Review
von Con Trai
"This place looks like a war zone."
"Wait til you see the inside."
Auf seine Art und Weise und neben der noch enger aufgestellten und noch weiter ragenden Sniper - Reihe die momentan (noch) mit treueste Actionfranchise gerade im DtV und VoD-Bereich, ausgehend in beiden Fällen auch von einem Kinofilm, der schon zur Entstehungszeit eher wie zufällig auf der großen Leinwand zugehörig und vermehrt wie als damals teures Videothekenprodukt erschien. Hierbei wird seit der Folge The Marine 3: Homefront (2013) der Hauptdarsteller und damit auch seine Figur behalten und die weitere Karriere nach der Laufbahn als The Marine sowie die Probleme in der Gegenwart mit ganz unterschiedlichen Gestalten der Marke Feindbild und ausgehend von einer jeweils anderen Setzung in Beruf und Berufung erzählt; zudem ist das produzierende WWE Studios immer noch dasselbe wie einst, und wird jetzt mit dem Engländer James Nunn nach seinem The Marine 5: Battleground (2017) auch noch (erstmals) derselbe Regisseur justiert. Und wenn man das so sagen will, bleibt auch die Qualität recht beständig und tatsächlich qualitativ solide und die (geringe, aber wohl angesichts auch des überschaubaren Budgets ausreichende) Zahl der Leih- oder gar Kaufkundschaft gleich mit.
Die gute Nachricht ist sowieso, dass man sich bei den bisher gewählten Filmemachern der Reihe wie bspw. Kaufman, Wiper, Reiné auf vergleichsweise gestandene Leute verlassen hat und das Schicksal der 'Saga' nicht in xbeliebige Hände gelegt; der zuletzt gewählte Nunn als auch zumindest ein Mann mit dem Blick für grobe Details und das Erzeugen von dynamisch-ruppiger Bewegung und die Aktion nicht nur für sich selbststehend, sondern auch mit geringfügig Spannungsmomenten und Thrills:
Um einen alten Kameraden, den nunmehr für eine Soldaten und Veteranen Stiftung tätigen Luke Trapper [ Shawn Michaels ] bei einem Auftrag zu unterstützen, begibt sich der ehemalige Marine Jake Carter [ Mike Mizanin ] sich zusammen mit diesem und einem Hausverwalter zu einer stillgelegten Fabrik vor den Toren der Stadt, wo neben weiteren Obdachlosen auch noch der gediente Tommy Walker [ Tim Woodward ] leben und eigentlich nach dem Willen der Obrigkeit ausziehen soll. Dort angekommen treffen sie nicht nur auf den sich recht wenig von dem Besuch begeisterten Walker als auch auf die entführte Sarah Dillon [ Louisa Connolly-Burnham ], deren Vater Patrick Dillon [ Alec Newman ] bei einem aktuellen Geschworenenprozess für "Nicht schuldig" stimmen und so mit der Freigabe seiner Tochter erpresst werden soll. Zwar gelingt es den beiden Marines, das Mädchen zu befreien, sind fortan aber die Kidnapper um Maddy Hayes [ Rebecca Quin ] und Shawn Taylor [ Terence Maynard ] hinter den Flüchtigen her und verriegeln das Gebäude.
"Keep your head down and keep swinging."
"Wait. We can't just go charging out there like Leeroy Jenkins. We need a plan."
"Leeroy who?"
"1t doesn't matter...If they know where we are, they'll be waiting for us."
"Then we'll just go through them."
"I'm sure you're probably like the baddest guys at the bar and all...But they have guns. We have a hammer."
Ähnlich wie beim Vorgänger muss auch hier erstmal (kurz) erzählt werden, wie man in die missliche Lage kommt, und ähnlich wie auch dort wird hier das Katz-und-Mausspiel einer Belagerung anvisiert, wozu auch noch ein wenig Mehr als nur die reine Aktion und auch etwas Taktik und narratives System mit Interesse zumindest für eine der Parteien gehört. Idealerweise für den Zuschauer ist diesmal der Schauplatz nicht bloß ein dunkles Parkhaus, dass mit seinen ewiggleichen düsteren Gängen relativ langweilig als Schwerpunkt der Handlung, aber natürlich ebenso wie das abbruchreife Gebäude hier vollkommen genreaffin für einen sichtlich preisgünstigen Vertreter der alten Actionschule und wie das Überbleibsel von solch Geschichten wie Trespass (1992), Judgement Night (1993) und Co. aussieht.
Zur falschen Zeit am falschen Ort also, erneut von jetzt auf gleich in eine missliche Lage geraten, wo man unbewaffnet einer Überzahl an Gegner und dies mit aller Art von Unterstützung ausgestattet gegenübersteht; in einem perfekt für derlei Zwecke perfekt gearteten Zweckbau, welcher längst zur gammeligen Ruine verwandelt und nur ein Schandmal der Zivilisation und der Überflussgesellschaft da draußen, als längst stillgelegtes Wrack einer einstmals blühenden Industrie und als Torso aus Schutt und Müll und Stein über ist. "Oregon Lake Brewery" steht in einstmals stolzen, nun verblassenden Lettern auf dem verzweigten und großgeratenen, oftmals von epischen Dronenaufnahmen umflogenen Trümmerbruchstück, draußen ist bloß noch die kalte See und das Wetter, während drinnen neben den vorhandenen und den zusätzlich als Verstärkung herangekarrten waffenstarrenden Feinden noch ein putziger Waschbär auf Fresssuche, ein alter 'Gammler' im useligen Armyjacket und mit Amerikaflagge an der Wand und dem Gewehr stets im Anschlag ("People died for that flag.") und sichtlich noch ein Haufen Kakerlaken ebenfalls zum Hausen und Schmausen anwesend sind.
Angenehmerweise sind neben dem alten Kriegstreiber, der den Schuss nicht gehört hat, weggeworfene Militärmemorabilia sammelt und noch seinen Fronteinsätzen von Anno Tuck nachtrauert zumindest der Rest der Gejagten relativ sympathisch und sowohl Mizanin, der mittlerweile auch Übung darin hat und vergleichsweise als Darsteller überzeugt als auch Neuzugang Shawn Michaels als Helden wider Willen so schlecht gar nicht; selbst einige eingestreute Klamaukverbalien und anderes 'goofiges' Verhalten der zwei Hanseln funktionieren und die Chemie zwischen den beiden ist nachhaltig und dies vor allem angesichts eines abrupt emotionalen Endes positiv belegt. Viel Radau gibt’s natürlich nicht, dafür ist das Budget (ein kleiner einstelliger Millionenbetrag, keine 2 Mio. USD) der im Winter 2017 um London und u.a. im Kreide- und Feuersteinbergwerk Chislehurst gedrehten Produktion nicht vorhanden und muss man sich oftmals mit Prügeleien aus der Wrestlingsbude begnügen, die trotz dem Choreographen Tim Man jetzt weder sonderlich akrobatisch noch anderweitig einfallsreich, aber den körperlichen Attributen der beiden Protagonisten mit ihren Ellenbogenstößen und Faustschwinger direkt aus der Mucki- und Türsteherbude angedient sind. Ab und an sprechen die Feuerwaffen, darunter ein derber Brustschuss gleich zu Beginn und ein 'ausgedehnter' Schusswechsel im schmuddeligen Hinterhof, der auch noch mit der Explosion einer Gasflasche etwas aufgeräumt wird und durch die flammende Detonation auf Vordermann getrimmt.