Eine Comic-Adaption der etwas anderen Art: Deadpool 2 begleitet wie schon im ersten Teil den krebskranken Söldner Wade Wilson mit dem titelgebenden Beinamen auf seiner Tour de Force gegen Gangster, andere Superhelden oder schlicht sein eigenes Unvermögen. Dabei fliegen die Fetzen, strömt das Blut und reißen die dummen Sprüche nicht ab...
Die eigentliche Story hinter dem Action-Feuerwerk ist nicht so leicht auszumachen, da öfters Dinge in Rückblenden erzählt werden und man aufgrund des permanenten Quatschens und Herumhüpfens kaum zum Mitdenken kommt. Deadpool will mit seiner Freundin Vanessa etwas feiern und ein Baby in die Welt setzen, als diese bei einem plötzlichen Überfall getötet wird - dies nimmt ihn so sehr mit, daß er sich selbst in die Luft jagt. Ein anderer Superheld, Colossus, päppelt ihn danach wieder auf und so schließt er sich den X-Men an, bei denen er bei einem Einsatz einen pubertierenden Schwabbeligen namens Russell kennenlernt. Um diesen Burschen geht es danach, denn der will den Direktor seines Waisenhauses eliminieren, weil der ihn angeblich misshandelt hätte. Kurze Zeit später ist Russell dann in einem Gefängnis ("Eisbox"), aus dem ihn Deadpool rausholen will, wozu er ein Team zusammenstellt. Aber eigentlich ist diese Storyline auch schon egal, denn sie bildet bestenfalls ein schwaches Gerüst dieses Spektakels, das in immer neuen, unvorhersehbaren Wendungen Meister Deadpool in Action zeigt...
Oben angesprochene Rekrutierung des Teams gehört zu den tatsächlich witzigen Momenten in dieser permanent witzig sein wollenden aber nicht immer wirklich witzigen Komödie, auch dessen nachfolgender Einsatz und totales Versagen, wie ein Teammitglied nach dem anderen zu den anheizenden Klängen von AC/DC´s Heatseeker aus dem Helikopter springt und dann kläglichst zermatscht wird, hat etwas für sich. Das Angenehme an Deadpool 2 ist der Umstand, daß sich keiner der Beteiligten in irgendeiner Weise Ernst nimmt sondern sich im Gegenteil kräftig selbst verarscht - das macht den Film, dessen ständiges Labern und Hopsen von kaum einer ruhigen Szene unterbrochen wird und der ansonsten für ein wohl eher jugendliches Publikum konzipiert ist, dann immerhin annehmbar und ansehbar. Mit zunehmender Dauer wartet man auf immer noch blödere Sprüche, besonders was Wade Wilson aka Deadpool betrifft, dessen Entscheidungen (sofern er solche trifft) fast immer durch Eingreifen von Anderen oder eigene Blödheit konterkariert werden.
Über eine Figurenzeichnung braucht man nicht groß reden, neben dem maskierten Deadpool mit seinen Selbstzweifeln werden vor allem zielgruppengerecht ein pubertierender Schwabbelbauch sowie später auch ein Mädel (Domino, einziges überlebendes Teammitglied, "die immer Glück hat") in Szene gesetzt - gut gefallen hat mir der zeitreisende Söldner Cable, ein mürrischer Fighter (Josh Brolin) der allerdings genauso gnadenlos verarscht wird wie nahezu alle anderen Teilnehmer dieses Action-Klamauks. Am Ende gibts natürlich ein Happy-End für Deadpool, und auch (fast) alle anderen sind zufrieden - Sequeltauglichkeit also gegeben.
Mit knapp 2 Stunden ist Deadpool 2 ein wenig lang geraten, das permanente Quasseln ging mir, der ich kein Genre-Fan bin, ziemlich schnell auf den Nerv - wenn man aber das Gehirn abschalten und sich von dummen Sprüchen und ständige Albernheiten berieseln lassen will, kann man dem Film, der sich selbst nie ernst nimmt, durchaus etwas abgewinnen . 5 Punkte.