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Vom Ruhm vergangener Tage kann man sich nichts kaufen - eine alte Weisheit, die auch der ehemalige Box-Profi Rodney Jones (Cuba Gooding Jr.) zu spüren bekommt - mit fast 40 Jahren ist der frühere Olympia-Silbermedaillengewinner nur noch als Türsteher in einem Club in New Orleans gefragt. Als dessen Manager mit dem Besitzer, dem russischen Mafioso Yuri (Richard Dreyfuss) in Streit gerät, wird er kurzerhand erschossen und an die Krokodile im Teich des Anwesens verfüttert - Bayou Caviar nennt Yuri diese Appetithappen für seine Reptilien. Rodney, Zeuge der Bluttat, muß nun von Stund an für Yuri arbeiten. Dessen jüdischer Anwalt Schlomo möchte in Pension gehen und empfiehlt daher wärmstens - als seinen Nachfolger - seinen Schwiegersohn Isaac, doch Yuri will auf die Dienste Schlomos keineswegs verzichten und so besteht Rodneys erster Job darin, belastendes Material über Isaac zu erstellen. Mit Hilfe der befreundeten Fotografin Nic (Famke Janssen) gelingt es ihm, ein ebenso attraktives wie dummes junges Mädchen aus der Nachbarschaft, das von einer Laufbahn als Reality-TY-Star träumt, zu einem angeblich karrierefördernden Pornodreh zu überreden. Isaac, Vermieter von deren einkommensschwachen Eltern, läßt sich dann auch tatsächlich von der jungen Kat (Lia Marie Johnson) verführen, während Nic aus dem Kleiderschrank heraus alles filmt. Doch ganz so einfach verläuft die Sache dann doch nicht, vor allem nicht, als sich herausstellt, daß Kat erst 16 ist...

Mit seinem Regiedebut Bayou Caviar hat Oscarpreisträger Cuba Gooding Jr. (gleichzeitig Drehbuchautor und Hauptdarsteller) einen etwas sperrigen Thriller abgeliefert, der dem Film Noir zuzuordnen ist und reichlich Pulp-Fiction-Motive enthält. Trotz einiger bekannter Namen (Dreyfuss, Janssen) gelingt es jedoch kaum, den Zuschauer wirklich zu fesseln, denn das eher träge Erzähltempo und der Umstand, daß Gooding Jr. speziell seine eigene Rolle viel zu selbstverliebt angelegt hat, verhindern einen konstanten Spannungsbogen - größere Sympathiewerte vermag daneben keinE DarstellerIN zu generieren.

Nach einer sehr langen und wenig spannenden Einführung der handelnden Charaktäre dauert es nämlich fast eine halbe Stunde, bis der Film (mit der erwähnten Erschießung) endlich in die Gänge kommt. Hauptthema allerdings ist nicht der Mobster-Alltag in Louisiana (der spielt in Form von Dreyfuss´ Yuri mit insgesamt etwa 5 Minuten Screentime nur eine Nebenrolle) sondern vielmehr das sich ergebende, nie wirklich angesprochene und daher unsichtbare Beziehungsgeflecht aus sexuellen Vorlieben der Proponenten: der stets lächelnd und betont cool auftretende Rodney hat ein Auge auf die blonde Lateinamerikanerin aus der Nachbarschaft geworfen, und die ist dumm genug, sich (nach einem Kaffee) sogleich mit ihm einzulassen, schließlich hatte sie von seiner Vergangenheit gehört(!) und vielleicht kann er sie ja im Show-Business vermitteln, eine Promi-Fotografin empfiehlt er ihr nämlich bereits. Doch die chronisch frustrierte, notgeile lesbische Fotografin Nic (herrlich abgefuckt von der Niederländerin Famke Janssen dargeboten) ist selbst scharf auf junges Frischfleisch und spielt nur deswegen notgedrungen mit - Aufträge hat sie ohnehin kaum mehr, nachdem ihr Ruf wegen sexueller Belästigung einer Kundin zuletzt gelitten hatte. Was das Mitleid mit der letztendlich von allen nur ausgenutzten Kat betrifft, die sich ohne Nachzudenken für eine erträumte TV-Karriere mit fremden Männern prostituiert, so hält sich dieses angesichts der himmelschreienden Naivität der jungen Dame allerdings in überschaubaren Grenzen.

So fokussiert sich das Geschehen dann auf das Sextape, das mehrfach den Besitzer wechselt, um am Ende höhepunktfrei in einen erwartbaren Schluß zu münden, der (vergeblich) eine gewisse Tragik vermitteln soll. Obwohl durchweg routiniert und mit einigen kameratechnisch interessanten Perspektiven abgedreht, sind Gooding Jr. von ein paar Logiklöchern abgesehen auch einige ärgerliche Fehler unterlaufen, wie z.B. der (lächerlich inszenierte) Laptop-Klau oder das Bein im Fleischwolf (mit einer roten Socke - Textilbeilage für die Alligatoren?). Punktabzug gibt es außerdem für die prinzipiell einfach zu dick aufgetragene Backgroundstory vom "guten Jungen" Rodney, der "viel Pech" im Leben hatte - seine eigene Rolle als 38-jähriger hat der Regisseur (bei den Dreharbeiten 51) mit leider deutlich zuviel Schleim ausgestattet, als daß diese irgendwie glaubwürdig wäre.

Daß das Thema sexuelle Belästigung pikanterweise Cuba Gooding Jr. auch im richtigen Leben beschäftigt (der Schauspieler wurde diesbezüglich mehrfach geklagt) kann als Ironie angesehen werden - Einfluß auf die Filmbewertung sollte dies jedoch nicht haben. Bayou Caviar ist zwar kein ausgesprochener Geheimtip, weiß mit einigen interessanten Ideen jedoch zumindest leidlich zu unterhalten und ist daher durchaus einen Blick wert: 6 Punkte.

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