Der von Mamoru Hosoda geschriebene und inszenierte Film handelt von Veränderung, Akzeptanz und Reflexion. Im Zentrum steht dabei der vierjährige Kun, dessen Welt durch die Ankunft der kleinen Schwester auf den Kopf gestellt wird. Sich der Zuneigung der Eltern aufgrund des Babys nicht mehr sicher und seinen Alltag negativ beeinflusst sehend, verrennt er sich in Wutausbrüchen und Ablehnung.
Diese münden oft in Episoden, in denen er auf abgewandelte Personifikationen aus seiner Umgebung trifft. Hier verschmelzen Gesehenes und Gehörtes zu Fantasiegebilden, innerhalb derer Kun sein Verhalten, seine Erlebnisse und auch die sich verändernden Zustände reflektiert. Das daraus erwachsene Verständnis für die neue Situation ist dann die Entwicklung, die sich im Film vollzieht. Und auch, wenn das der Kern ist und für Erwachsene diese Verarbeitung nachvollziehbar erscheint, scheint das alles für einen Vierjährigen schon sehr viel Erkenntnis auf einmal zu sein. Wobei der oft präsente phantastische Aspekt sich durch den ganzen Film zieht und dies relativiert. Denn manches kann Kun gar nicht wissen.
Visuell ist „Mirai“ gelungen, mischt klassische Zeichnungen und Computeranimationen, die sich nur selten beißen, meist aber zu einem harmonischen Bild führen. Optisch ebenfalls auffällig ist das Apple-Logo, warum auch immer.
Streckenweise ist der Film auch anstrengend geraten. Dies ist zwar aufgrund der Thematik nachvollziehbar und auch sinnvoll, um das Szenario ausreichend darzustellen, das Geschrei kann aber über die Laufzeit auch an den Nerven zerren. Eltern und Geschwister, die in solchen Situationen waren, können sich in die Situation wohl gut einfühlen.
„Mirai“ ist ein netter Anime über das Thema Familienzuwachs aus der Sicht des älteren Geschwister. Visuell gelungen, sich fantasievoller Mechaniken zur Reflexion bedienend, mitunter auch anstrengend.