Eine heikle Mission führt den Diamantenhändler Lucas Hill (Keanu Reeves) nach St. Petersburg, wo er dem ortsansässigen Mafioso Volkov (Pasha D. Lychnikoff) einige ganz besondere Klunker schmackhaft machen will - das gewünschte Probeexemplar allerdings muß er diesem schuldig bleiben, da sein Lieferant kalte Füße bekommen und sich nach Sibirien abgesetzt hat. Solchermaßen in der Zwickmühle bleibt dem Amerikaner nichts anderes übrig, als ebenfalls in die russische Provinz zu reisen, um seinen Verpflichtungen gegenüber dem ebenso gewalttätigen wie argwöhnischen Oligarchen nachzukommen. Dort lernt der ruhige und zurückhaltende Handelsreisende in einer Kneipe die Dorfschönheit Katya (Ana Ularu) kennen, die zwar bereits einem anderen versprochen ist, in dem westlichen Gast jedoch sofort ihre Chance auf ein Entkommen aus der trostlosen Provinz wittert.
Es dauert auch nicht lange, bis die beiden in der Kiste landen, wobei sie sich weder von Katyas Bruder noch von der eigentlichen Mission, der Suche nach den kostbaren blauen Diamanten, abhalten lassen. Tatsächlich taucht ein einzelner solcher dann auch wieder auf, den Lucas dem darüber entzückten Mafioso auch stolz präsentieren kann, der Rest der Lieferung allerdings bleibt verschwunden. Dafür erfährt der Amerikaner, daß es von speziell diesen Diamanten ganz erstklassige Fälschungen gibt, die nur ein Fachmann mit entsprechenden Analyse-Geräten diagnostizieren kann...
Nah den John Wick-Filmen hätte man von Keanu Reeves in diesem recht konventionell gestrickten Diamanten-Thriller eigentlich etwas mehr erwartet, doch passt sich der Kanadier dem einfallslosen Drehbuch mühelos an, indem er die meiste Zeit wie eine Schlaftablette agiert, kaum Emotionen oder gesteigerte Aktivitäten zeigt und sich auch in Punkto Action absolut zurückhält.
Die seltsame Anziehungskraft, die er auf die kurzhaarige blonde Katya ausübt, bleibt daher umso merkwürdiger, denn die bodenständige Sibirierin muß ihn nach einer Kneipenschlägerei erst einmal zu sich nach Hause verfrachten, bevor sie den West-Touristen, den sie wie einige andere Russen stereotyp mit "Ihr Amerikaner..." anredet, in Ruhe begutachten kann. Nach Austausch einiger klischeehafter Floskeln ist sie sich dann aber sicher, ihre Beute nicht mehr loszulassen.
Leider gibt Katyas Rolle, obgleich die interessanteste im ganzen Film, auch nicht sonderlich viel her außer der bereits aus unzähligen anderen Streifen bekannten toughen Russin, die sich in einer Männerwelt behaupten kann, und da sämtliche anderen Darsteller entweder belanglos oder schlicht unsympathisch rüberkommen (Volkov und seine Leute sind Proleten der übelsten Sorte), wird Siberia, der seine eigentliche Story um gefälschte Diamanten nicht sonderlich ausbreitet sondern mehr im Hintergrund laufen läßt, mit zunehmender Dauer immer langweiliger.
Ein südafrikanischer Kontaktmann warnt Lucas noch, daß der russische Geheimdienst FSB ebenfalls hinter den Diamanten her ist, viel mehr erfährt man allerdings nicht mehr. Statt sich endlich abzusetzen, bleibt Lucas aber noch vor Ort - denn da ist ja noch Katya. Spannend...
Ein wenig spektakuläres Ende, das überdies den Eindruck hinterlässt, als wäre den Produzenten das Geld ausgegangen, beschließt dann die matte Vorstellung, die viele aufgeworfene Fragen unbeantwortet lässt. Zu diesem Zeitpunkt ist das aber auch schon egal, denn Siberia, diesen lahmen Zwitter aus Krimi und Romanze, kann man sich getrost schenken: 3 Punkte.