenden ersten Streich gibt es aufgrund storytechnischer Mängel allerdings nur magere 4 Punkte.