Review

Satte fünf Jahre war Jodie Foster nicht mehr vor der Kamera tätig, folgerichtig ist anzunehmen, dass ihr die Figur in Drew Pearce Langfilmdebüt sehr zugesagt haben muss.
Wer aufgrund der Prämisse ein Pendant zu „John Wick“ erwartet, dürfte ein wenig enttäuscht werden, denn die reine Action ist allenfalls für zehn Minuten auszumachen.

LA 2028: Agoraphobikerin Jean Thomas (Foster) leitet im Hotel Artemis eine geheime Krankenstation für verletzte Verbrecher, die während ihres Aufenthalts feste Regeln einzuhalten haben: Keine Waffen, keine Gewalt, keine Cops. Als das Hotel mit einigen Gästen gut besucht ist, kündigt sich ein hohes Tier (Jeff Goldblum) an, woraufhin einige Regeln gebrochen werden, die zur Eskalation führen…

Die nicht allzu ferne Zukunft entpuppt sich als reichlich düster. Obgleich nicht viel von der Außenwelt zu sehen ist, herrschen auf den Straßen Unruhen und Aufstände wegen Trinkwasser nehmen drastische Ausmaße an. Abgeschottet hiervon bietet das Interieur eine gelungene Kombination aus Zukunft und Vergangenheit: Während Jean ab und an einen klobigen Walkman bedient und Platten auflegt, fungiert das medizinische Equipment zum Teil selbstständig und diverse Ampullen sorgen dafür, Patienten im Nu zu stabilisieren, bzw. zu narkotisieren. Die Möblierung könnte indes aus den Sechzigern stammen, wogegen zeitgenössische Telefone keine Tastatur mehr benötigen.

Hierher verschlägt es einen Bankräuber (Sterling K. Brown) und seinen angeschlagenen Bruder, eine Profikillerin (Sofia Boutella), einen versnobten Poser (Charlie Day) und eine Figur, welche Jean aus ihrer Vergangenheit kennt und die laut des Regelwerks gar nicht ins Gebäude dürfte.
Leider entwickelt sich nicht allzu viel Dynamik, zumal kurze Streits unpointiert bleiben, obgleich die ganze Zeit eine Eskalation in der Luft hängt. Erst in den letzten zwanzig Minuten wird merklich an der Temposchraube gedreht, es gibt einige kurze Gewalteinlagen und einen knackig inszenierten Fight in einem Flur.

Zudem werden einige Themen lediglich angerissen, um sie kurz darauf zu vernachlässigen. Dadurch erhalten manche Figuren zu wenig Tiefe und auch der anfangs eingestreute Humor wird rarer. Insofern ist man natürlich dankbar für eine Jodie Foster, die in ihrer omaähnlichen Aufmachung einen leicht schrulligen Charme versprüht. Im Zusammenspiel mit Dave Bautista als Helfer ergeben sich ein paar starke Szenen, aber auch der Cameo-Auftritt von Goldblum hat seine Momente. Für Coolness und Eleganz ist indes Sofia Boutella zuständig, die eine latente Überlegenheit ausstrahlt, was sie schließlich gegen Finale unter Beweis stellen kann.

Trotz einiger sehenswerter Darstellerleistungen und der ansprechenden Optik im Zusammenspiel mit einem grundsoliden Score springt der Funke im Hotel nicht so recht über: In vielen Fällen wird drum herum geredet, manches nur vage ausgearbeitet, wobei die Spannung phasenweise ein wenig auf der Strecke bleibt. Insgesamt nicht uninteressant, aber ein paar Minuten mehr hätten womöglich für die notwendige Tiefe gesorgt.
Knapp
6 von 10

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