Review

Zum Kotzen!


Bitte diese Worte NICHT als Bewertung des Films auffassen!

Gaspar Noé ´s Filme muss man erstmal im Kopf aushalten und vor ALLEM körperlich. Damit meine ich die Motion Sickness (Reisekrankheit), an der ich seit den 70ern leide, unter Umständen erkennt sich ein Leser wieder. Es ist dieses Unwohlsein, der Schweissausbruch und der Drang Erbrechen zu müssen. Entstanden in den 70ern und 80ern bei Betrachtung der Wackelvideos der Freunde und Nachbarn, die einem ihre stundenlangen Urlaubsvideos reindrücken mussten. Auch das jahrelange Gamen hat Spuren hinterlassen. Dasselbe geschieht nun bei Betrachtung der Filme von Noé. Erklärbar durch die extreme Kameraführung, Kameradrehungen auf den Kopf, Wackeln und Schwenken. 

Natürlich ist das Noés Stilmittel aller seiner Filme, erstmals extrem bei Irreversibel gezeigt. Das starke Wackeln der Kamera symbolisiert und verstärkt die Dramatik der Szenen und wird im Laufe des Filmes immer ruhiger, da dieser Film und seine Handlung ja rückwärts abläuft. Dazu in jedem Film die nervende "Hintergrund-Musik", die sich anhört wie eine Kombination aus Kettensäge und Alarm- bzw. Schiffssirene, andauernd auf- und abschwellend.

Enter the void ist wiederum ein Film wie eine einzige schnittlose Kamerafahrt durch Neonreklamen einer Stadt, die Straßenschluchten, durch die Wände und über kopulierende Körper mit einem Cum-shot am Ende. Und wieder die nervende Hintergrundmusik.

Zu Climax: fußend auf tatsächliche Ereignisse zeigt uns Noé die Geschichte von 21 TänzerInnen, die auf Tournee gehen wollen und eine Generalprobe in einem leeren Schulgebäude abhalten. Es ist Winter 1996. In einer großen Halle wird geprobt und anschließend Party gefeiert. Es wird vorwiegend Sangria gesüffelt und diverse Pulver durch die Nasen gezogen. Irgendjemand veredelt die Sangria klammheimlich mit LSD, worauf im Laufe der Nacht bis auf 2 Personen, die nichts davon trinken, alle anderen vollkommen abdrehen. Und wieder beginnt die Kamera im fortschreitenden Verlauf der dramatischen Ereignisse zu tanzen, sich zu drehen und zu schwenken.... 

Die Musikauswahl beginnt schon beim Eröffnungstanz vom feinsten, alles Kracher der 80er und 90er, Dancefloor, Patrick Hernandez und "Born to be alive" usw. Die meisten Szenen sind per Schulterkamera in einem Take gedreht, es gibt im ganzen Film nur wenige Schnitte. Ein 3minütiges Musikvideo hat davon ungleich mehr.

Der Horrorfaktor wird durch die Farbgebung betont, grün und rot, der Filmfreak erkennt das sofort und erinnert sich an Suspiria. 

Besetzung auch vom feinsten, alles die besten castbaren Tänzerinnen und Tänzer, einzig Sofia Boutella ist uns als Actrice bekannt. 

Ein einigermaßen aushaltbarer Noé, anfangs ein Tanzfilm mit geiler Mukke, gegen Ende zu in realen Horror sich auflösend.

Details
Ähnliche Filme