Review

Schizopolis -

ein Film, wie er in keinem Buche steht.
Man erhält die Warnung gleich zu Beginn. Falls man den Film nicht verstehe, ist es nicht die Schuld des Filmemachers, sondern seine ganz persönliche und man müsse ihn halt immer und immer wieder ansehen, bis alles zusammenpasst.
Ist hier jemand im Raum, der von sich behaupten kann, den Klassiker "Der Sinn des Lebens" verstanden zu haben ?
David Lynch-Knobel-Spezialisten anwesend ? Und was hat Woody Allen mit all dem zu tun ?
Vielleicht sind das ja die Fragestellungen, unter denen man mal einen Blick in dieses doch recht unkonventionelle Werk riskieren sollte. Und vom Namen Soderbergh nicht verunsichern lassen. Er spielt die Hauptrolle, hat das Script geschrieben.
1996 scheint er noch ein echt cooler Typ gewesen zu sein. Es gibt da diese eine Szene in der Unternehmenstoilette, da dachte ich kurz: Ein Traum wird wahr...

So, worum gehts ?
Im Prinzip um einen Typen, Fletcher Munson, der von seinem Chef die Aufgabe zugeteilt bekommt, eine Rede für einen Heilslehren -Guru, T. Azimuth Schwitters, zu schreiben. Der Kollege, der sich vor ihm an der Rede versuchte, Lester, ist kurzfristig an einem Herzinfarkt gestorben.
Es gibt da allerdings diesen zweiten Handlungsstrang mit dem Kammerjäger:
Der nämlich hat mit allen seinen Vorstadt-Hausfrauen, die er besucht, eine Affäre.
So, jetzt wirds Independent: Soderbergh hat sich für die erotischen Zwiegespräche der Beteiligten eine Geheimsprache überlegt (wie das im deutschen umzusetzen sein soll, ist mir ein Rätsel), die anscheinend nur über den Tonfall, Mimik und Gestik die Aussage impliziert, obwohl einzelne Worte im Verlauf immer wiederkehren.
Sehr strange das Ganze. Überhaupt, Sprachexperimente scheinen es Mr. Soderbergh angetan zu haben.
Wenn er später (wo ganze Szenenfolgen plötzlich aus der Sicht der Frau [hä, welche Frau ?] nochmal aufgegriffen und irgendwie "ergänzt" werden) die Männer (oh ja ! ich hatte vergessen zu sagen, dass Soderbergh in einer Doppelrolle spielt) wahlweise von japanischen, italienischen oder französischen Synchronsprechern nachvertonen lässt, kommt das so lächerlich und stümperhaft daher, dass man denken könnte, der Regisseur leiste sich einen kleinen Seitenhieb auf das ausländische Kino und das Bemühen, Sprachbarrieren zu durchbrechen. Eine Interpretation. Und auch nur eine der unzähligen skurrilen Einfälle, die einen während des Films erwarten.

Weiter im Script:
Es gibt einen Maulwurf und einen Spion im Unternehmen (vielleicht ist der Spion auch der Maulwurf ?), die Ehe Fletchers ist mehr als nur gefühlserkältet und zwischenzeitlich entscheidet sich auch noch ein Pärchen von Scriptwritern, Elmo, dem Kammerjäger, mehr individuelle Befugnis über die Charakterzeichnung seiner Figur im Film zu verleihen.
Man merkt, die Situation spitzt sich zu.

Soderbergh hat seinen Film in 3 Teile aufgeteilt, blablabla...
Genug Stoff, um etliche Diskussionsforen zu füllen. Aber weitaus wesentlicher sind doch die aberwitzigen Ideen, die hier auf so intelligente Art und Weise aufgefahren werden, dass man als Zuschauer einfach dranbleibt.
Es werden Verbindungen zu Handlungssträngen geknüpft, wo keine sind. Der Zuschauer wird eingelullt in dem Glauben, das Puzzlespiel zu knacken, wenn er nur aufmerksam ist und zwischendurch passieren die skurrilsten Dinge.
Wie gut hier das Drehbuch sein muß, damit während des Drehs nicht alles aus dem Ruder läuft ?
Vielleicht passt ja im Film auch alles zusammen. Ich hab ihn erst 2 Mal gesehen und will es Soderbergh keinesfalls absprechen.
Sinn macht auf jeden Fall die zynisch-lächerliche Grundstimmung, die den Film durchzieht, was mit der depressiv-neurotischen Beschaffenheit der Figuren einher geht. Und irgendwie ist es auch ein Liebesfilm, hätte ich doch nur besser aufgepasst.

So anarchistisch war schon lange kein Film mehr und ich kann ihn nur jedem halbwegs aufgeschlossenen Chaostheoretiker ans Herz legen.

Ich bin kein Filmwissenschaftler, wäre es aber gern.
Mit dem Ding hier machen die ihre Hausaufgaben.

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