Review

Für Filme wie „Repo Man“ werden öfters zwei Termini gern gebraucht: „abgedreht“ und „Kult“ – wobei hauptsächlich auf diese Begriffe zurück gegriffen wird, weil man mit dem fertigen Produkt sonst eigentlich gar nichts anfangen kann.
Man kann das alles auch für unausgegorenen Käse halten, dem findige Gesellen, die in den 80ern cool drauf und revoluzzermäßig sein wollten mit dem Prädikat „Punk Film“ ausgezeichnet haben. Jedoch, für einen Film, der der „No Future“-Community, die bekanntlich gern mal feiert und sonst nix, gefallen soll, ist hier reichlich Material zum Nachdenken dabei, was wieder gar nicht cool ist – außer man ist ein ausgemachter Wirrkopf – und dann paßt es ja wieder.

Aber immer schön der Reihe nach: Alex Cox inszenierte „Repo Man“ 1983, als die Punkwelle im übrigen überall auf diesem Planeten schon wieder am Verschwinden war, nur eventuell in den Staaten noch nicht.
Für einen Brat Packer wie Emilio Estevez erschien so eine Hauptrolle sicherlich sehr reizvoll, einfach mal gegen den Strom spielen, deswegen will ich ihm zur Rollenwahl an sich auch keinen Vorwurf machen.

Nur eben, daß Otto, der hier in einer Art schrägen Parallelrealität, in der es mit den USA offensichtlich flott bergab geht (insofern kann es auch einfach die kaputte Realität sein, spielt keine Rolle), einfach nicht wie ein Punk wirkt, abgesehen davon, daß er ein loses Mundwerk und kein Bock auf gar nichts hat.
Einen Stoppelhaarschnitt, ein ärmelloses Shirt und ein paar Ohrringe machen aus Estevez leider noch keinen Punk, sondern eher einen modernen James Dean, der sich schlichterdings noch ungeschickter anstellt.

Bevor der Plot nach einer Weile im Chaos versinkt, geht es in erster Linie gleich um Mehreres: Otto, der sich nicht auf der Suche nach einem neuen Job befindet und doch irgendwie zum Autoklauer für eine Kreditfirma wird, der die Wagen zurückstiehlt, deren Raten nicht pünktlich bezahlt werden. Dabei stellt er sich herzlich doof an, hat aber dabei einen „Bunch“ von Kollegen, die schräger und kaputter nicht sein könnten, leben sie doch hauptsächlich von Speed und Alkohol und verbringen ihre Tage damit, sich über Nichtigkeiten zu streiten oder philosophischen Kappes vor sich hin zu blubbern, der wohl die Punk-Attitüde auf den Punk(t) bringen soll, bei dem aber mental wache Zuschauer schon bald abschaltet, weil das Trocknen von Farbe zu begutachten irgendwie interessanter und stimulierender ist.

Gleichzeitig düst noch ein Auto durch die Gegend, in dessen Kofferraum angeblich die Leichen von Aliens liegen, welche die Angewohnheit haben, jeden zu zerstrahlen, der einen Blick in ihr Allerheiligstes samt Reserverad wirft. Hinter diesem Fahrzeug sind reichlich Regierungsbehörden her, während eine obskure Gruppe von Vollpfosten das alles an die Öffentlichkeit bringen will. Ist erst mal bekannt, wie sehr dieser Wagen gesucht wird, sind auch die Geldeintreiber, ein paar rücksichtslose Punks und der einäugige Wagenbesitzer hinter der Kiste her.

So weit, so Plot – nur leider verliert Cox in seinem Skript selbiges immer wieder aus den Augen. Der Wagen wechselt mehrfach den Besitzer (und hin und wieder stirbt auch jemand), ohne das das zwingend etwas zur Handlung oder dem Unterhaltungsfaktor beitragen könnte, anschließend versinkt alles wieder für 10 Minuten in philosophischem Zivilisationsgelalle, durch das man selbst bei bestem Gewissen keine Erfahrungswerte gewinnt.

Möglicherweise ist das eben gerade als Gesellschaftskritik gedacht oder soll witzig sein, aber richtig gut ist maximal der schmierige Vor-Endzeitlook des Films (es sieht alles heiß, staubig, entfärbt und gebleicht aus) und so die eine oder andere Spitze, wie Ottos Eltern, die geistlos den ganzen Tag vor dem Bibelkanal hocken und die gesamte Kohle lieber dem dort lamentierenden Prediger überwiesen haben, inclusive der Ersparnisse für Sohnemann.

Tatsächlich ist der Film auch nicht ganz so dumm, wie er scheint, hat Cox es doch geschafft, einige Bezüge einzuflechten, die man allerdings nur bei genauer Kenntnis der bezogenen Materie verstehen kann. Wer daraus generell den gewissen Witz filtern kann, ist in einer deutlich günstigeren Posititon zum Geschehen.

Ich für meinen Teil finde den Schluß an sich (der Wagen erhebt sich samt Otto und einem Kollegen glühend zu den Sternen) zwar ein wenig augenzwinkernd (der ultimative Ausstieg aus der Gesellschaft), aber sonst erscheint mir der Film über 20 Jahre nach seiner Herstellung als brachiales Stückwerk, aus der Not geboren und für den Moment gemacht, jetzt aber ein angejahrtes Stück Rebellenkino für das man ein Handbuch braucht, um damit was anfangen zu können – und dabei praktisch ohne großen Unterhaltungswert.
Insofern den Terminus „abgefahrener Kultfilm“ bitte wie Nitroglycerin behandeln, könnte nach hinten losgehen. (2/10)

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