Review
von Leimbacher-Mario
Eher Bonusmaterial für die nächste "Exorcist"-Blu-ray...
William Friedkin hat mit seinem "The Exorcist" vor über 40 Jahren einen der unsterblichen Horrorfilme auf die Welt gebracht. Nahezu perfekt ist dieser auf ewig in mein Gedächtnis und meine Bestenlisten eingebrannt. Nun, nach fast einem halben Jahrhundert, schickt er mit der (Semi-)Doku "The Devil and Father Amorth" eine Nachgeburt hinterher, die das Thema realistischer und nahbarer aufgreift, ein paar nette Ansätze zum Thema Besessenheit anschneidet, insgesamt jedoch höchstens für Hardcore-Fans des Regisseurs oder des Gruselmeilensteins zu empfehlen ist. Und selbst für die nur mit Einschränkungen... Zuerst verliert Friedkin ein paar Worte über die Inspiration zu seinem dämonischen Klassiker, um dann den Bogen ins heute und zu einem echten Exorzismus zu schlagen, dem er exklusiv und einmalig mit einer einfachen Handkamera in Italien beiwohnen durfte und den er dann im Anschluss mit Psychologen, Ärzten und Geistlichen bespricht und einordnet... Da William Friedkin mit "Der Exorzist" etwas derart Großes geschaffen hat und ihn das Thema scheinbar nicht loslässt, darf er einen "Film" wie "The Devil and Father Amorth" nachschieben. Doch für mich bringt er damit weder Neues an den Tisch noch hielt er mich sonderlich bei Laune geschweige denn bei Ängsten.
Da echte Exorzismen, vor allem mit hochrangigen Vertretern der christlichen Kirche, selten bis nie gefilmt werden dürfen, ist das Material schon bemerkenswert. Nicht super spektakulär oder brisant, aber dennoch sehenswert. Der Glauben, der Priester, die verzerrte Stimme, die Aussagen, die Kraft, die Galligkeit, die religiösen Leute drumherum, die Erklärungen - alles schön und gut. Nur leider super vage. Das ist verständlich, da nunmal Vieles kaum bis gar nicht von der aktuellen Wissenschaft erklärbar ist, da sich jeder seine eigenen Gedanken zu diesem scheinbaren Eindringen des Bösen in eine arme Frau machen kann. Auf mich wirkt das Ganze dennoch leider wie ein hingeworfener Brainstorming-Brocken, ein Anreiz, ein Subplot. Bonusmaterial - kein bißchen mehr. Etwas, für das ich kein Geld bezahlen würde. Etwas für YouTube, Netflix oder die nächste 4K-Blu-ray von Regans Kotzorgie. Zu mehr fehlte der Mut, das Material, das Wissen und ein klarer Standpunkt. Vater Amorth war/ist jedenfalls eine faszinierende Persönlichkeit, von dem ich gerne mehr gesehen hätte. In wieweit jedoch die Echtheit des Materials bezweifelt werden kann, vor allem Friedkins Nachschlag und Nachtreffen mit der Betroffenen in einer abgelegenen Kirche, ist wiederum eine ganz andere Sache...
Fazit: interessant schon, zum Glück nicht sehr lang, als Ergänzung zu Friedkins Meisterwerk sicher okay - aber für sich genommen dann doch zäh, uninspiriert und wabbelig. Eher eine nicht sehr ergiebige Fingerübung und ein Nachgedanke. Friedkin darf das. Das Thema hätte jedoch mehr verdient. Aber vielleicht ist dafür noch nicht die Zeit.