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Welche Wellen ein Roman wie „50 Shades of Grey“ doch schlägt, wenn er sogar als Aufhänger für eine romantische Beziehungskomödie über vier Damen jenseits der Sechzig verwendet wird. Das Regiedebüt von Bill Holderman kann mit einer absoluten Starbesetzung aufwarten, doch die episodenhafte Erzählweise steht sich dabei oft selbst im Weg.

Vivian (Jane Fonda), Diane (Diane Keaton), Sharon (Candice Bergen) und Carol (Mary Steenburgen) sind gute Freundinnen und seit 40 Jahren durch einen Buchclub miteinander verbunden. Als Vivian „50 Shades of Grey“ in die Runde wirft, scheint dies erlahmt geglaubte Gelüste zu erwecken…

Der besagte Roman wird glücklicherweise eher zur Nebensache abgestempelt und dient als Antrieb für diverse Beziehungskisten. Während Carols Liebesleben mit Bruce (Craig T. Nelson) seit dessen Rente zum Erliegen kam, versucht sich Richterin Sharon bei einem Dating-Portal, was im ersten Drittel einige Schmunzler generieren kann. Ein wenig ernster geht es bei Diane zu, deren Töchter ihre Frau Mama am liebsten gar nicht mehr aus den Augen lassen wollen, während diese Bekanntschaft mit dem Piloten Mitchell (Andy Garcia) macht. Ein wenig melancholisch mutet indes das Verhältnis zwischen Vivian und ihrem ehemaligen Typen Arthur (Don Johnson) an, denn beide schwelgen häufig in Erinnerungen und weisen auf Zeichen der Vergänglichkeit hin.

Die Spielfreude der altehrwürdigen Damen hält das an sich harmlose Treiben weitgehend zusammen, wobei ihnen die männlichen Pendants mindestens ebenbürtig sind. Zwar wird mit einigen Metaphern in Richtung Sex jongliert und nicht immer trifft der Wortwitz, doch sobald ein wenig Selbstironie hinsichtlich des gehobenen Alters ins Spiel kommt („Wann hattest du zuletzt ein Date?“ - „Da war Nixon noch Präsident“) kommt ein wenig Schwung in die ansonsten ein wenig angestaubte Bude.

Wobei angestaubt eher die Story betrifft, nicht das Drumherum. Denn hier scheinen sich ausschließlich die oberen Zehntausend zu tummeln, nebst Luxus-Villen oder einer prächtigen Ranch. Selbst Polizisten haben nichts besseres zu tun, als besorgte Angehörige zu chauffieren, was unterm Strich an heile und naive Filmwelten der 50er erinnert. Zudem ist der Konsum von Alkohol zu nahezu jeder Gelegenheit durchaus auffällig.

Ansonsten überrascht der seichte Stoff zu keiner Zeit. In der ersten Hälfte dominieren noch Witz und ein wenig Tempo, was in der zweiten ein wenig verloren geht, zumal für jede des Quartetts eine gütige Lösung gefunden werden muss. Viel Abwechslung liefert das nicht und den abgestandenen Viagra-Witz hätte es auch nicht gebraucht, doch aufgrund der Vielzahl engagiert auftretender Mimen langt es für lockere Berieselung an einem trüben Sonntagnachmittag.
5,5 von 10

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