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Rick Rainsford. Ein markanter, zeitlos klingender Figurenname. Aber Graf Zaroff? Nein, nicht etwa der Wodka vom Discounter, sondern der finstere Geselle im ersten Menschenjagdfilm von 1932. Also, als das Thema noch unverbraucht war und das Publikum schockte. Prinzipiell funktioniert so etwas natürlich gefühlte 100 Jahre später ebenfalls, - wenn man es denn nicht so lieblos umsetzt wie Regisseur Steven Lamorte.

B-Promi, Jäger und Alkoholiker Rick (John Hennigan) befindet sich mit Fotografin Anna (Michelle Taylor) auf einer einsamen Insel, nachdem eine Yacht explodierte. Hier werden sie vom ehemaligen KGB-Agenten Zaroff (Eric Etebari) und seinem Gehilfen Ivan (Joseph Gatt) zunächst freundlich begrüßt. Doch dann offenbart Hobbyjäger Zaroff, dass Tiere als Beute schon längst uninteressant geworden sind…

Leider merkt man dem Remake das überaus schmale Budget früh an, denn die Explosion auf der Yacht wird sekundenschnell per CGI abgehandelt, danach wackelt die Kamera ein wenig im Wasser und schon strandet der vermeintliche Held am Ufer der Insel. Jener erscheint zunächst extrem borniert und arrogant, was das spätere Mitfiebern nicht unbedingt erleichtert. Fotografin Anna neigt indes zum Stänkern, was ebenfalls keine Sympathien einbringt. Mehr Helden oder potenzielle Opfer gibt es leider nicht.

Insofern geben die Fallen auf dem weitläufigen Gelände nur bedingt etwas her, denn wenn beide Gejagte innerhalb weniger Minuten in so eine tappen würden, ergäbe sich ein Kurzfilm.
Immerhin machen sich Tretminen und andere Fallen mit Auslösemechanismus immer gut, was zumindest in Ansätzen für Spannung sorgt. Weniger aufregend fallen demgegenüber die wenigen Fights aus, denn die geraten nicht nur hektisch und unübersichtlich gefilmt, sondern auch choreographisch nicht sonderlich überzeugend.

Und während man sich noch fragt, wo die schwarzen Hunde bleiben, die dem Original einen deutlichen Schub an Suspense einbrachten, wird hier der Fokus aufs Zwischenmenschliche gelenkt, was im Fall unserer Helden, schon rein darstellerisch kaum bis gar nicht überzeugt und vor allem Drive herausnimmt. Der Score versucht phasenweise gegen einigen Längen anzukämpfen, - mit nur mäßigem Erfolg.

Insofern ist diese Neuverfilmung als gescheitert zu betrachten, denn der Vorlauf gestaltet sich viel zu ausladend, während die eigentliche Menschenjagd nicht allzu viele garstige Momente aufweist, was mit einer vergleichsweise unblutigen FSK16 einhergeht. Schauspielerisch haben die Bösewichte die Nase vorn, auf atmosphärischer Ebene vermag die Kulisse hingegen allenfalls partiell zu punkten, während die Action es beinahe mehr versemmelt als richtig macht. Nur für Survival-Fans, die wirklich alles mitnehmen.
3,5 von 10

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