Die Leichen zweier ermordeter Bau-Techniker, kurz hintereinander entdeckt, führen Kommissarin Sofia Karppi (Pihla Viitala) und ihren Kollegen Sakari Nurmi (Lauri Tilkanen) zu einem Mega-Bauprojekt, hinter dessen Kulissen es zu rumoren scheint: Der Helsinki-Tallinn-Tunnel, der rund 100 km unter der Ostsee gegraben die Hauptstadt von Finnland mit jener von Estland verbinden soll, ist ein nicht ganz unumstrittenes Vorhaben, zumindest aus der Sicht eines Killers, der an den Tunneleingängen auf beiden Seiten jeweils eine Leiche drapiert hat. Eine Spur deutet auch auf den zwischen beiden Städten pendelnden Frachter Meelika hin, auf dem etwas vorgefallen sein muß, worüber sich alle möglicherweise daran Beteiligten in Schweigen hüllen. Bevor Karppi eine involvierte Ärztin dazu befragen kann, wird diese ebenfalls ermordet. Wirklich betroffen macht sie jedoch der Umstand, daß ihr gerade pensionierter Dienststellenleiter Tapio Koskimäki (Raimo Grönberg) ebenfalls ins Visier des äußerst präzise und brutal vorgehenden Killers geraten ist - er und seine zu Besuch bei ihm weilende Tochter Kerttu werden beide erschossen. Doch Koskimäki kann, in seinem eigenen Blut am Boden liegend, mit demselben noch ein paar Buchstaben auf den Boden kritzeln - eine heiße Spur, auf die sich die Kommissarin mit der langen blonden Mähne fortan konzentrieren muß...
Die 2. Staffel des Nordic-Noir-Thrillers Deadwind zieht gleich zu Beginn das Tempo an und präsentiert innerhalb der ersten 3 Folgen einen im Vergleich zur 1. Staffel deutlich höheren Bodycount, der diesmal jedoch schon etwa in Staffelmitte ein vermeintliches Ende findet, wenn der Killer, von dem man nur sehr wenig erfährt, erkannt wird und aus dem Spiel ausscheidet - doch damit reißt der Spannungsbogen keineswegs ab, denn die Ermittlungen führen dann in eine ganz andere Richtung, in der das Ermittler-Duo nach Estland reist, später mit einem Helikopter über der Ostsee abstürzt und sich - zur Freude des stets mitratenden Whodunit-Publikums - ganz zum Schluß ein weiteres Mal eingestehen muß, daß die bisherigen Thesen alle falsch waren und man nochmals ganz woanders nach dem mörderischen Strippenzieher im Hintergrund suchen muß.
Zu den Subplots gehören politische Ränkespiele um die Bürgermeisterin von Helsinki, die anfangs ebenfalls vom Killer bedroht wird und später um ihre Position in der Partei bangen muß, da ihr näheres Umfeld finstere Intrigen schmiedet; ferner natürlich wieder das Privatleben der beiden Ermittler, wobei Karppi sich erneut als hundsmiserable Erziehungsberechtigte erweist, die keine Ahnung hat, was ihre beiden Kinder so treiben und weder den kleinen Emil (der in der Schule mehrfach Klassenkameraden prügelt und dies gegenüber seiner Mama abstreitet) noch die aus Deutschland zurückgekehrte Henna (Mimosa Willamo) auch nur gedanklich irgendwie erreichen kann. Die gegenüber ihrer Mutter sehr verschlossene Henna muß dabei den durch den Diebstahl und das Verschwinden von Drogen (siehe Staffel 1) entstandenen Verlust bei den Dealern wieder "reinarbeiten", was sie in eine gefährliche Situation bringt.
Sakari Nurmi dagegen, zu Beginn der Staffel von seinem angekündigten Italien-Urlaub zurückgekehrt, darf das BMW-8er-Sportcoupé wieder übernehmen und tritt weniger arrogant, stattdessen ruhiger, fast gereifter auf - doch auch ihn holt die Vergangenheit ein, als ihm eines Tages eine frühere Lebensgefährtin seinen etwa einjährigen Sohn präsentiert. Sakari Nurmi jedoch muß nicht lange darüber nachdenken: er will auf keinen Fall Vater sein.
Auch diese 2. Staffel der im finnischen Original schlicht Karppi benannten Reihe bietet wieder jede Menge Spuren, die sich als falsch oder zumindest nicht zielführend erweisen, weiß durch einige überraschende Wendungen zu überzeugen, beinhaltet jedoch zwei Begebenheiten, bei denen das ansonsten durchdachte und abwechslungsreiche Drehbuch Fehler begangen hat: zum einen ist dies der Umstand, daß die gerade noch von Karppi (die dafür ein wildfremdes Auto kapert) und einer Spezialeinheit der Polizei gerettete Bürgermeisterin (die sich vor dem Killer, der nicht gefasst wird, in einer Toilette verschanzt hatte) ohne jeden Begleitschutz nach Hause entlassen wird, wo sie mutterseelenallein durch ihren großen Garten spazieren kann (mit entsprechenden Folgen), zum anderen jene Szene, in der Karppis Tochter Henna eine völlig unerwartete Reaktion zeigt, die ein sehr hohes Maß an krimineller Energie erfordert, welche der an sich eher in sich gekehrten, etwas melancholischen Filmfigur nie und nimmer zuzutrauen ist.
Diese beiden Szenen, übrigens auch die deutlich zu melodramatisch ausgefallene Rettung aus der stürmischen Ostsee nach dem Helikopterabsturz sorgen zwischenzeitlich für einiges Stirnrunzeln, vermögen jedoch nicht den immer noch guten positiven Gesamteindruck, den diese 2. Staffel hinterläßt, entscheidend zu beeinträchtigen. 7,51 Punkte.