Review

kurz angerissen*


Da kannst du trotzig in die Faust beißen und die Luft anhalten, bis die Adern auf dem Hals wie kleine Purpur-Tentakel leuchten: Wenn eine Filmserie nur lange genug läuft, wird sie irgendwann einen Tapetenwechsel vollziehen und die Welt da draußen erkunden wollen. Ganz egal, wie sehr sie sich dem Heimatfilm verbunden fühlt. Das nennt man dann wohl die Furcht vor dem Stillstand. Bei „Hotel Transsilvanien“ läuft das auf ein ziemliches Problem hinaus, denn wenn die völlig ausgeflippte Animationsreihe auch nur einen Fels in der Brandung hatte, dann war es das Schlosshotel in den Karpaten, ein nie versiegender Quell wunderbarer Erinnerungen an viele alte Monsterfilme, die zumindest zwei Filme lang für ausreichend Inspiration sorgte.

Während jedoch Gestalten wie Jason Voorhees, Urhörnchen Scrat, der Leprechaun, die Critters oder der tapfere kleine Toaster Weltraumtourismus betrieben, zieht es die Draculas fürs Erste „nur“ ins Bermuda-Dreieck. Der Gedanke ist klar: Bermuda-Shorts über elfenbeinblasser Haut und bunte Hawaiihemden zu düsteren Gothic-Gesichtern sollen gar lustige Kontraste bilden, nach Art von: Ach schaut mal, die Gruftis wagen sich an die Sonne! Immerhin, Sonne hat's gar nicht so viel auf der Kreuzfahrt, denn schließlich befinden wir uns ja quasi in der Twilight-Zone, dort, wo all die verschollenen Schiffe landen. Dadurch, dass der Himmel stets in unheilvollem graublau vor sich hin grummelt, ist es beinahe so, als hätte man ein Stück Heimat auf Reisen mitgenommen. Gut so, denn das quietschbunte Filmposter drohte alle Alpträume einer typischen Outsider-Komödie wahr werden zu lassen, in der normale Menschen mit dem Finger auf das Obskure zeigen.

Obwohl die Kreuzfahrt also nicht halb so unerträglich ausfällt wie erwartet, hat sich doch insgesamt zu viel Buntes in die Tüte geschmuggelt und man vermisst das Hotel in dem Moment, in dem es im toten Winkel des Drehbuchs verschwindet. Die Story rund um Dracula, seinen Erzfeind Van Helsing und seine ominöse Love Interest ist reinste Verzweiflung und lässt nicht gerade viel Potenzial für einen möglichen vierten Teil zurück; wenn schon so etwas verfilmt wird, kann ja nicht mehr viel in der Hinterhand bleiben. Zu allem Überfluss wird die fragwürdige Tradition vom „Tanz in den Abspann“ diesmal auch noch auf das komplette Finale ausgedehnt, inklusive äußerst fragwürdiger Musikauswahl (auch wenn die üblen Nummern immerhin aus dem Koffer des Bösewichts stammen).

Zumindest die Charaktere lassen sich von den Schirmchendrinks nicht die Laune verderben und drehen weiter fleißig am Rad. Die Franchise bleibt schon deswegen wertvoll, weil sie zu den wenigen standhaften Rebellen gehört, die sich standhaft gegen die Disney-Pixar-Weltherrschaft zur Wehr setzen und die niemals ein „Dreamworks Face“ aufsetzen würden, weil sie ihr ganz eigenes Repertoire an bekloppten Gesichtsausdrücken mitbringen.

Ob das aber auf lange Sicht reicht? Sollte man bei Sony Pictures bereits über die Trilogie hinaus denken, kann man nur hoffen, dass sie der Versuchung widerstehen, die Monster Connection ins Weltall zu schießen. Echtes Monster-Flair gibt’s eben nur in Rumänien.


*weitere Informationen: siehe Profil

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