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Es gibt nicht viel Gutes im Leben von Roy (Ben Foster) - nach Drogendeals, Mord und Gefängnisaufenthalt ist der mittlerweile breitschultrige und tätowierte 40jährige in New Orleans als Enforcer für einen Mafioso tätig. Als der ihn mal wieder zu einem Coup schickt (ausdrücklich "ohne Waffen") stellt sich dieser Auftrag als Falle heraus: Roy soll nämlich selbst entsorgt werden. Da er aber entgegen dem Gebot dennoch eine Waffe bei sich trägt, kann er diesem Himmelfahrtskommando gerade noch entkommen - mitsamt einer unbeteiligten Geisel (Elle Fanning als Rocky) muß er eilends fliehen, soweit weg wie möglich. Nachdem man unterwegs noch Rockys dreijährige Schwester bei deren Stiefvater abgeholt hat, versteckt sich das ungleiche Duo in einer kleinen Ferienanlage bei Galveston nahe der Küste, wo Roy auch ursprünglich aufwuchs. Lange hält es die quirlige, aus irgendeinem Provinzkaff in Texas stammende Rocky jedoch nicht bei dem wortkargen Roy, der an einer schweren Lungenerkrankung zu leiden scheint, aus - immer wieder versucht sie als Prostituierte Geld zu verdienen und läßt das kleine Kind tagsüber bei freundlichen Nachbarn der Wohnanlage. Solcherlei Aufmerksamkeit in Form neugieriger nachbarlicher Nachfragen kann Roy eigentlich überhaupt nicht brauchen, dennoch entwickelt er eine rein platonische Zuneigung zu den beiden jungen Damen. In Erwartung seines baldigen Todes beschließt er, seinen ehemaligen Boss mit kompromittierenden Papieren zu erpressen, um mit dem Geld noch einmal etwas Gutes zu tun. Aber dann kommt alles anders als geplant...

Ein bißchen Film Noir, ein bißchen "Pulp Fiction" - mit dem nach einer Buchvorlage von Nic Pizzolatto in Georgia gedrehten Drama Galveston - Die Hölle ist ein Paradies ist der jungen französischen Regisseurin Mélanie Laurent eine eindrucksvolle Darstellung von Menschen auf der Verlierer-Strasse gelungen: In meist düster-melancholischen Bildern entwirft sie Szenarien zwischen Hinterhof-Werkstätten und billigem Ferien-Motel, in dem die Protagonisten, die ständig auf der Flucht bzw. aus Furcht vor Entdeckung der zeitweiligen trügerischen Ruhe nicht recht trauen können. Kontrapunktisch dazu stehen einige Szenen am sonnigen Strand, wenn vor allem die beiden jungen Damen in ihrer Unbekümmertheit dem stets griesgrämig dreinblickenden Roy so etwas wie Hoffnung vermitteln. Verschüttet geglaubte Menschlichkeit wird mit zunehmender Dauer des in langsamem Erzähltempo dargebotenen Plots immer wichtiger - das Drehbuch verzichtet auch auf allzuviel Action, wie überhaupt die "berufliche Tätigkeit" der beiden Protagonisten eher eine untergeordnete Rolle einnimmt. Speziell das eher überraschende Ende rundet die insgesamt anrührende, aber nie kitschige Story fast perfekt ab.

Hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Ben Foster, der hier den gebrochenen Helden spielt - ohne viele Worte zu verlieren glaubt er an sein Ziel, scheitert auch manchmal zwischendurch und baut mit seiner zurückhaltenden Art schnell Sympathie auf; auch Elle Fanning als 19jährige Dorfschönheit ohne jegliche Lebenserfahrung vermag auf ganzer Linie zu überzeugen - eindrucksvoll, wenn die meist kontaktfreudige und lebenslustige, streckenweise exaltiert auftretende Frau in stillen Stunden ihren Idealismus in Frage gestellt sieht und schluchzend die Realität erkennen muß.
Eine tadellose Kameraarbeit und ein fein ausgewählter Score, variierend von beschwingten Tanzliedern in einer Bar bis hin zu Heavy-Metal-Klängen, wenn es zur Sache geht, runden dieses sehenswerte Drama ab. 8,6 Punkte.

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