Review

Der Dschungel ist lebendig

Die neue Version ihres Dschungelbuchs von Disney fand ich vor zwei Jahren erstaunlich gut und schön schattiert. Doch gegen Andy Serkis' "Mowgli", seit letzter Woche exklusiv auf Netflix, wirkt das nun wie ein Kindergeburtstag mit Erwachsenenaufsicht. Ich war sehr skeptisch, da es so kurz nach dem opulenten Remake eigentlich nicht noch eine Interpretation der altbekannten Geschichte bedurfte, doch Serkis hat mich spektakulär eines Besseren belehrt. Welche der beiden Version letztendlich die Bessere ist, ist eine knappe Sache, sehr subjektiv, doch ich könnte genug Argumente für diese düstere Reise durch den Dschungel finden. Die Effekte sind zwar nicht ganz auf Disneyniveau, doch dafür macht das starke Motion Capture einiges wieder gut. Etwas anderes hätte man von Andy "Gollum" Serkis aber auch nicht erwartet...

"Mowgli" bleibt seinem titelgebenden Menschenjungen dicht auf den Versen und wir folgen dem Wolfsmenschen auf seiner brutalen Tour durch den dichten, menschenfeindlichen Urwald. Dabei treffen wir bekannte Namen wie Baghira, Balu oder Shere Khan, doch auf wesentlich furchterregendere Weise, als man erwartet... "Mowgli" ist kein Film für die Kleinen, kein klassischer Familienfilm für die Weihnachtszeit beispielsweise. Es ist eher eine reife Fabel über die Gesetze des Dschungels, wie etwa das Recht des Stärkeren oder das Recht zu Jagen. Serkis hat einige große Namen für seine blutrünstige Dschungelbande auftreiben können und von Cumberbatch bis Blanchett liefern alle den Erwartungen entsprechend ab. Der kleine Rohan Chand bekommt durchgehend tatkräftige Unterstützung, sodass seine schmalen Schultern nicht alles alleine tragen müssen. Beeindruckend ist seine Leistung aber dennoch. Ebenso wie die majestätischen Landschaften und einige wirklich alptraumhafte Sequenzen, wie etwa die Affenhöhle oder das Schicksal von Moglis bestem Wolfsfreund. Das ist kurz gesagt grausam und wenn das U10er sehen, dann ist mindestens das Wochenende gelaufen. Erwachsene kommen durch diese mutige Herangehensweise aber nur noch mehr auf ihre Kosten. Serkis Interpretation ist wesentlich näher am Original bzw. Buch und hat absolut ihre Daseinsberechtigung.

Fazit: probier's mal mit was Grausamkeit - das Dschungelalptraumbuch. Erwachsen, düster, brutal wie die Natur und Tierwelt. Disneyland ist das hier nicht!

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