kurz angerissen*
Bei den berüchtigten Spike-Lee-Joints muss man immer ein bisschen vorsichtig sein. Die Schwarzweißmalerei ist sein liebster Kunststil; das betrifft nicht nur seine Themenauswahl, sondern auch seinen rhetorischen Stil. Er ist jemand, den man aus weiter Entfernung mit einem Prediger verwechseln könnte, einer, der mit der gleichen Aggression die eigene, als Outsider-Sicht verstandene Perspektive im gleichen Stil verteidigt wie seine Gegner, bei denen es sich gewöhnlich um die Etablierten und Institutionellen handelt. Mit dem Black-Power-Anführer Kwame Ture (gespielt von Corey Hawkins) teilt er genug Eigenschaften, dass man fast von einer Selbstreferenz sprechen könnte. Doch gerade in seiner parolenhaften Artikulation sollte man Lee niemals unterschätzen; zwischen den unterdrückten, wütenden Afroamerikanern und den debilen weißen Rassistenschweinen, die in "BlacKkKlansman" die Flanken bilden, ruht nämlich ein kleiner Kosmos gelebter Gleichheit, der nicht viel Aufhebens um sich selbst macht.
Die Story des schwarzen Polizisten Ron Stallworth, der Anfang der 70er den Ku-Klux-Klan unterwanderte, ist wie gemacht für jemanden wie Lee. Ein schwarzer Cop, der sich mit seinem weißen Kollegen eine Undercover-Identität teilt und so einen Weg in den inneren Kreis der Kapuzenträger findet... das ist nicht nur eine unglaubliche Story, das hat auch die naive Wünschelrutenkraft eines Fantasy-Rassismusdramas aus der Gattung Bodyswitch ("... und am nächsten Morgen wachte der Nazi auf und war schwarz wie die Nacht."). Wenn man damit dann auch noch den KKK-Anführer David Duke so richtig an der Nase herumführen kann (jede Minute Filmgold: der schmächtige Topher Grace mit All-American-Moustache in der Pose eines gütigen Halbgottes): um so besser.
John David Washington und Adam Driver sind dabei die Brillengläser einer gemeinsam geteilten Sicht auf die Welt: Ihre Blickwinkel sind niemals vollständig synchron, verlaufen aber beim Blick in die Mitte zu einer Einheit, die somit zu Lees ultimativem Argument für Rassengleichheit wird. In den unverbindlichen Gesprächen zwischen den Jobpartnern, etwa bei der Einstimmung auf die Einsätze in den Büros der Polizeistation, spielt der Film all seine Stärken aus. Vor dem Hintergrund der aufwühlenden Bürgerrechtsbewegungen ist die besonnene, fast unpolitische Methodik der Beiden wahres Balsam. Sie bewegen sich gewissermaßen durch den blinden Fleck öffentlicher Aufmerksamkeit und sind vielleicht auch deshalb so unsichtbar für ihre Zielobjekte, weil sie in erster Linie eben nicht aus dem Hass heraus agieren, sondern auf Grundlage eines nüchternen Gerechtigkeitsempfindens - oder auch einfach nur aus Pflichtgefühl gegenüber dem eigenen Beruf.
Diese emotionale Selbstbeherrschung beansprucht der Regisseur keineswegs für sich selbst. Kurz vor Ende spannt er endgültig den (auch vorher schon spürbaren) Bogen zur Gegenwart, indem er dokumentarische Bilder der Rassendemonstrationen von 2017 einblendet (herber Stoff, der wirklich betroffen macht) und mit Erklärungsversuchen des amtierenden Präsidenten kombiniert, die kaum noch eine andere Regung zulassen als tiefes Bedauern. Lee macht sich also gewissermaßen für einen Moment zu einem "Partner in Crime" seines weißen Kollegen Michael Moore. Ein wunderbar eingefädelter Parallelismus zur Filmhandlung. Wenn man so will, erklärt Lee seine Hauptfiguren dadurch zu seinen persönlichen Helden; Fähigkeiten und Eigenschaften bewundernd, die er selbst nicht sein Eigen nennen kann.