Gut, gehen wir die Sache kurz durch, denn jede Minute Extralebenszeit, die man an „Night of the Crow“ verschwendet, geht an einem besseren Werk verloren.
Irgendjemand in diesem gelobten Land, der im VHS-Craze der frühen 90er mal so richtig schundig in den Videotheken Kasse machen wollte, hat aus mehreren unabhängig-obskuren Quellen vier Gruselkurzfilme genommen, die sonst aus naheliegenden Gründe niemand für irgendwas wollte und sie zu einer kleinen Omnibus-Veröffentlichung aneinander geklebt.
Also nicht jetzt so bemüht mit Rahmenhandlung und Gaststar, wie das auch noch der letzte Resteverwerter mit einer schmalen Neige an Würde tun würde, sonst einfach hintereinander montiert.
Und weil einer der Kurzfilme auch nominell noch auf dem Werk Stephen Kings beruht, durfte der Meister gleich noch mit auf den Titel, was der Sache enorm geholfen hat, dem Vertrauen der Kunde jetzt nicht eben sonderlich.
In der ersten Episode geht es um die mieseste Pokerrunde aller Zeiten, bei der allerdings noch zwei Personen fehlen: Mäuschen Morty und der fesche David. In einer wirklich amateurhaft abgefilmten Szene hat Morty seinen Freund nun aber in der Tiefgarage gemeuchelt, weswegen er bass erstaunt ist, dass David dennoch zum Zocken kommt. Diese Macbeth-Volte wird filmisch leider nicht durch Qualitäten unterstützt und so kann man diesen Auftakt komplett vergessen, er ist schlicht ärgerlich. Auch technisch ist das alles sub-par umgesetzt und völlig antiklimatisch geschnitten.
In Episode 2 kauen wir dann die guten alten „Kinder des Mais“ noch einmal durch, wobei man gegen Ende sich dann doch budgetbedingt ein paar Freiheiten gönnt. Immerhin sind hier filmische Fähigkeiten merkbar und die Szenen in der verlassenen Stadt haben tatsächlich ein wenig Atmosphäre zu verbreiten. Leider ist das handelnde Pärchen eine erlesene Kombination von zwei Arschnasen, die man nur schwer über auch nur kürzere Strecken ertragen kann.
Die dritte Episode „The Night Waiter” soll wohl ein wenig lustig gemeint gewesen sein, eine peinlich übertrieben gespielte Geistergeschichte rund um einen „haunted hotel room“, in das mehrfach noch Snacks geliefert werden müssen. Bis der Plot überhaupt zu dem Gruselanteil kommt, hat das Arschloch von Nachtportier schon jeden Nerv beim Zuschauer abgetötet und das einigermaßen kompetente Set Design findet leider keine Entsprechung in der entsetzlichen Handhabung der Darsteller.
Den Schluss bestreitet eine Meditation über die Abgründe des Mindestlohnzeitalter, denn wie hier ein Comiczeichner erfahren muss, arbeiten hier die Untoten die Nachtschichten durch im Supermarkt. Ist natürlich ein Schock, wenn man so seine alte Freundin wieder trifft, aber doof wie der Protagonist und sein Freund nun mal sind, registrieren sie nicht, dass die Macher im Hintergrund keine Gewerkschaftsbildung beabsichtigen.
Eigentlich eine gute Idee zu einem Thema, das einen ganzen Film verdient hätte, aber die Ausführung ist mal wieder unter aller Kanone. Halbgar zurecht geschnitten, findet man weder zu Geschichte noch zu Figuren einen Zugang.
Haut man die vier Filme also nun gemeinsam in einen Mixer, kommt da genau gar nichts bei raus. Jede Kompilation von drei oder vier Serienfolgen aus „Geschichten aus der Schattenwelt“ oder „Monsters“ hätte Kompetenteres zutage gefördert, als diesen stilistisch hinter wie vorne nicht zusammen passenden Krampf, der zu 99 Prozent weder gruselig noch stimmungsvoll ausfällt. Hinter allen Geschichten spürt man die Idee, aber keine davon konnte kreativ umgesetzt werden. Kein Wunder also, dass man nur bei einem der Regisseure, Damian Harris, später so etwas wie eine Laufbahn als Regisseur vorfinden kann (er drehte die letzte Episode).
Falls euer Kumpel das Teil also noch rumliegen hat oder ihr auf Tubi darüber stolpert: sucht euch etwas Anderes, es lohnt nicht die Zeit (2/10)