Review

kurz angerissen*

Während Hollywood Pläne zur digitalen Wiederauferstehung toter Schauspieler hegt und damit ethische Debatten entfacht, kommt einer stilecht in Fleisch und Blut zurück: Charles Bronson. Der Fremde aus dem Nirgendwo, einer wie jeder andere und doch ein unverwechselbares Unikat. Robert Bronzi dient dem 2003 verstorbenen Charisma-Bolzen als Reinkarnationsgefäß und wird in ein schmieriges C-Movie wiedergeboren, das sich an alle Regeln hält, die Bronson zu seiner Zeit aufstellte. Es wird geschossen, bevor gefragt wird. Es wird ausschließlich nach eigenen Regeln gespielt. Und es wird vor allem keine Miene verzogen.

Es gibt Einstellungen in "Death Kiss", da ist die Ähnlichkeit verblüffend. Wenn Bronzi in Cowboy-Pose dasteht, das dünne T-Shirt eng an dem sehnigen, faltigen Körper flatternd und dünne Schlitze über einer Knollennase mit markantem Schnauzbart in die kalte Sonne starrend, dann reicht es zumindest zum täuschend echten Abziehbild Bronsons. In anderen Momenten erkennt man ohne jeden Zweifel, dass es sich um eine Fälschung handelt, gerade weil der finale Schliff in Gestik und Mimik einfach nicht zu imitieren ist. Doch wer echtes Leder in einer Welt ohne Rindvieh nur von vergilbten Fotos kennt, der trägt eben auch mit Freuden synthetischen Ersatz auf und stellt sich vor, er lebt in alten Zeiten.

Mit der Besetzung der Hauptrolle endet allerdings auch der Gimmick-Faktor und damit der minimale Reiz einer ansonsten dilettantisch angefertigten Vigilanten-Thriller-Kopie, die vollständig um ihren kleinen Coup herum aufgebaut ist. Der hässliche blaue Digitalstich macht es unnötig schwer, sich "Death Kiss" als Vertreter der alten Schule vorzustellen. Die digitalen Splatter-Elemente von Kugeln beim Eintritt in diverse Körperteile sorgen nicht nur für eine krankhafte Überakzentuierung der gesunden Härte, die in den Originalen zum Zug kam; sie geben dem Endresultat außerdem einen billigen Anstrich. Selbst die Entwicklungen im Drehbuch verheddern sich in sinnlosen Wiederholungen; wenn Bronzi zum dritten Mal mit einem gegrummelten "Ich sollte jetzt gehen" das Signal für eine Plotwende gibt, klingt er bald wie die Vorstufe zum Schwarzenegger-Imitator, dem mal wieder ein "I'll be back" herausrutscht. Die Beziehung des Selbstjustizlers zur alleinerziehenden Milf (Eva Hamilton) erzeugt eine Stimmung, die ähnlich seltsam ist wie Steven Seagal in seinen neuesten Krachern beim Turteln mit seinen weiblichen Co-Stars im Töchterlein-Alter zuzusehen. Daniel Baldwin soll in einem Nebenstrang als Radiomoderator die einzelnen Kapitel strukturieren, verzapft aber lediglich ambitionierten Blödsinn, der zu einem wortkargen Scharmützel nicht besonders gut passt.

Zurück bleibt immerhin die Freude, dass sich kleine Produktionen momentan noch keine digitalen Darsteller leisten können. So taugt "Death Kiss" dank Robert Bronzi wenigstens für eine parodistische Aufbereitung 40 Jahre alter Selbstjustizreißer, auch wenn die Umsetzung zu wünschen übrig lässt. Wehe aber, die digitalen Effekte werden günstiger und die Rechte an den Verstorbenen werden zum Public Domain... dann braucht es keinen Bronzi mehr.



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