Es gibt Leute, die ein baldiges Revival des Blaxploitationfilms vermuten, was vorliegendes Remake in gewisser Hinsicht untermauert. Allerdings hatte das Original von 1972 auf politischer und gesellschaftlicher Ebene etwas zu sagen, nicht zuletzt, weil zu jener Zeit ein Ruck durch die USA ging. Hier stößt man indes auf die geballten Klischees eines Hip-Hop-Videos.
Priest (Trevor Jackson) ist ein erfolgreicher Drogendealer aus Atlanta, der noch ein letztes großes Ding drehen will, bevor er sich zur Ruhe setzt. Doch die rivalisierenden „Snow Patrol“ und korrupte Cops durchkreuzen zunächst seinen Plan…
Hauptdarsteller Jackson dürfte inzwischen ein Trauma von der Anwendung eines Glätteisens erlitten haben, denn anders ist die Föhnfrisur kaum zu erklären. Und dummerweise ist sie auch das einzige, was den Helden auszeichnet, da anderweitig bemerkenswerte Eigenheiten oder gar ein paar Lockerheiten Mangelware bilden. Erwähnenswert ist allenfalls, dass er etwaige Kontrahenten mit intimen Wissen anstatt mit Gewalt zu überzeugen vermag.
Ansonsten gibt es ein paar dralle Knarren, viel Bling Bling und scharfe Flitzer und ein paar Ladys, die bis auf eine Ausnahme zu Objekten mutieren, was zahlreiche Momentaufnahmen in diversen Clubs untermauern. Zwischenzeitlich gönnt sich der Titelheld gar einen Dreier mit zwei Miezen unter der Dusche, was die mit Abstand unnötigste Szene der rund 116 Minuten markiert. Ansonsten fehlt es hüben wie drüben an Action.
Zwar kommt es zu kurzen, okay choreographierten Fights und gegen Ende zu einer Verfolgungsjagd quer durch die Stadt und den angrenzenden Park, doch ordentliche Schauwerte sehen heutzutage ein wenig anders aus, zumal es über weite Phasen an Drive mangelt. Dazwischen gibt es immer mal wieder Beef mit diversen Instanzen, die sich allesamt sehr wichtig nehmen und entsprechend aufplustern, aber auch diesbezüglich fehlen markante Erscheinungen.
Entsprechend dümpelt das Geschehen ohne Höhepunkte vor sich hin, während es im letzten Drittel arg konstruiert gerät, was nicht frei von Logiklöchern und Kontinuitätsfehlern abläuft.
Das halbwegs flotte Erzähltempo hält einigermaßen bei Laune, spannungstechnisch befindet man sich deutlich im Minus.
Den deutlichsten Unterschied markiert derweil der Score. Während seinerzeit die Musik von Curtis Mayfield deutlich erfolgreicher als der eigentliche Film war, kommt hier lediglich drittklassiges Hip-Hop-Gedöns zum Einsatz, was auf demselben Niveau einiger Dialoge mit fünfmal „Nigger“ und zehnmal „Bro“ chargiert.
Immerhin gibt es zwei Gags hinsichtlich der ungewöhnlichen Frisur des Helden, doch dieser bleibt genauso blass wie die übrigen Figuren. Die Geschichte um Drogen, Deals, Freunde und Feinde beinhaltet weder überraschende Wendungen, noch einen doppelten Boden.
Das ist handwerklich okay, darstellerisch passabel, inhaltlich jedoch komplett austauschbar.
4 von 10