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Die zweifache Mutter Ellie (Vinessa Shaw) hatte lange mit ihrer Tablettensucht zu kämpfen und ist zu diesem Zweck mit ihrer Familie in eine andere Stadt gezogen. Doch aller Neuanfang ist schwer, und trotzdem sie sich einer AA-ähnlichen Selbsthilfegruppe anschließt, kann sie der Versuchung nicht widerstehen und nimmt erneut Tabletten. Ein anderer Teilnehmer dieser Gruppe, der sie abends nach der Therapie beobachtet, beschließt Ellies Sucht mit einer anderen Sucht zu bekämpfen, indem er ihr, als sie im Rausch auf einer Schaukel auf einem Kinderspielplatz dahindämmert, etwas Blut von sich selbst überträgt. Denn der etwa gleichaltrige Christopher (James Ransone) ist Vampir, ein einsamer noch dazu und möchte eine Schicksalsgefährtin haben, die er in Ellie, die getrennt von ihrem Ehemann lebt, zu erkennen glaubt. Bald stellt die Enddreißigerin, die große Mühe hat, ihrem gerade erwachsen gewordenen Sohn Kyle (Colin Ford) und der etwa 14-jährigen Tochter Amy (Eloise Lushina) trotz ihrer zeitweiligen Ausfälle ein gutes Vorbild zu sein, diverse Veränderungen an sich fest: Eine Schramme an der Stirn ist am nächsten Morgen schon ausgeheilt, später drückt sie Zigaretten in ihrer Hand aus, deren Spuren schon nach wenigen Minuten verschwunden sind, vor allem aber entwickelt sie einen unstillbaren Appetit auf Blut. Zuerst probiert sie den Fleischsaft eines Schnitzels, später lutscht sie heimlich ein Taschentuch aus, mit dem sich Sohn Kyle eine Wunde am Fuß abgetupft hatte und dann entdeckt sie die streunende kleine Katze der Nachbarin...

Das Ersetzen der einen durch eine andere Sucht ist die Grundthematik dieses passend mit Family Blood betitelten Dramas von Regisseur Sonny Mallhi, das mit der Etikettierung als Horror/Thriller mal wieder ziemlich daneben liegt, denn im Mittelpunkt des Films steht Hauptdarstellerin Vinessa Shaw und ihre Verhaltensweisen, vor allem wie sich diese auf ihre beiden Kinder auswirken. Obwohl sie ihren Charakter glaubhaft darzustellen vermag, fehlt dem Film, der sich einiger Vampir-Klischees bedient, hinten und vorne so ziemlich alles, um auch nur einen Anflug von Spannung oder gar Mitfiebern aufkommen zu lassen: Beinahe jede Aktion ist vorhersehbar, manchmal auch unlogisch und an den wenigen Stellen, wo es mal blutig zur Sache geht, bleibt der Bildausschnitt immer(!) außerhalb des Geschehens. Wird also mit einem Messer gearbeitet, sieht man dieses sich rot verfärben, wodurch jedoch wird nie gezeigt. Lächerlich wird dies als Ellie das Nachbarskätzchen anfällt, was ohnehin im Dunklen passiert und sich eigentlich nur dadurch manifestiert, daß die unsympathische Nachbarin später nach ihrem Haustier sucht. Dazu gesellen sich ein paar überflüssige Jump Scares, die aufgrund der Schnellschnitte eher Augenkrebs statt eines Schockeffekts bewirken.

Erschwerend hinzu kommt, daß der neue Vampirfreund ein fürchterlicher Kotzbrocken ist, der sich irgendwann ungebeten im Haus einquartiert, was die Kinder zu einer vorübergehenden Flucht nötigt. Ellie, die einerseits wie in Trance handelt (wenn der Blutdurst sie überfällt), andererseits aber ein gutes und inniges Verhältnis zu ihren Kindern pflegt(e), unternimmt nichts gegen die veränderte Situation im Haus, und da auch sonst niemand Notiz von dem Vampirpärchen nimmt, ist es dann Sohn Kyle, der mit einfachen Bordmitteln dagegenzuhalten versucht. Wohin die eine oder andere ausgesaugte Leiche verschwindet und ob dieses Verschwinden nicht jemandem auffällt, blendet das Drehbuch ohnehin aus.

So bleibt ein durch und durch langweiliges Drama mit Vampirmotiven, das kaum etwas Neues zu dieser Thematik bringt (in Family Blood haben diese enorme Leibeskräfte und sind nahezu unverwundbar, hmm?) und mangels Identifikationsfiguren und einem Editing für eine Zielgruppe unter 12 Jahren ( es gibt nicht eine einzige vorzeigbare Metzelszene) eher das Schlafbedürfnis fördert. Punkte haben sich hier außer der Hauptdarstellerin nur die beiden Kinderdarsteller verdient, insgesamt ist dieses Familiendrama jedoch eine äußerst trostlose Angelegenheit, die man sich sparen kann. 3 Punkte.

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