Besessenheit durch Dämonen und dazugehörige Exorzismen sind immer wieder gern verwendete Motive. Da können ambitionierte Jungfilmer auf Effekte wie Stimmenverzerrer und bunte Kontaktlinsen zurückgreifen und bestenfalls verbiegen sich Körper und Gegenstände fliegen durch die Gegend. Für Autor und Regisseur Paul Chau reicht es hingegen nur für eine Dämonenmaske aus dem Fundus von „Hellboy“.
Rob und Susan ziehen mit Tochter Megan in ein neues Heim, als sich Megans Alpträume mehren. Als sie kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag zur Apathie neigt, melden sich zwei Experten fürs Paranormale: Sie glauben, dass Megan bald vom Dämon Abyzou besessen sein wird und es bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Geburtstag…
Chaus Drehbuch schafft es, eine von drei Hauptfiguren als komplett unsympathisch zu verkaufen, da Mom Susan in einer Tour zickt und an allem etwas zu meckern hat. Megan erscheint ausschließlich passiv und ist einem folgerichtig komplett egal, lediglich Dad Rob ist ums Wohl der Familie bemüht, was aber nur leidlich fruchtet. Des Weiteren sind ein Priester und zwei Medien involviert, doch die folgen allenfalls den üblichen Abläufen mit Kreuzen und Weihwasser, wobei sie im letzten Drittel kollektiv auf dem Schlauch stehen.
Was auch nicht so richtig funktioniert, ist die Ausleuchtung. Nächtliche Szenen, von denen es recht viele gibt, können im Keller, Schlafzimmer, Wohnzimmer oder Wald stattfinden, - zuweilen kann man allenfalls erahnen, wer da mit wem und wohin. Auch nicht super sind die Spezialeffekte, denn diese bestehen aus Stimmen mit Hall und einer Art Troll an der Decke, welcher jedoch nur zweimal kurz zu sehen ist. Der ab Mitte auftauchende Dämon mit Latexmaske und Stachelschweinstacheln auf dem Rücken macht auch nicht viel her und so quält man sich durch ein willkürliches Treiben ohne einen spannenden Moment, jedoch vielen stumpfsinnigen Dialogen.
Mit deutlicher Anlehnung an „Paranormal Activity“ wird ab und an die Sichtweise von sechs Überwachungskameras hinzugefügt, doch anstatt auf Überraschungsmomente und unerwartete Verhaltensweisen, stößt man bei den Sichtungen auf Schwarzweißstreifen und schwarze Monitore, was den Einsatz dieses Stilmittels mehr als infrage stellt.
Einzig der abwechslungsreiche Score, der ein wenig an Carpenter orientiert ist, jedoch aus der Retorte zu stammen scheint, bildet einen minimalen Lichtblick. Doch dieser wird von nahezu talentfreien Mimen, einer schwachen Kamera und der überaus kargen Ausstattung rasch neutralisiert.
Zwar ist das Treiben nach knapp 78 Minuten bereits beendet, doch viel weniger konnte man aus der Prämisse nicht machen. Inszenatorisches Anfängerniveau trifft auf eine kaum ausgearbeitete Geschichte, die im letzten Drittel immer beliebiger wird und folgerichtig ohne runden Abschluss mehr oder weniger mittendrin endet.
Selbst bei sehr geringer Erwartungshaltung werden nicht einmal die Mindestanforderungen erfüllt.
2 von 10