"Gott wie überflüssig!" So und nicht anders dürften wohl die Vorurteile eines jeden Filmfreaks gewesen sein, als sie gehört haben, dass von "Carrie", dem grandiosen Horror-Drama von Brian de Palma, ein TV-Remake gedreht wurde. Ein Film der von vorne herein nur zum Scheitern verurteilt sein kann. Auch mir ging es da nicht anders. Doch nun, nach dem ich den Streifen endlich selber sehen durfte, muss ich meine Meinung diesbezüglich korrigieren. Denn auch wenn dieses Stück keinen Stich gegen das De Palma-Werk setzen kann, so ist es unterm Strich doch ein ganz Akzeptabel geworden.
Was die Story angeht, dass muss man einfach fairer Weise zugeben, hält sich das TV-Stück wesentlich enger an die King-Vorlage als der Kinofilm. In dem auf 127 Minuten aufgezogenem Stück wird uns, neben dem Bekannten, nun unter anderem auch etwas aus Carries Kindheit gezeigt, der Showdown, auf den ich gleich noch eingehen werde, konnte endlich komplett umgesetzt werden und auch sonst wurde so manche Kinoverschönerung weggelassen. Auf der anderen Seite wurde die Geschichte allerdings auch in die Gegenwart versetzt und das tut der Geschichte nicht wirklich gut. Carrie informiert sich z. Bsp. im Internet über Leute mit ähnlichen Syntomen, Handys klingeln noch und nöcher und die Teenies sind allesamt auf typisch-dämlich getrimmt worden, wie es in den meisten Teenie-Filmen Gang und Gebe ist. Diese Verjüngerungskur des Stoffes hat nun wirklich nicht Not getan.
Die Dramatik hinter der Figur Carrie wird uns allerdings mit einer brillanten Figuren-Zeichnung Carries vor Augen geführt. Während in der Kinoversion Carrie eigentlich nur im Finale wirklich böse wirkt und man sonst eigentlich nur Mitleid mit ihr hat, so spürt man hier nun schon von Anfang an, dass etwas gar grausiges in Carrie schlummert. Wirklich leid tut einem die Figur hier nie, man hat eher Angst vor ihr.
Und wenn Carrie dann auf dem Schulball ihren Kräften freien Lauf lässt, wird es wirklich höllisch böse, so böse das man fast nicht mehr glauben mag, dass es sich hier um einen TV-Film handelt. Zwar wird es nicht unbedingt übermäßig brutal, doch Carries "Ausraster" zieht sich hier wesentlich länger hin, als wie im Kino. Während dort ja nur die Schule und das Haus der Whites in Schutt und Asche gelegt wurde, so zerstört Carrie hier gleich noch die halbe Stadt mit ihren Kräften. Und das gibt dem Geschehen dann doch die richtige Würze und der Figur Carries eine Bösartigkeit, die man kaum für möglich gehalten hat. Kann sein das das den ein oder anderen stören mag, mich hat es jedenfalls überzeugt, zumal es eben auch so im Roman steht.
Schade nur, dass das darauf folgende Ende dann plötzlich kräftig in Richtung Dämlichkeit ausschlägt. Während man bis jetzt ganz zufrieden mit dem Verlauf des Films sein konnte, so wird einem hier plötzlich ein unglaubwürdiges, ungerechtes, abruptes und durch und durch unbefriedigendes Ende beschert, dass so weder im Buch noch im ersten Film vorhanden war. Frei erfunden sozusagen und vollkommen überflüssig.
Ein weiterer kräftiger Leidenspunkt ist zudem die optische Inszenierung des Ganzen. Da es sich hierbei um einen TV-Film handelt hat man zwar sicher nicht sonst etwas Großes erwartet, doch hier ist alles leider noch ne Spur billiger, als man gedacht hätte. Die Sets wirken blass und gestellt, die Spezial-Effekte sind grottig und auch sonst hat man nicht gerade das Gefühl, dass man sich die Macher allzu viel Mühe mit dem Optischen gegeben hat. Beim Sound sieht es da schon wesentlich besser aus, doch im Einklang mit dem Visuellen kann auch er nicht mehr allzu viel herausreisen.
Dazu kommen dann noch die Darstellerleistungen, die, bis auf eine, allesamt nicht gerade "das Gelbe vom Ei" sind. Hölzern und blass, dazu nicht mit allzu viel Talent besegnet, stellen die meisten dieser "Schauspieler" hier, ihre Rolle mehr als unglaubwürdig da. Allen voran die sonst eigentlich recht gute Patricia Clarkson spielt hier weit unter ihrem Niveau und kann ihre Rolle als fanatische Mutter nicht ausfüllen.
Nur Angela Bettis als Carrie ist wirklich sensationell gut und spielt hier alle an die Wand. Sie verleiht ihrer Figur eine Tiefe, die ihr nicht einmal Sissy Spacek zu geben vermochte. Wie schon weiter oben erwähnt, kann man hier schon beinahe richtig Angst vor Carrie (auch in den frühen Szenen) haben, so gut ist sie hier. Wenn Bettis ihre Sache weiterhin so gut macht, könnte glatt etwas aus ihr werden.
Fazit: Auf der einen Seite eigentlich recht überflüssig, verbirgt sich hinter der TV-Fassung von "Carrie" ein annehmbarer kleiner Streifen, mit seinen positiven und negativen Seiten. Auf der positiven Seite stehen das enge Halten an die Romanvorlage, die brillante Hauptdarstellerin und die exzellente Figurenzeichnung von Carrie. Auf der negativen Seite steht definitiv die Tatsache das alles voll auf Teenie-Film getrimmt wurde, die misslungene Versetzung der Geschichte in die Gegenwart und die billige Optik des Ganzen.
Alles in allem somit ein Film der zwar wesentlich besser ist als erwartet, den es aber dennoch nicht unbedingt gebraucht hätte.
Wertung: 6/10 Punkte