„Dwelling“, so der Originaltitel, den man mit Behausung oder Wohnsitz übersetzen könnte, ist ein Film, bei dem nach 15 Minuten bereits klar ist, dass das verfluchte Haus am Ende mindestens Feuer fängt. Oder vielleicht schlimmer: Dem Haus passiert gar nichts und am Ende haben sich alle wieder lieb. Das Spielfilmdebüt von Autor und Regisseur Kyle Mecca ist wahrlich kein Aushängeschild in Sachen Spukhausfilm.
Nachdem Ellies Mutter auf rätselhafte Weise stirbt und ihre Schwester River im Sanatorium für Nervenleiden landet, ist die junge Frau fest entschlossen, das Geheimnis des Übernatürlichen zu lüften. Mit Partner Gavin und der kleinen, medial veranlagten Nichte Izzy bezieht sie das sagenumwobene Amara-Haus, in dem es spuken soll. Als Ellie die schwarze Farbe von einem Spiegel kratzt, erscheinen die Geister die sie rief…
Der grobe Inhalt macht bereits stutzig: Warum zieht man bewusst in ein Spukhaus, wenn man sich bereits seit 16 Jahren mit Okkultem beschäftigt? Und warum involviert man ein kleines Mädchen quasi als Köder? Das lässt sich allenfalls mit der Obsession Ellies erklären, die durch selbige zu keiner Zeit als Sympathiefigur taugt. Den eher rationalen und überaus geduldigen Part vertritt demgegenüber Gavin, doch der steht leider mit zunehmender Dauer immer weniger im Fokus.
Auf Geisterebene kramt Mecca nicht wirklich tief im Fundus und meint, die überschaubare Anzahl an Jump Scares durch den wenig filigranen Einsatz von Sound und Score zu verstärken, was schon aufgrund des schwachen Timings kaum funktioniert.
Mecca scheint einen Finger-Fetisch zu haben, denn diese werden auffallend häufig und in verschiedenen Hautverfärbungen in Nahaufnahme eingefangen, - streichelnd, andeutend oder ineinander greifend. Dazu gibt es einen zum Teil wirkungsvollen „Thin Man“, der bezeichnenderweise von Fattie King verkörpert wird und die fast schon obligaten Puppen, weil ja ein kleines Mädchen mitspielt und dieses natürlich auch geheime Botschaften aus dem Dunkelreich übermittelt bekommt.
Obgleich sich das Drehbuch als ohnehin schon dünn entpuppt, werden essentielle Fakten wie getötete Kinder oder der Hintergrund des dünnen Mannes völlig beiseite geschoben, während sich der Showdown nicht wie ein solcher anfühlt: Keine dramaturgische Steigerung, ein Minimum an Suspense und hinsichtlich der zahlreichen Logiklöcher setzen die sich bis zur allerletzten Szene fort. Zudem ist die FSK18 für den ungeschnittenen Film ein schlechter Witz, denn es fließt kein Tropfen Blut und bei der einen entscheidenden Szene wird sparsam weggeblendet.
Zugute halten kann man dem Werk noch die solide Kamera, die tauglichen Sets und die halbwegs passablen Mimen, doch die Geschichte zeugt von wenig Ideenreichtum und noch weniger Feinschliff. Selbst bei geringer Erwartungshaltung bildet „Black Mirror“ fast schon ein Spiegelbild seiner selbst: Hineinschauen lohnt nicht…
3,5 von 10