In einer Zeit, in welcher so ziemlich jeder Klassiker seine Auferstehung für die neue Generation in Form eines Remakes feiern darf, hat es nun Stephen King´s „Carrie“ sein sollen ... leider jedoch nur in Form eines TV-Films (und hier liegt auch schon das größte Manko der 2002er-Version).
Jeder Vergleich mit der Adaption von Brian de Palma ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt – in allen Belangen reicht das Remake von Regisseur David Carson nicht an das große Vorbild heran.
Ich will an dieser Stelle gar nicht erst auf die Debatte eingehen, ob es überhaupt „richtig“ ist, Neuversionen oder Neuinterpretationen von Klassikern zu produzieren, doch bei einem Vergleich zwischen der 1976er-Variante und dem Buch gibt es gravierende Unterschiede (vor allem gegen Ende), deren Umsetzung damals zu teuer gewesen ist, heutzutage jedoch mit Hilfe der fortgeschrittenen „CGI“-Technik in den Bereich des Machbaren fällt ... und genau aus diesem Aspekt gehen in diesem Fall gleichermaßen die „pro“- und „contra“-Punkte hervor:
Das apokalyptische Ende der Romanvorlage wurde dieses Mal umgesetzt, jedoch (TV-Budget-technisch bedingt) mit teilweise erschreckend schlechten Special Effects, die das Sehvergnügen deutlich mindern...
Aber der Reihe nach:
Die Story ist ja allgemein bekannt – Carrie White (Angela Bettis) fristet ein Leben als Außenseiterin an ihrer High-School, was hauptsächlich an ihrer übermächtigen Mutter (Patricia Clarkson) liegt, die Carrie mit ihrem starken religiösen Glauben regelrecht am Boden hält...
Eines Tages bekommt Carrie unter der Dusche nach dem Sportunterricht ihre erste Periode, womit sie nichts anzufangen weiß, da ihre Mutter sie darüber nie aufgeklärt hat – sie erleidet dadurch einen regelrechten Nervenzusammenbruch und wird nur noch stärker das Gespött ihrer Mitschüler...
Mit der Zeit stellt Carrie zudem noch fest, dass sie beim Empfinden von Wut telekinetische Fähigkeiten hervorbringen kann, was ihre Mutter als „Satanswerk“ verurteilt...
Als sie schließlich von einem beliebten Jungen (als ehrlich-gemeinten Mitleidsgefallen von dessen eigentlicher Freundin Sue) zum „Prom“ eingeladen wird, fasst sie endlich Mut, sich aus ihrem eigenen Schatten herauszubewegen und sich gegen ihre Mutter aufzulehnen ... doch nach einem weiteren „Streich“ (sie wird mit manipulierten Stimmkarten zur Ballkönigin gewählt, und dann, während des schönsten Moments ihres Lebens (der in dieser Version noch mit einer Traumsequenz erweitert wird), von einer Mitschülerin mit Schweineblut übergossen) eskaliert die Situation, und Carrie läuft Amok, wobei sie mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten eine Flammenhölle und Blutbad auslöst...
Erzählt wird diese Neuversion (mehr oder weniger) in Rückblenden, die aus dem Verhör eines Polizisten (David Keith, „U-571“) mit einigen der Überlebenden der Tragödie hervorgehen.
Es gibt diverse Aktualisierungen der Handlung – wie beispielsweise Anspielungen auf andere Filme, oder dass Carrie sich im Internet über Telekinese und Wunder informiert, wie auch ein verändertes Ende, bei der Hoffnung auf eine positive Zukunft für Carrie geschaffen wird...
Was den Film für mich interessant gemacht hat, waren hauptsächlich die Elemente des Buches, welche die erste Verfilmung ausgelassen hat – zum Beispiel ein Feuerregen bei einem Streit mit ihrer Mutter in Carries Kindheit, oder das Ende, bei dem Carrie zusätzlich zur Turnhalle noch die halbe Stadt in Schutt und Asche legt ... leider, wie bereits erwähnt, hätte man für eine überzeugende Umsetzung dieser Szenen ein höheres Budget (oder ein besseres F/X-Team) haben müssen.
Schauspielerisch kann der Film nur in den Hauptrollen überzeugen: Angela Bettis ist zwar keine Sissy Spacek, macht ihre Sache aber (wie bereits im ähnlich gelagerten Film „May“) wirklich gut – selbiges gilt auch für Patricia Clarkson („Six feet under“) als ihre fanatische Mutter.
Bei der Besetzung der restlichen Teens (mit Ausnahme der „Sue“) ist man anscheinend leider mehr nach dem Aussehen als nach dem Talent gegangen (was leider auch für Katharine Isabelle aus „Ginger Snaps“ oder „Freddy vs. Jason“ gilt).
Fazit: „Carrie 2002“ ist eine solide TV-Umsetzung des Klassikers mit einigen guten Ideen im Sinne des Buches, die jedoch zu keiner Sekunde dem Original das Wasser reichen kann und hauptsächlich in den F/X-Szenen (leider) gnadenlos scheitert ... 4 von 10.