Review

Schon vom Titel und der Erscheinung des Hauptdarstellers ersichtlich eine auch vom Regisseur Rene Perez ausdrücklich gewünschte 'Fortführung' der Death Wish - Idee, und zusätzlich eine vermeintliche Hommage an Cannon Films; wobei der Fehler in der Denkweise nicht nur bei der gänzlich unterschiedlichen Ära der Herkunft, sondern auch den Verhaltensweisen von Original und den Fortsetzungen und bei dem Unterschied darin liegt, dass der Beginn der Reihe gar nicht von Golan & Globus, sondern von Dino De Laurentiis Company produziert worden ist:

Der sich verschwiegen gebende Einzelgänger K. (= wie Kersey; Nachtigall, ik hör dir trappsen!, verkörpert von Robert 'Bronzi' Kovacs) kommt in eine namenlose Großstadt, um dort mal ordentlich mit dem Gesindel auf den Straßen aufzuräumen. Moderiert wird er dabei von dem beim "Justice Radio" tätigen Dan Forthright [ Daniel Baldwin, der sich das Weiße ins Auge spielt ], und als einziger Kontakt zur Außenwelt ist noch die junge alleinerziehende Mutter Ana [ geht in Ordnung: Eva Hamilton ], die ihre von der Hüfte abwärts gelähmte kleine Tochter unterstützt, und zu dessen Hilfe sie regelmäßig Päckchen mit Geldnoten in den Briefkasten erhält. Abgesehen hat es K., der es mit dem Gesetz nicht so genau nimmt und mit der Wahl der Mittel und der Verhältnismäßigkeit auch nicht, vor allem auf den Drogendealer Tyrell [ Richard Tyson ], was dieser und die kleine Drei-Mann-Gang bald empfindlich verspürt.

"Justice has a familiar face." [Tagline]
"Just some nutjob." [Filmzitat]

Damals ein veritabler Kinohit, der von den Zuschauern gemocht wurde und ihnen aus dem Herzen sprach, eine Romanverfilmung, die den Geist der Stunde traf und die Ängste, die Wut, die Verzweiflung des Publikums katalysierte und möglicherweise auch eine Rachefantasie, die sich allerdings erst in den weiteren Erzählungen um Paul Kersey herauskristallisierte. Und damals auch das Vorbild für allerlei weitere Nachzügler, teilweise auch mehr oder minder prominent mit Yul Brynner (in seinem Death Rage), George C. Scott, George Kennedy be- und mehr oder minder nah an Death Wish selber orientiert und gesetzt. Was danach noch kam, war Bahnhofskino und 'Videothekenfutter', ist das Thema der Vengeance bis heute populär und schlechterdings für die Käuferschar attraktiv, und was danach noch kam ist die nächste Romanbearbeitung vom Death Sentence, die zwar formell und materiell vieles richtig mache, aber seltsam übersehen ist. Und eine Neuverfilmung, die sich weder richtig am Roman noch an der Ursprungsadaption orientiert und sowieso nicht richtig Fisch noch Fleisch, sondern seltsam Larifari in allen Belangen ist, und als gediegenes Nichts mit ein paar Actionszenen und einem ehemaligen Hollywoodstar in der Hauptrolle überbleibt.

Death Kiss selber hat von vornherein leichtere Karten und die bessere 'Publicity', wird im Grunde hiervon wenig bis nichts erwartet und ist man sowieso und das bestenfalls als Art Travestie mit dem Vorhandensein eines Bronson - lookalikes in die Aufmerksamkeit des dann auch noch klein bleibenden Publikums gelangt; und man muss es auch sagen, dass abseits der Schändung des Namens und der Ähnlichkeit im Gesicht, des Antlitz des Todes quasi, der echte und 2003 verstorbene Schauspieler selbst in seinen schlechteren Zeiten mehr Würde verströmt hat als hier bei sämtlichen Beteiligten zusammen im Ansatz zugegen ist, und in seiner gesamten (durchwachsenen) Filmographie nie so nahe an die Art Jauchegrube und den Rechten Flügel - Bodensatz gerückt ist, die diese Produktion hier phasenweise von sich gibt.

Positiv zu erwähnen ist alleinig das sicherlich auf den ersten Blick gelungene Doppelgängertum vom gebürtigen Ungarn und später als Stuntman in Spanien tätigen Kovacs – (der allerdings nicht laufen kann, nicht schauspielern und auch nicht normal reden, sodass jeder dramaturgisch gewollte und sich um Emotionalität bemühte Ansatz daneben geht) – , womit auch schon der Daseinsgrund für die Herstellung und das Interesse im Marketing erfüllt ist, auch hat die Kamera zwischendurch mal einige Ideen (bei der Verfolgungsjagd zweier Schützen über einen Schrottplatz bspw.) und das Skript selber einen normalerweise verschwiegenen oder übertünchten Ansatz vom Vigilantismus, der hier voll entfaltet wird und dem gesamten Projekt auch seinen zwischenzeitlich arg unangenehmen, aber auch eher neuen Beigeschmack gibt. Gedreht mit sichtlich niederen, angesichts dessen soweit ordentlich genutzten Budget (bestenfalls eine kleine sechsstellige Zahl) bei Happy Valley, Shasta County, California und dem Verwaltungssitz Redding, was zu einigen besseren (winterlichen) Naturaufnahmen des ansonsten vorhandenen White Trash Setting mit ansonsten ordentlich Schmuddelkram führt, von einem immerhin engagierten und auch komplett in Personalunion (Musik, Kamera, Drehbuch) auftretenden Filmemacher, der verstärkt vom Horrorgenre kommt und bis dato im Grunde unter Ausschluss der Öffentlichkeit, für die ganz Hartgesottenen und die nach Kleinkunstwerken mit viel Blut und Geschmadder Ausschau Haltenden inszeniert, sich hier erstmals im Action- und damit verbundenen Gewaltmilieu austobt und die ganz große reaktionäre Keule mit viel Ketchup bei den Einschussszenen schwingt.

Immerhin macht man keine falschen Versprechungen und keine lange Vorrede, wird schon in der misogynen Eröffnungsszene der erste wehrlose Perverse vom "Crazy maniac with a mustache" mit einem saftigen Bauchschuss und dies auch vor den Augen eines kleinen Mädchens niedergestreckt, und ein zuvor Gefesselter von hinten ebenfalls ins Jenseits geschickt. Keine Gefangenen gemacht also, egal welches Verbrechen man begangen hat und was als etwaiges Motiv oder Hintergrund der Tat besteht, später wird gar noch jemand zum Morden eines ebenfalls Wehrlosen und sich bereits Ergebenden gezwungen, wobei die 'Täterin', ein frisches Vergewaltigungsopfer auch noch, sich sichtlich dagegen und ihren 'Retter' wehrt, und das nur, damit die eigentliche Zeugin nicht aussagen kann und man weiterhin der einsame 'Held' der Straße und der Albtraum mit der Agenda Selbstjustiz ist. Die Toten werden auch noch beklaut, was den eigenen Aussagen vom "doing God's work" doch ein klein wenig widerspricht, und mit dem Blutgeld das eigene Gewissen reingewaschen und unterdrückt; ein Suhlen im Dreck und im Siff, was mit teils rassistisch angehauchten Tiraden des Radiomoderators (über das seinerseits gewünschte Erlauben von Racial Profiling, die Befürwortung der Todesstrafe, falsche Prioriätensetzung von Polizei, Justizsystem und Politik, die Laissez-faire Haltung von Demokratie, Soziologie und Liberalismus usw. usf.) noch ausdrücklich verbalisiert wird und in vielerlei Unrat mit deftigen Blutfontänen geschmückt.

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