Review

Brust raus, Beine zusammen


„Girl“ erzählt von einem jungen Mädchen, das im Körper eines Jungen geboren wurde. Sie hat den Traum Ballerina zu werden - doch sowohl ihr angebotenes Geschlecht als auch ihre Umwelt hilft ihr dabei nicht wirklich voran…

Recht trocken und kühl ist „Girl“ inszeniert. Kitschig auf die Tränendrüsen gedrückt wird woanders. Und dennoch (oder vielleicht gerade deshalb) ist es unmöglich nicht mit dieser Prima Ballerina mitzufühlen. Mit einer der besten Performances, die ich je von einem Jugendlichen gesehen habe. Mit seelischen und menschlichen Themen, die uns alle ansprechen, egal ob man sich in seinem Körper und Geschlecht wohl fühlt. Und eben mit dieser europäischen Empathie und Echtheit, die man in Hollywood niemals findet. Erst recht nicht in einem sicher angedachten Remake. Hier haben die Belgier mal richtig vorgelegt. „Girl“ hat mich bewegt und mitgerissen ab Minute eins. Ohne allzu viel Spektakel oder Schminke. Ein Drama, was einem den Glauben an Dramen zurückgibt. Hier ist nichts gekünstelt, gestellt, übertrieben oder oscarbaitig. Nichts trocken oder bieder. Hier wirkt alles organisch, aus Erfahrung, echt und authentisch. „Girl“ zeigt Hoffnung und Depression, Erwachsenwerden und Energie, Mobbing und Nächstenliebe, Selbstfindung und Selbstverstümmelung. Und Letzteres mit einer der schmerzhaftesten Szenen, die eigentlich nichts zeigen, die ich je gesehen habe. Zudem noch starke Tanzszenen, Ballett ist immer hart und faszinierend gleichzeitig anzusehen. Was zum restlichen Thema passt. Wodurch wiederum fast alles passt. Groß. 

Fazit: einer der bedeutendsten Beiträge zur sexuellen und seelischen Identität seit es Filme gibt. Und einer der mutigsten obendrauf. Ganz realer Bodyhorror. Seelenstriptease. 

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