Twilight Zone meets RomCom
"Kein Mann für leichte Stunden" ist eine französische Komödie, die hervorragend in das Beuteschema von Netflix gepasst hat. Sozialkritisch, mit einem aktuellen Thema, aber nie zu bissig oder mutig um die breite Masse vor den Kopf zu stoßen. Es geht um einen selbstbewussten Macho, der nach einer Kopfverletzung in einer Welt aufwacht, in der die Geschlechterrollen ziemlich genau umgekehrt sind. Die Frauen sind stark, können sich gehen lassen, lieben Bier und Fußball, sind kurz gesagt das dominierende Geschlecht. Und dabei wird nicht übertrieben oder surreal weit ausgeholt, sondern einfach nur gespiegelt, wie viel noch zur Gleichberechtigung fehlt und wie patriacharlisch unsere Gesellschaft noch immer aufgestellt ist.
Oft neigen wir eingebildet und überheblich unser Köpfchen in Richtung arabische Welt und betonen, wie fortschrittlich und gleichberechtigt unsere westliche Gesellschaft ist. Nach einem Film wie "Kein Mann für leichte Stunden" wagt man das anzuzweifeln. Eigentlich ist es nur eine simple romantische Komödie mit einem Bein auf der Bremse - doch allein die gezeichnete "Welt der Frauen" kann einen staunen und über Dinge nachdenken lassen, die man schon längst für selbstverständlich und normal hält. Als Mann wie als Frau. Körperbehaarung? Autos? Pokerrunden? Bettgeschichten? Anziehsachen? Hobbies? Freizügigkeit? Um nur ein paar Dinge zu nennen, wo die Geschlechterrollen doch arg unflexibel und festgefahren wirken. Ob sich an all dem auch was ändern muss, darüber darf diskutiert werden. Aber dass "Kein Mann für leichte Stunden" diese Diskussion anregt, verdient Lob.
Von der Reduzierung auf den Körper über niedrigere Stellungen im Job bis hin zum Sexualverhalten - mit einer einfachen Umkehrung der Dinge wird so manch eine klaffende Lücke aufgezeigt, für die wir es fast schon verlernt haben uns zu schämen oder zu versuchen diese zu schließen. Und dieser Grundsatzwitz zieht sich derart tief und weit durch den Film, dass er selbst über 100 Minuten kaum an Wirkung verliert. Für Chauvinisten und Machos genau richtig. Obwohl man insgesamt ärgerlich an der Oberfläche bleibt und (auf beiden Seiten) unsympathische Figuren nicht immer einladend sind. Die Idee ist besser als das Endprodukt.
Fazit: hätte man etwas mehr gewagt, wäre eine große und wichtige Komödie, ein Augenöffner drin gewesen. So bleibt nette Unterhaltung zum richtigen Zeitpunkt. Aber allein auf Grund der treffend umgedrehten Welt cleverer als der Durchschnitt. Macht nachdenklich auf lockere Art und Weise...